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Wulff-Affäre zur Unzeit

Wo ist die Talkschwemme, wenn man sie mal braucht?

von Uwe Mantel
04.01.2012 - 16:09 Uhr

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Da wird monatelang über die Talk-Schwemme im Ersten geklagt - doch ausgerechnet in diesen Tagen, in denen Wulff Gesprächsstoff genug böte, sind alle in der Winterpause. Auch auf satirische Einordnung muss man derzeit im TV leider verzichten.

Was war im Vorfeld und auch nach dem Start nicht alles über die Talk-Schwemme im deutschen Fernsehen geklagt worden. Und nun steht seit Tagen immerhin der höchste Mann im Staat unter Beschuss. Die Kreditaffäre um Bundespräsident Wulff hat sich längst ausgeweitet, vom Angriff auf die Pressefreiheit ist die Rede. In Tageszeitungen und den diversen Nachrichtenseiten im Web wird seit Bekanntwerden seiner Anrufe bei "Bild" und Springer und den Drohungen gegen Journalisten reihenweise sein Rücktritt gefordert. Die Nachfrage nach einer Talk-Runde, in der das Thema aufgearbeitet wird, dürfte derzeit also hoch sein.

Doch Christian Wulff hat sich den falschen - oder aus seiner Sicht womöglich gerade den richtigen - Zeitpunkt ausgesucht, denn bei ARD und ZDF sind derzeit leider alle Talker gleichzeitig in der Winterpause. Jauch konnte am 18. Dezember in der letzten Sendung vor der Pause zwar noch kurzfristig die "500.000-Euro-Frage" um Wulff thematisieren, doch nun ist noch bis Ende dieser Woche Sendepause. Vier Tage vor Jauch sprach Anne Will am 14. Dezember zwar ebenfalls schonmal unter anderem über Wulffs Kredit - doch das nächste Mal lädt die ARD-Talkerin sogar erst am 25. Januar wieder zur Gesprächsrunde. "Hart aber fair" hatte seine letzte Sendung am 12. Dezember und damit noch vor Bekanntwerden der Vorwürfe und ist erst am kommenden Montag wieder da. Auch Beckmann und Illner talken erst ab nächster Woche wieder.

Das soll den Sendern hier gar nicht vorgeworfen werden - "zwischen den Jahren" ist im Polit-Betrieb normalerweise nicht viel los, auch Gäste finden sich in dieser Zeit schwerer, da sei den Mitarbeitern ihr Weihnachtsurlaub gegönnt. Doch weil sich das Nachrichtengeschäft eben nicht immer an normale Öffnungszeiten hält, steht man bei ARD und ZDF nun eben bei allem Verständnis außerhalb der regulären Nachrichtensendungen schlicht etwas hilflos vor den Ereignissen rund um Christian Wulff.

Denn nicht nur die Talker sind gerade in der Pause, auch auf eine wohltuende satirische Einordnung der Geschehnisse muss man im Fernsehen derzeit leider verzichten. Während im Internet gerade Hoch-Zeit für mehr oder weniger gelungene Scherze auf Wulff herrscht, hat die "heute-show" derzeit Sendepause. Erst am 27. Januar meldet sich Oliver Welke mit seinem Team zurück. Die letzte aktuelle Sendung lief am 9. Dezember, eine Woche später folgte noch ein Jahresrückblick - eine fast schon gefährlich lange Pause für ein derart aktuelles Format. Die gesamte Wulff-Affäre wird die "heute-show" dann jedenfalls wohl verpasst haben. Auch für Harald Schmidt gäbe es derzeit Steilvorlagen en masse, doch auch er ist im Urlaub und kann frühestens am 10. Januar reagieren.

Gemessen daran, wie im Fernsehen eine solche Debatte neben der reinen Information in den Nachrichtensendungen noch begleitet werden könnte, gibt das Fernsehen -  auch im Vergleich mit anderen Medien - derzeit nicht die beste Figur ab.

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