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Drama-Summit "So geht Serie" in Köln

"Warum ist die deutsche Serie eigentlich so scheiße"?

von Thomas Lückerath
10.05.2013 - 01:05 Uhr

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An Kritik sparen sie trotzdem nicht. Die Privatsender wurden weitgehend außen vor gelassen bei der Diskussion - dafür standen die Öffentlich-Rechtlichen im Mittelpunkt der Kritik, was WDR-Fiction-Chef Gebhard Henke jedoch so nicht stehen lassen wollte. Auf die bewusst provokant formulierte Einstiegsfrage von Scott Roxborough, warum die deutsche Serie eigentlich so scheiße sei, bat Henke sich daran zu erinnern, wie viele hervorragende Fernsehfilme und Mehrteiler in Deutschland entstehen. Die würden leider oft nicht wahrgenommen, weil alle nur nach Serie fragen. Dabei sei mancher Mehrteiler im Grunde eine Miniserie - und das alles nur eine Frage der Definition. Und die deutsche Fiction besser als ihr Ruf. Dem pflichtete auch Daniel Hetzer von Action Concept bei. Die deutsche Serie werde international durchaus geschätzt - Rechte an Serien wie "Danni Lowinski" oder "Der letzte Bulle" sogar in die USA verkauft. Dass wir in Deutschland meist nur die Themen Crime und Medical besetzen, ist für ihn nicht ungewöhnlich: Das entspreche auch dem Geschmack in weiten Teilen Europas.

Hetzer warf noch den bekannten Gedanken in die Runde, dass die Produzenten die Rechte an ihren Produktionen doch bitte behalten sollen dürfen. Und er hofft bei RTL angesichts so manches Flops in der jüngsten Vergangenheit auf eine neue Serienstrategie. Hansjörg Füting von der neuen deutschen Filmgesellschaft warf zur Relativierung des Jubels über US-Produktionen ein, dass die höchstdekorierten Serien meist Nischenprogramme seien. Dass man aber mehr machen müsse und - Achtung, jetzt kommt es wieder - mehr Mut haben müsse, dabei waren sich alle einig. Eine ehrenhafte Position, der niemand widersprechen würde. Nur den entscheidenden Schritt weiter von der Feststellung des fehlenden Mutes zur Frage warum er fehlt, wurde nicht gemacht. Vielleicht aber ist das auch eine zu hohe Erwartung an eine ehrenhafte, kurzweilige aber eben erkenntnisfreie Diskussionsrunde. Dafür gab es jedoch noch den ein oder anderen flotten Spruch. Da tat sich neben Bassiner auch sein alter Freund und Kollege Peter Nadermann hervor.

Der produzierte mit Bassiner und ZDF-Produktionstöchtern so manches Spitzenprogramm wie etwa "Kommissarin Lund" und schlüpfte aber nach Bassiners Abgang in Mainz selbst auch in eine neue Partnerschaft mit Constantin Film. Auch bei ihm ging im Coloneum deshalb so manche Kritik an ARD bzw. vorallem ZDF leicht über die Lippen. "Die Sender sind wie Junkies: Sie wissen, dass der Stoff oft schlecht ist, aber sie nehmen ihn trotzdem", so Nadermann über die Unlust an neuen Ideen. Und wenn man mal Mut beim Inhalt beweise, ruiniere es die unglückliche Programmierung wie bei "Im Angesicht des Verbrechens". Wer im Alte Oma-Laden plötzlich hippe Jeans verkaufe, dürfe sich auch nicht wundern, wenn nicht sofort junge Mädchen den Laden stürmen. An diesem von Nadermann gerne gebrachten Scherz ist etwas Wahres dran.

Man müsste in der Tat durchhalten und mit Konzept produzieren. Im Falle von Klaus Bassiner fragt man sich, warum er die Chance beim ZDF nicht genutzt hat. Oder wurden es nur 18 Jahre beim ZDF, weil er eben genau das nicht getan hat, was er jetzt fordert? Weil er in erster Linie dem Publikum immer wieder das gegeben hat, was es schon kannte? In diesem Jahr hat das ZDF zumindest schon mal bemerkenswerte Produktionen vorgelegt - mit den Miniserien "Adlon", "Unser Mütter, unsere Väter" oder "Verbrechen". Lässt man aber mal die merkwürdige persönliche Note in Bassiners Äußerungen außen vor, dann kann man ihm nur zustimmen: ARD und ZDF sollten sich das Ziel setzen, wieder neue Zuschauer für sich zu gewinnen als nur Programm zu machen für die, die ohnehin nur zwischen den beiden Kanälen hin und her schalten. Und wenn RTL dann endlich mal so etwas wie ein Konzept für seine Serien hat und auch Sky und Servus TV drehen lassen statt Reden schwingen, dann wäre die Perspektive für die deutsche Serie doch gar nicht so schlecht.

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