Mike Lombardo © GEITF/Rob McDougall
Mike Lombardo im Gespräch

HBO-Programmchef: "Es geht um die Drehbücher"

von Thomas Lückerath
21.08.2014 - 16:35 Uhr

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Kein US-Sender heimst seit Jahren so viele Emmy-Nominierungen ein wie HBO. Beim Edinburgh TV Festival sprach Programmchef Mike Lombardo über die Strategie dahinter, die es eigentlich gar nicht gebe. Einblicke in die Welt von HBO.

Er habe nicht viel von Edinburgh gesehen, bekundet HBO-Programmchef Mike Lombardo. Nach seinem Auftritt beim Edinburgh TV Festival steigt der langjährige HBO-Manager gleich wieder in den Flieger. Die Emmy-Verleihung steht vor der Tür und mit 99 Nominierungen ist HBO einmal mehr meistnominierter Sender. Woher kommt dieser Erfolg? Eine Frage, die Lombardo ohne lange Überlegung beantwortet: „Es geht um die Drehbücher. Niemand schaut einen herausragenden Schauspieler in einer schlechten Rolle in schlechten Geschichten.“ Und gerade in Zeiten, in denen das Kino sich scheinbar auf Mainstream, auf Fortsetzungen, Remakes und Event-Charakter konzentriert, unterscheide sich Fernsehen immer deutlicher durch bessere Drehbücher.

Wenn er auf HBO im Jahr 2014 schaut, nennt Mike Lombardo drei Serien die stellvertretend stehen für den Status Quo des PayTV-Senders: Die ungewöhnliche Krimiserie „True Detective“, das Fantasy-Epos „Game of Thrones“ und die neue Comedy „Silicon Valley“. Bevor „True Detective“ neben „Game of Thrones“ als Emmy-Favorit ins Rennen geht, verrät der HBO-Programmchef in Edinburgh einige Details zur zweiten Staffel der Krimiserie, die bekanntermaßen mit einem neuen Cast und neuem Setting daher kommen wird. Konkret: Ermitteln werden drei Cops, darunter eine Polizistin. Und die zweite Staffel werde nicht ganz so düster wie die erste. „True Detective“ sei im Übrigen keine Krimiserie, merkt Lombardo an. Bei der Serie stehe nicht der Kriminalfall im Mittelpunkt. Das Setting diene der Erforschung der menschlichen Psyche.

Die neue Konkurrenz durch Anbieter wie Netflix und Amazon tritt HBO mit der gleichen Strategie entgegen, die HBO schon seit mehr als zwanzig Jahren erfolgreich umsetzt: Exklusivität. „Wir verkaufen unsere Serien nicht weiter. Unser Versprechen ist, dass nur HBO-Abonnenten Zugriff auf all das haben, was HBO je produziert hat. Ich bin mir sicher, dass unsere App HBO Go deshalb immer wichtiger für uns wird.“ Mit einem Riesenerfolg wie „Game of Thrones“ sieht Lombardo sich allein durch „House of Cards“ noch nicht die Butter vom Brot genommen. Woher HBO die Freiheit nimmt, riskante Serienidee anzugehen? „Anders als im werbefinanzierten Fernsehen muss bei uns nicht jede Serie  funktionieren.“ Und wenn man die Drehbücher im Blick habe und sich nicht durch große Namen und viel PR beeindrucken lasse, dann könne man das Risiko minimieren. Aus etwa sieben Scripts, mit denen man sich bei HBO ernsthaft beschäftige, gehe eins in Produktion. „Und wir ziehen nach den Piloten selten den Stecker, aber es ist natürlich auch schon passiert“, so Lombardo.

Stichwort Stecker ziehen. Wie fühlt es sich an, wenn eine Serie nach vielen erfolgreichen Staffeln dann doch ein Ende finden muss? Und woran bemisst HBO ein nötiges Ende? „Wir machen keine Marktforschung, wir gucken nicht auf Einschaltquoten. Aber es kommt ein Moment, wo die Kosten einer länger laufenden Serie immer weiter nach oben schießen und dann beginnt man darüber nachzudenken. Wenn dann der Showrunner keine überzeugende, einzigartige Idee für die nächste Staffel hat, ist vielleicht Zeit Abschied zu nehmen und das möglichst elegant hinzubekommen. Und wir wollten Budget und Sendeplatz frei machen für neue Serien. Das gleiche gilt für ‚Boardwalk Empire‘ und ‚The Newsroom‘. Aber natürlich bricht es mir das Herz. Wir sind schließlich nicht nur der Sender sondern auch der Produzent. Man arbeitet intensiv zusammen.“

Wohin steuert HBO also in einem Jahr, in dem man mit „True Blood“, „Boardwalk Empire“ und „The Newsroom“ gleich drei Serien beendet? „Ich wünschte wir wären so strategisch“, sagt Lombardo und lacht. HBO plane sein Portfolio an Eigenproduktionen nicht. „Es kann sein, dass morgen jemand mit der Idee zu einer weiteren Vampir-Serie in mein Büro kommt und ich sage ‚Bitte nicht noch eine Vampir-Serie‘. Aber wenn das Script mich dann einfach umhaut, dann produzieren wir. Die schlimmsten Meetings sind die, in denen mich Produzenten fragen „Wonach suchen Sie denn gerade?“. Das ist ganz furchtbar. „‚Es gibt eine Idee, die ich mein ganzes Leben lang schon umsetzen wollte‘ - das ist die Art von Pitch, die ich liebe.“

Und was schaut Lombardo privat - außer seinen eigenen Serien? Er lobt „Breaking Bad“ aber gesteht: Er habe so wenig Zeit, dass er beim gelegentlichen Fernsehkonsum leichte Kost bevorzuge. „Die Bachelorette“ zum Beispiel. Spontane Reaktion aus dem Publikum in Edinburgh: „Bringen Sie ‚Bachelorette‘ doch zu HBO. Dann gibt’s endlich Gruppen-Sex.“

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