Der Hodscha und die Piepenkötter © WDR/Martin Valentin Menke
Komödien-Kompetenz im Westen

Wie der WDR den Humor für sich entdeckt

von Alexander Krei
25.01.2016 - 10:01 Uhr

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Die Zeiten, in denen Filme des WDR in aller Regel düster daherkamen, sind vorbei. Das führt dazu, dass am Mittwochabend im Ersten häufiger als früher gelacht werden darf. Auch 2016 soll es vermehrt humorvolle Stoffe zu geben. Ein Ausblick.

Lange haftete den Filmen des WDR das Image an, alles zu sein – nur nicht lustig. Das hat sich inzwischen allerdings ein Stück weit geändert. Nicht ganz ohne Stolz verweist Fernsehspielchef Gebhard Henke auf zwei Comedypreise in Folge, die Komödien des WDR gewonnen hätten. Im vorigen Jahr ging eine Auszeichnung an "Vorsicht vor Leuten", 2014 war es der Film "Ein Schnitzel für alle", der den Preis einheimste. Ob dem WDR das Triple gelingen wird, steht freilich noch in den Sternen, doch Henke macht deutlich, dass der eingeschlagene Weg auch in Zukunft verfolgt werden soll. Das zeigt alleine schon die Tatsache, dass bereits der dritte Film der "Schnitzel"-Reihe mit Armin Rohde und Ludger Pistor in Arbeit ist.

Lustig soll es schon Mitte Februar zugehen, wenn im Ersten "Der Hodscha und die Piepenkötter" zu sehen sein wird – ein Film, in dem wegen des Baus einer Moschee ein vermeintlicher "Kulturkampf" zwischen einer Bürgermeisterin und einem muslimischen Geistlichen entsteht. Für den Herbst ist darüber hinaus die Ausstrahlung eines weiteren Improvisationsfilms von Regisseur Jan Georg Schütte eingeplant: Ein hochkarätig besetztes Ensemble um Bjarne Mädel, Anke Engelke und Martin Brambach ließ sich vor wenigen Wochen auf das "Wellness für Paare" ein, das die Idee des sehenswerten "Speeddatings für Senioren" aufgreift. Derzeit wird reichlich geschnitten, um aus der Fülle an Material einen 90-Minüter zu machen.

Und dann ist da freilich auch noch der Münsteraner "Tatort", in dem Jan Josef Liefers und Axel Prahl 2016 bereits zum 30. Mal ermitteln werden. Mit mehr als 13 Millionen Zuschauern führte der humorige Krimi im vorigen Jahr die Quoten-Charts an. Wenig überraschend will der WDR auch weiterhin die beim Publikum äußerst beliebten Neckereien zwischen Boerne und Thiel ohne große Veränderungen fortführen. Ständiges Fremdgehen sei ja ohnehin kein Rezept, scherzt Henke, der mit "Der letzte Cowboy" auch noch eine neue Comedyserie fürs Dritte im Gepäck hat. Dass diese dem erfolgreichen "Tatortreiniger" des NDR in gleich mehreren Punkten ähnelt, ist dem Sender wohl bewusst. Gleichwohl gibt man sich mit dem Resultat schon jetzt äußerst zufrieden.

Doch warum nur wird im WDR plötzlich so viel gelacht? Fernsehdirektor Jörg Schönenborn verweist auf eine Allensbach-Umfrage, wonach die überwiegende Zahl der Deutschen auf das neue Jahr mit Befürchtungen und nicht mit Hoffnung blickt. In schwierigen Zeit kommt dem Humor vermutlich eine besonders wichtige Funktion zu. Henkes WDR-Kollegin Barbara Buhl stellt aber auch einen "Bewusstseinswandel in der Redaktion" fest, die mehr als früher auf Komödien achte. An schwereren Stoffen mangelt es dem WDR dennoch nicht, wie etwa ein Drama beweist, in dem Annette Frier eine werdende Mutter verkörpert, die vor der schwierigen Entscheidung einer Abtreibung steht, weil ihr Kind mit einem Chromosomendefekt zur Welt kommen wird.

Im März setzt sich der Film "Auf kurze Distanz" mit den dubiosen Geschäften der Wettmafia auseinander – und auch der erste Film der neuen Reihe "Über Barbarossaplatz" mit Bibiana Beglau und Joachim Król in den Hauptrollen verspricht viel Tiefgang. Hinzu kommt schon bald eine dreiteilige Reihe über die NSU-Geschichte, zu der der WDR einen Film beisteuern wird. Nach Ansicht von Fernsehdirektor Schönenborn seien Spielfilme in der Lage, zur Glaubwürdigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beizutragen. So manche Themen könne man mit Fiction sogar besser hinterleuchten als mit klassischer Information, sagt er. Den meisten Streit gibt es aber ohnehin um komische Stoffe, stellt Gebhard Henke klar. Humor ist eben eine ernste Sache.

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