Nicht nur, weil sie in Köln gedreht wurde, passte die Premiere der neuen ZDF-Serie „Back for more“ gut zur Eröffnung des Seriencamps: Die erste Folge ist ein Vibe, lieferte am Eröffnungsabend eine nostalgisch-euphorische Stimmung. Und machte die Tatsache zur Folter, dass die Serie erst Anfang 2027 erscheinen soll. Tim Sander, Eidin Jalali, Daniel Sträßer und Tristan Seith spielen in der Serie die vier Hauptrollen Flo, Fares, Kim und Sam - Mitglieder, der früher einmal gefeierten Boyband Rise. Zwanzig Jahre später ist es fraglich, ob ein Comeback eine gute Idee wäre. Nicht fraglich hingegen: Nach diesen ersten 45 Minuten dieser stimmigen Erzählung zwischen 2000er Nostalgie und glaubwürdiger Entwicklung im Hier-und-Jetzt will man mehr. 

„Back for more“ trug in der Produktionsphase noch den Arbeitstitel „The Comeback“ und kommt aus der Schmiede von Studio Zentral/Network Movie (Christine Hartmann, Lasse Scharpen, Wolfgang Cimera) in Koproduktion mit U5 (Katrin Haase, Oliver Arnold) und dem ZDF. Die Drehbücher der Serie stammen von Riccarda Schemann und Johannes Rothe, Regie führte Facundo Scalerandi („How to Sell Drugs Online Fast”, „King of Stonks”). Und alle zusammen konnten sich, gemeinsam mit dem weiteren durchaus prominent gespickten Cast, am Montagabend feiern lassen in Köln.

Für eine Auftaktepisode, die so unerwartet glaubhaft in den Bann der Erzählung zog, dass diese 45-minütige Drama-Serie manchem so kurzweilig vorkam wie eine 25-minütige ZDFneo-Comedy. Doch das ist die erste und wichtigste Überraschung: Eine Prämisse, die nach flott erzähltem Guilty Pleasure klingt, ist eben das nicht. Humor spielt auch eine Rolle, aber die Serie lässt sich genüsslich viel Zeit und spielt so mit der Vorfreude des Publikums; der Vorfreude auf das was kommen wird oder könnte. Es entfaltet sich mehr als man erhoffen konnte.

Back for more © DWDL.de / Lückerath Premiere von "Back for more" beim Seriencamp

Tim Sanders Rolle des Flo führt uns ein in die Welt von vier Männern kurz vor der Midlife-Crisis, die vor zwanzig Jahren mal gemeinsam als Boyband Rise die Musikwelt eroberten. Doch das ist lange her: Heute steht Flo halb nackt fürs RealityTV vor der Kamera, um sein Geld zu verdienen. In Nostalgie schwelgend postet er beiläufig eine Insta-Story mit Erinnerungen an damals, die gute alte Zeit - und die erzielt damit ein so enormes Echo, dass auch aus finanziellen Gründen ein Gedanke reift: Was wäre, wenn…

Und diesen Gedanken nimmt das Drehbuch von Schemann und Rothe sehr ernst, macht aus ihm keine flotte Komödie (die liefert irgendwann demnächst Prime Video mit einer Zeitreise-Story der Elevator Boys) sondern spielt ihn glaubhaft durch. Es geht um Entscheidungen, die reifen müssen und Befindlichkeiten, die nicht für den flotten Plot einfach weggewischt werden. Hier trennt sich eben diese Drama-Serie von einer flotten Comedy-Nummer. Und so wird eine Serie, die auf dem Papier vermeintlich plot-driven ist, schon mit der Pilotfolge zur character-driven Story. 

Wie gefährlich einfach wäre es gewesen, diese Charaktere zu überzeichnen. Gerade weil die vier ehemaligen Boyband-Mitglieder in den zwanzig Jahren seit damals gänzlich unterschiedliche Lebensentwürfe verfolgt haben. Aber die Hauptrollen sind ausbalanciert. Für den ein oder anderen Schenkelklopfer oder heiteren Überraschungsmoment sorgen eher die Nebenrollen oder Gastauftritte, u.a. in liebevoll produziertem Retro-Material beim Blick auf die Erfolge der Boyband.

Dazu gehört auch eine Referenz auf die legendäre „Tic Tac Toe“-Pressekonferenz. Und Collien Fernandes ist dabei in ihrer Rolle als Viva-Moderatorin. In weiteren Folgen sind u.a. auch Detlef D! Soost und Doreen Steinert dabei, die beide einst mit „Popstars“ bekannt wurden. An genau diese frühere Castingshow lehnt sich auch das Format an, in dem in der Serienerzählung die Boyband Rise entdeckt wurde. Viel Fanservice, viel Nostalgie für Fans der frühen 2000er steckt drin - ein Vibe eben.

Back for more © DWDL.de / Lückerath Wie viele Menschen passen eigentlich auf eine Bühne?

Einer, der zum Finale der Pilotfolge in einer Szene gipfelt, die beispielhaft zeigt wie sich „Back for more“ abhebt von anderen Comeback-Erzählungen: Nach einem feindseligen Termin bei der Plattenfirma und einer Trennung im Zoff kommen die vier Männer unabhängig voneinander auf die Idee - wenn sie gerade schon mal wieder in Köln sind - in die Lieblingsgaststätte von damals zu gehen. Auf einen Reibekuchen.

Dort rücken sie erst widerwillig zusammen, doch dann werden sie von früheren Fans am Nebentisch erkannt, die Herzen erwärmen sich und natürlich filmen Handy-Kameras die ungeplante Reunion beim Kölsch. Letztlich sind es nur wenige Minuten, die das Publikum aber glaubhaft mitnehmen bei dieser neu entflammten Bromance - und dem Entschluss, es vielleicht doch tatsächlich noch einmal zu probieren. Wie es nun weitergeht, das wird sich leider erst 2027 beantworten. Wie schon gesagt: Folter!

Eigentlich übrigens sollte einmal Bill Kaulitz eine der Hauptrollen übernehmen, doch die Fantasie des ZDF zerschlug sich dann lange vor Produktionsstart. Letztlich dürfte das für beide Seiten sinnvoll gewesen sein. Einerseits mangelt es den Kaulitz-Brüdern gerade nicht an Projekten, so dass es schwer geworden wäre, dem omnipräsenten Kaulitz die Rolle des vergessenen, ehemaligen Stars abzukaufen. Außerdem wäre die Serie dann wohl weitgehend über diese eine Personalie definiert worden. Dabei ist „Back for more“ eine Ensemble-Leistung geworden.