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"GQ": Anspruchsvoll übers Ziel hinausgeschossen

von Thomas Lückerath
12.08.2010 - 02:35 Uhr

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GQAus bisher fünf Ressorts wurden acht. Das demonstriert zwar auf den ersten Blick sehr anschaulich, dass es dem Redaktionsteam unter José Redondo-Vega bei dem Relaunch des Männertitels sehr deutlich um eine breitere Themenpalette geht, aber dennoch ist gerade diese Rubrizierung eine Schwachstelle. Denn was sich in Präsentationen und Pressemitteilungen schick verkaufen lässt, ist in der Praxis für den Leser keine Orientierungshilfe. Im Gegenteil. Es wirkt verkopft und nicht intuitiv.

Anhand der Titelstory lässt sich das Detail-Problem schon schön verdeutlichen. Die Frage "In welchem Ressort finden Sie das Portrait über Schauspielerin Milla Jovovich?" könnte man vom Schwierigkeitsgrad her bei Günther Jauch beinahe als Millionenfrage stellen. Aber nur fast, denn die neue "GQ" gibt gleich acht Antwortmöglichkeiten: Gentlemen, Business, Home, Mobil, Coach, Style, Care oder Agenda? Die Lösung ist so einfach wie "Vanity Fair" in Deutschland zu etablieren: Frau Jovovich finden Sie im Ressort "Coach" - zwischen Themen rund um Partnerschaft, Fitness und Ernährung.
 

 
Tröstlich für Redondo-Vega und das Team: Auch wenn die neue "GQ" aufgrund relevanterer Inhalte zu einer längeren Lektüre einlädt, so bleibt es bei der Nutzung des Titels wohl weiterhin in erster Linie beim Blättern und Durchstöbern. Eine irreführende Rubrizierung und Leserführung etwa auch im Inhaltsverzeichnis fällt daher nicht wirklich ins Gewicht. Es überwiegt nach der Lektüre der ersten neuen "GQ" sehr deutlich die Freude darüber, dass sich ein Männermagazin traut, mehr auf Themen als auf Titelfrau zu setzen. Im Detail, wie geschildert, gibt es Verbesserungsmöglichkeiten.
 
 
Doch am Ende der Lektüre stellt man dennoch fest: Die neue "GQ" macht deutlich mehr Spaß, bietet mehr Tiefe. Was gefällt, lässt sich meist schwerer in Worte fassen als Kritik an dem, was besser sein könnte. Daher bleibt am Ende der Blattkritik ein deutlich positiver Eindruck. Und der Übereifer bei der Rubrizierung wird sich in den kommenden Monaten vermutlich automatisch korrigieren. Daher: Job well done.

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