Katastrophe in Japan © DWDL/Facebook
Wie wichtig sind Nachrichten?

Japan, ProSiebenSat.1 und die Frage der Relevanz

von Thomas Lückerath
13.03.2011 - 16:55 Uhr

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Am Wochenende bekam die ProSiebenSat.1 Media AG die Quittung für ihre fatale Entscheidung auf Journalisten im eigenen Hause weitgehend zu verzichten: Die Sender der Gruppe waren für Informationen über die Katastrophe in Japan völlig verzichtbar.

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Der arme Peter Limbourg. Wer ihn kennt, der weiß, dass man ihm wahrlich keine mangelende Leidenschaft für Journalismus vorwerfen kann. Doch in dem aktuellen Konstrukt des Infobereichs der Gruppe konnte er am Wochenende nicht wie er wollte. Als Chefredakteur von Sat.1 wird er zwar nun doch noch sogar höchstpersönlich eine Sondersendung zur Katastrophe in Japan moderieren - allerdings erst am Montagabend. Und gut versteckt: Um 23.30 Uhr nachts. Aber live - als wenn dieses Detail noch etwas retten würde.

Am Wochenende lieferten die beiden großen Vollprogramme der Sendergruppe eine wenig überraschende und trotzdem immer noch beschämende Leistung ab: Sie ignorierten die Ereignisse in Japan weitestgehend. Ja es gab immer wieder unangekündigte Newsflashes. Aber Sondersendungen? Fehlanzeige. Jetzt mag man argumentieren, dass die beiden Sender doch auch sonst kaum Sondersendungen gefahren haben in diesen Fällen. Doch das führt wiederum zu zwei bitteren Erkenntnissen.

Zum Einen scheinen die beiden Vollprogramme ihr Publikum also schon erfolgreich von aktueller Information entwöhnt zu haben. Newsflash ja, aber da man selbst in Unterföhring offenbar nicht mehr glaubt, dass bei aktueller Berichterstattung irgendjemand auf Sat.1 oder ProSieben vertrauen würde, nicht mehr. Zum Anderen scheint man in der ProSiebenSat.1 Media AG jetzt erst mit Verzögerung zu begreifen, dass man nach der Trennung von N24 nicht mehr bequem auf deren Berichterstattung verweisen kann.

Und doch ist man abhängig vom ehemals eigenen Sender. Denn dort werden die Nachrichtenformate für die ProSiebenSat.1 Media AG produziert - in Auftrag. Wundert es, wenn Sondersendungen extra kosten würden? Ein Nachrichtengeschäft im wahrsten Sinne des Wortes. Neben den Kosten bedeutet die externe Zulieferung aber auch weniger Flexibilität. So verfügt die ProSiebenSat.1 Media AG ja selbst über keine Formate oder Köpfe mehr, die man in einem solchen Fall auf Sendung schicken würde. Und dann gibt es noch eine - freundlich formuliert - eigenwillige Bewertung der nachrichtlichen Relevanz.

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