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DWDL.de-Kommentar

Die Sorge vor einem Kartell der Propaganda

von Thomas Lückerath
30.11.2012 - 00:32 Uhr

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In diesen Tagen wird viel zum Leistungsschutzrecht diskutiert. Wer nicht gerade in den Medien arbeitet, mag sich nur am Rande dafür interessieren. Dabei sollte ein Aufschrei durch die Republik gehen, weil Journalismus gerade Glaubwürdigkeit verliert.

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Dies ist ein Kommentar, der die Sachlage des Leistungsschutzrechts nicht annähernd erschöpfend erörtern will. Das wurde auch schon zur Genüge getan. Es geht viel mehr um das, was sich gerade ausgehend von diesem Thema in Medien-Deutschland abspielt, ohne dass es eine Empörung darüber gibt, wie wir sie eigentlich bräuchten. Denn Journalismus in Deutschland verliert gerade nachhaltig an Glaubwürdigkeit, weil ein Kartell aus Verlagen und verlagstreuen "Journalisten" statt journalistischer Tugenden lieber Propaganda verbreiten.

Gestritten wird in diesen Wochen über die Erfindung des Leistungsschutzrecht mit dem die Verlage gerne Geld von Google hätten. Die Argumentation ist so simpel wie bei eingeschaltetem Verstand fragwürdig: Google verdiene ja Geld mit journalistischen Inhalten der Verlage. Gemeint sind jene kurzen Anreißer-Texte in den Suchergebnissen von Google und Google News. Man scheint bei den Verlagen keinerlei Vertrauen in die eigenen Inhalte zu haben, sonst müsste man sich kaum darum sorgen, dass die Leser sich mit diesen Info-Häppchen in der Suchübersicht von Google zufrieden geben würden.

Aber eine ohnehin schon durch den verminderten Mehrwertsteuersatz staatlich subventionierte Branche, die seit Jahren mehrheitlich das Jammern und Klagen perfektioniert statt mit Leistungen zu überzeugen oder gar zu begeistern, ist sich zur Rechtfertigung eines Leistungsschutzrechtes nicht zu schade, journalistische Grundwerte über Bord zu werfen. Willkommen in der Propaganda eines Print-Kartells - und kaum jemand empört sich hörbar öffentlich, weil die veröffentlichte Meinung abgesehen von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und wenigen unanhängigen Bloggern und Online-Journalisten zum Kartell gehört.

Stattdessen werden aberwitzige Thesen verbreitet. Google soll zahlen, weil Google journalistische Inhalte kostenlos ins Netz stellt, behauptet beispielsweise der Handelsblatt.com-Chef"redakteur" Oliver Stock. Das ist wider besseren Wissens gelogen. Da werden die eigenen Leser bewusst getäuscht, um Stimmung zu machen. Denn wie auch Christoph Keese, Cheflobbyist von Axel Springer, vergisst er zwei Dinge: Die Verlage sind es, die die Inhalte kostenlos ins Netz stellen. Und sie könnten Google ganz einfach mit wenigen Zeichen Quellcode daran hindern, ihre Inhalte etwa bei Google News anzeigen zu lassen.

Journalisten wie Michael Hanfeld polemisieren in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gegen Google. Scheinheilig wird Google angesichts deren Kampagne gegen das Leistungschutzrecht vorgeworfen, sie würden ja nur eigene Interessen verfolgen. Als wenn das die Verlage nicht tun würden. Für wie dumm halten die "Qualitätsmedien" eigentlich die Leser? Und Hanfeld beklagt das intransparente Geschäftsmodell von Google. Man möchte lachen, aber es bleibt einem im Halse stecken. Undurchsichtig ist in diesen Tagen in erster Linie der von Propaganda für Verlagspositionen durchsetzte "Journalismus" von traditionsreichen Medienhäusern. Dagegen ist eine klar deklarierte Kampagne von Google harmlos.

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