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Über die Digitalsender von ARD und ZDF

Gebt es doch zu, Ihr habt sie nie wirklich geliebt!

von Thomas Lückerath
15.04.2013 - 17:13 Uhr

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Am Montag verblüffte die ARD mit einem kuriosen Vorschlag für die Reduzierung der Digitalsender aus dem eigenen Hause wie auch beim ZDF. Aus Mainz kam umgehend eine schallende Ohrfeige für den Vorstoß. Ein Kommentar über eine Träumerei und die Wahrheit dahinter.

Wer weiß, wie schwer sich ARD und ZDF sonst mit Veränderungen tun und insbesondere dann, wenn es ums Sparen geht, den verblüfft die plötzliche Erosion bei den Digitalkanälen. Selten konnten sich alle Intendanten, egal ob bei ARD oder ZDF, so unisono für die Reduzierung von Programmangeboten aussprechen, wie derzeit. Dabei gäbe es in der ARD mit ihren Dritten Programmen und der Vielzahl an Radiosendern oder Mini-Sendern wie BR-alpha schon lange Einsparpotentiale. Beim ZDF könnte man auch schon länger über den Sinn von 3sat in einer via Web vernetzten Welt nachdenken. Doch da kann man Jahre warten - es tut sich nichts. Stellt man manchen ARD-Radiosender in Frage oder 3sat - man erntet Blicke und Reaktionen, die einen ins Reich der Träumer verbannen.



Dabei beweist der neuerliche ARD-Vorstoß zur Reduzierung der Digitalsender von ARD und ZDF, dass man bei den Öffentlich-Rechtlichen auch tagsüber besser träumt als mancher Journalist. Im Zuge der Ankündigung von ZDF-Intendant Thomas Bellut sich ZDFkultur sparen zu wollen, musste die ARD nachziehen. Schließlich stieß zuletzt die Idee eines gemeinsamen Jugendkanals in Mainz auf spürbar wenig Gegenliebe. Ganz im Gegenteil sogar: Bellut markierte klare Grenzen der Ausdehnung und statt über einen neuen Kanal nachzudenken, signalisierte er Sparsamkeit - wenn auch im Angesichts des Budgets von ZDFkultur sehr überschaubaren Rahmen. Die ARD war also indirekt unter Zugzwang ebenfalls eine Sparidee zu präsentieren.

Jetzt schlägt die ARD eine "grundlegende Reform der Digitalkanäle" vor. Alle berichten darüber. Und es wirkt so wunderbar pro aktiv. So offensiv. Man kann die Intendantinnen und Intendanten der ARD förmlich beim Selber-auf-die-Schulter-Klopfen hören. Und wer sonst sofort Schnappatmung bekommt beim Thema Öffentlich-Rechtliche, der applaudiert erst einmal. Weil drei Sender weniger sind als sechs. Was für eine Sparmaßnahme, was für ein Signal. Doch wenn man genauer liest, was die dünne Mitteilung der ARD beinhaltet, dann sollte jeder Jubel verfliegen. Denn zunächst einmal ist es nicht mehr als eine Idee der ARD.

So wie neulich die mit dem gemeinsamen Jugendkanal, die in Mainz auf taube Ohren stieß. Diesmal kam die Reaktion vom ZDF sogar noch schneller - und schmerzhafter. Es ist eine schallende Ohrfeige: Man lehnt die ARD-Vorschläge klar und deutlich ab. Jeder Eindruck, dass es sich hier um eine unmittelbar bevorstehende Reform handelt, was seitens der ARD sicher erwünscht gewesen wäre, ist also im Eiltempo binnen einer Stunde zerstört worden. Man muss aber auch nicht länger als ein paar Sekunden darüber nachdenken und schon entpuppt sich die vorgeschlagene Reform als furchtbar unreife Träumerei. Aus sechs Sender sollen also drei werden, so der Vorschlag. Die wiederum aber gemeinsam von ARD und ZDF geführt werden.

Kenner kriegen an dieser Stelle schon einen Lachkrampf. Schwer vorstellbar, dass eine gemeinsame Koordination dieser dann drei Spartensender einfacher und kostengünstiger wäre als die sechs einzelnen Kanäle derzeit. Würde die ARD tatsächlich darauf verzichten die Marke tagesschau24 aufzugeben? Oder das ZDF die teuer etablierte Marke ZDFneo? Und drei Sender von zwei Anstalten kontrollieren zu lassen - da macht die einfache Mathematik einen Strich durch die Rechnung zweier gleichberechtigter Partner. Die zusätzlichen Kontroll- und Koordinationsgremien wären schon absehbar. Die Auseinandersetzungen ebenso. Und abgesehen von Zuständigkeiten wäre die Positionierung dieser drei neuen Marken am Markt ein teures Unterfangen.

Es ist also äußerst fraglich ob es wirklich eine effektive Sparmaßnahme wäre, auf diese Art und Weise die Anzahl der Digitalsender von ARD und ZDF zu reduzieren. Die ARD beweist zwar einen guten Willen, jedoch in Form einer erschreckend naiven Idee. Noch schlimmer aber ist die Beobachtung des Tempos in dem sich ARD und ZDF plötzlich in der Reduzierung der digitalen Spartensender überbieten wollen. Angesichts der sonstigen Unbeweglichkeit in den Diskussionen über die Reduzierung oder Abschaffung andere Angebote und Sender zeigt sich: So richtig ins Herz geschlossen haben ARD und ZDF ihre Digitalkanäle leider nie.

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