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Was die Bundesliga von der Premier League unterscheidet

Arme Bundesliga: Kein Sky-Konkurrent in Sicht

von Marcel Pohlig
03.03.2015 - 16:45 Uhr

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Nach dem Milliarden-Deal in der Premier League träumt auch die DFL wieder mal von höheren Einnahmen. Doch weder die "Sportschau" noch zusätzliche Anstoßzeiten werden den Rückstand verringern. Was fehlt, ist Konkurrenz im Pay-TV.

Knapp sieben Milliarden nimmt die britische Premier League in der kommenden Rechteperiode alleine auf dem Heimatmarkt ein, hinzu kommen weitere Gelder durch die Vermarktug internationaler Rechte. Das lässt freilich auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) aufhorchen, die gleich nach Bekanntwerden des Deals selbst nach Möglichkeiten der Gewinnmaximierung suchte - und die Zukunft der "Sportschau" mal wieder in Frage stellte. Da ist, womöglich auch zurecht, die Rede von Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich, wenn die Vereine im Königreich plötzlich deutlich mehr Geld durch die TV-Rechte erhalten. Künftig wird es beispielsweise so sein, dass Stoke City höhere Medieneinnahmen erhalten wird als Borussia Dortmund. Selbstverständlich hängt nicht alles am Geld, denn dass Stars wie Marco Reus in Zukunft nach Stoke City wechseln, ist dann doch eher unwahrscheinlich. Härter wird der Wettbewerb auf dem Spielermarkt durch den Milliarden-Deal der Premiere League aber ganz sicher werden.

Doch wenn schon verglichen wird, dann sollten zumindest die Unterschiede der jeweiligen Pay-TV-Märkte nicht außen vor gelassen werden. Da gibt es in Großbritannien eine sehr massive Konkurrenzsituation, die politisch gewünscht wurde. Sky ist mit mehr als zehn Millionen Abonnenten der größte und wichtigste Anbieter im Bezahlfernsehen. Doch gerade dies wurde dem Untenehmen vor gut zehn Jahren zum Verhängnis: Aufgrund der außerordentlichen Dominanz erreichten die Europäische Kommission während der Regierungszeit des damaligen Premier-Ministers Gordon Brown, dass Sky gar nicht mehr alle Rechte an der Premier League halten darf. Oder anders gesagt: Plötzlich musste sich Sky die Rechte an der Premier League teilen, ob man wollte oder nicht. Und somit auch Mitbewerbern die Tür öffnen.

Im Unterschied zum deutschen Markt werden die Rechte auf der Insel seither nicht mehr gebündelt vergeben, sondern in verschiedene Pakete geschnürt. Ein Anbieter darf dabei nie alle Pakete erwerben - der eingebaute Stolperstein für Sky, der den Pay-TV-Riesen über viele Jahre hinweg trotzdem nicht gefährlich wurde. So erwies sich einst Setanta Sports mit seinen Sportkanälen nicht als ernsthafte Konkurrenz, schlitterte 2009 sogar in die Insolvenz. Das ermöglichte den kurzfristigen Start von ESPN in Großbritannien, das seine Übertragungen sogar wieder von Sky produzieren ließ. Der Wettbewerb blieb also lange bescheiden und - wie im Falle von ESPN - schadete Sky noch nicht einmal. Erst mit British Telecom kreuzte 2013 ein ernsthafter Konkurrent auf, dessen aufkommendes Interesse ein wenig an den Arena-Deal auf dem deutschen Markt erinnert. Das Unternehmen wollte mit Fußballrechten seine Telefon/Internet/TV-Pakete aufwerten.

Verlor Premiere bei uns damals plötzlich die kompletten Bundesliga-Rechte an das Unitymedia-Angebot Arena, so war es in Großbritannien jedoch nur ein Paket von Spielen, das im Jahr 2013 dann auf einmal nicht an Sky ging, sondern beim neu gegründeten BT Sport landete. Doch es waren höchst attraktive Spiele. Mit der Festnetz- und Breitbandsparte der BT gab es auch gleich eine Infrastruktur, die man zu nutzen wusste: Als Teil des aggressiven Preiskampfes wurden die neuen Sportsender der BT allen Breitbandkunden kurzerhand kostenlos freigeschaltet. Durch den Erwerb weiterer Rechte - die UEFA Champions League läuft künftig ausschließlich bei BT Sport und nicht mehr im Free-TV - demonstrierte BT, es weitaus ernster zu meinen als es Arena bei uns je konnte.

Wenn man bei der DFL also mit einer Abschaffung der Spiel-Highlights im Rahmen einer vorabendlichen "Sportschau" im Ersten liebäugelt, dann verdrängt man, dass in Großbritannien längst nicht "Match of the Day" bei der BBC für die deutlichen Zusatzeinnahmen verantwortlich ist. Um von Preisen wie auf der Insel träumen zu können, bedarf es erst einer Konkurrenzsituation, wie es sie derzeit auf dem deutschen Markt nicht gibt: Sky ist alleine auf breiter Flur, erst recht, seit der DFL beim letzten Mal die Lust auf das Telekom-Angebot Liga total abhanden kam. Und ob sich die Liga vor dem Hintergrund der bitteren Erfahrungen mit dem unglücklichen Arena-Deal wirklich noch einmal einen Bieter-Wettstreit wünschen sollte, bleibt zu beantworten.

In Großbritannien wollte Sky bei den gerade abgeschlossenen Verhandlungen jedenfalls unter keinen Umständen noch einmal als Verlierer aus dem Bieterwettkampf gehen. So zahlt Sky in UK in der kommenden Rechteperiode unglaubliche 83 Prozent mehr als bislang, womit Sky der Premier League pro Saison 1,39 Milliarden Pfund (knapp zwei Milliarden Euro) überweisen wird. Und das wohl gemerkt für 126 Spiele, während BT Sport 42 Spiele live zeigt. Fehlen da nicht welche? Die übrigen, um 15:00 Uhr angestoßenen Spiele der Premier League, werden zum Schutz der unteren Spielklassen nicht live übertragen, sondern nur als Aufzeichnung oder in Highlights gesendet.

Es ist verständlich, dass die DFL angesichts des Premier-League-Deals nicht zu träumen aufhört und nach neuen Erlösquellen sucht. Doch es ist eben nur eine Traumwelt, in der nicht die abendlichen Highlight-Berichte oder zusätzliche Anstoßzeiten zu Milliarden-Summen führten, sondern ein intensiver Wettbewerb zweier unmittelbarer Konkurrenten. DFL-Chef Seibert formulierte in der "SZ" bereits seine Hoffnung, dass es auch in einem so großen Markt wie Deutschland sicher einen weiteren Wettbewerber geben werde. Noch hat jedoch niemand offiziell die Hand gehoben. Wenn es dazu käme, wäre es ein Traum für die DFL. Unklar ist nur, ob es finanziell gesehen ein schöner wird oder wie damals bei Arena eher ein Albtraum.

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