Ganz in weiß © Sat.1
DWDL.de-TV-Kritik zu "Ganz in weiß"

Taschentücher raus, es wird wieder geheiratet

von Alexander Krei
21.02.2016 - 19:27 Uhr

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Wer nah am Wasser gebaut ist, kommt derzeit sonntags in Sat.1 auf seine Kosten. Mit seiner neuen Hochzeits-Doku "Ganz in weiß" ist dem Sender das Taschentuch-Fernsehen allerdings äußerst gut gelungen. Über eine tränenreiche Stunde...

"Wo ist denn dein Gesicht geblieben?" Isabel Varell kann es nicht glauben, als sie Tanja wiedersieht. Knapp sechs Wochen sind vergangen, seit die Moderatorin die 49-Jährige in einen sechswöchigen Wellness-Urlaub ins Allgäu geschickt hat - in der Hoffnung, sie werde dort viele Pfunde purzeln lassen. Tanja hat sich nämlich ein ambitioniertes Ziel gesteckt: Endlich möchte sie wieder in jenes Kleid passen, in dem sie 23 Jahre zuvor ihren Mann heiratete. 23 Kilo hat sie seither zugenommen. "Pro Jahr ein Kilo", scherzt sie und ist entsprechend stolz darauf, dass in der Kürze der Zeit nun immerhin 17 davon wieder verschwunden sind.

Dass sie überhaupt wieder das Kleid von einst tragen möchte, hat einen einfachen Grund: Tanja möchte ihren Frank erneut heiraten. Wie gut, dass das Fernsehen da ist und ihren Wunsch erfüllen möchte. "Ganz in weiß" nennt sich das Format, das am Sonntag erstmals im Vorabendprogramm zu sehen war und all jenen gefallen haben dürfte, denen es nicht kitschig und tränenreich genug sein darf. Geweint wird tatsächlich reichlich: Beim Schwelgen in Erinnerungen, beim Betrachten des Brautkleids, bei der Abfahrt ins Allgäu, bei den Planungen zur Hochzeit und natürlich auch beim neuerlichen Ja-Wort vor dem Trau-Altar.

Das Schöne daran ist allerdings, dass die Tränen echt sind und dem Publikum zu keinem Zeitpunkt das Gefühl vermittelt wird, hier sei etwas gestellt oder gehe nicht mit rechten Dingen zu. Nein, Sat.1 und die Produktionsfirma Endemol Shine hat mit Tanja und Frank ein Pärchen aufgetrieben, das auch nach mehr als zwei Jahrzehnten noch so verliebt ist wie am ersten Tag - und noch dabei sympathisch ehrlich. "Ich bin super-diszipliniert, aber das kriege ich einfach nicht auf die Kette", sagt die Braut in spe, als sie auf ihre zusätzlichen Pfunde zu sprechen kommt - und zeigt sich sichtlich stolz darüber, dass ihr Frank noch immer zu ihr steht.

Als Glücksfall für "Ganz in weiß" erweist sich aber auch Isabel Varell, die zwar keine allzu tragende Rolle hat, aber ebenso authentisch daherkommt wie das Paar und sich ernsthaft für die beiden Hochzeitswilligen zu interessieren scheint. Sie herzt die Braut und fiebert mit dem Gatten, der es schaffen muss, innerhalb der vorgegebenen Zeit eine unvergessliche Hochzeits-Wiederholung auf die Beine stellen. Mit allen Hürden, die sich ihm in den Weg stellen: Dass der Kirchenaustritt des Ehepaares eine erneute Zeremonie im Gotteshaus verhindert, ist nur eines der Probleme, die sich plötzlich auftun. Am Ende gelingt das Unterfangen natürlich trotzdem und die beiden Erneut-Verheirateten liegen sich glücklich in den Armen.

Das alles ist nicht spektakulär, aber sehr solides Fernsehen, das von Anfang bis Ende ohne Gestörte auskommt. Es geht um zwei Menschen, die sich lieben und deren Geschichte man ein Stück weit verfolgen kann. Dabei profitiert das Format im Übrigen von seiner Kürze: Mal nicht aufgebläht auf zwei oder gar drei Stunden, wird der Zuschauer nach recht knackigen 60 Minuten, in denen immer wieder alte Videoaufnahmen einen Vergleich zwischen beiden Hochzeiten zulassen, mit einem warmen Gefühl entlassen. Es ist im besten Sinne eine Sendung fürs Herz, für die Sie besser schon mal die Taschentücher bereitlegen sollten, sofern Sie nah am Wasser gebaut sind.

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