24: Legacy © Fox
DWDL.de-Serienkritik

"24" ist wieder da: Es geht auch ohne Jack Bauer

von Timo Niemeier
13.02.2017 - 19:58 Uhr

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Wer Action mag, wird "24: Legacy" lieben. Die Serie startet nun auch in Deutschland und wird Fans des "24"-Universums begeistern. Dass Kiefer Sutherland aka. Jack Bauer nicht mehr dabei ist, ist sehr erfrischend. "24: Legacy" bietet aber auch ohne ihn viel Bekanntes.

Achtung: Dieser Text enthält Spoiler zur neuen Fox-Serie "24: Legacy", die ab Montagabend auch bei Sky 1 zu sehen ist. 

Jack Bauer ist "24" und "24" ist Jack Bauer. Viele Fans konnten sich die Serie ohne den markanten Agenten nicht vorstellen. Nun hat der US-Sender Fox mit "24: Legacy" eine Fortsetzung der Serie auf Sendung geschickt, in der Kiefer Sutherland nicht mehr mitspielt. Das ist auf der einen Seite ein Risiko, weil dieser eben wie kein anderer für die Serie stand. Bietet aber auch eine Chance, festgefahrene Strukturen innerhalb des "24"-Universums aufzubrechen. "24: Legacy" kann dank des neuen Casts auch einiges anders machen, die Ähnlichkeit zum Original ist aber unverkennbar.

"24: Legacy" bietet auch weiterhin das, was "24" in der Vergangenheit stets geboten hat: Viel Action, kaum Zeit zum durchatmen und immer wieder neue Wendungen. Das macht die Serie aus und wer das bei "24" nicht mochte, wird auch mit der neuen Serie nicht glücklich. Wie beim Original, sind auch bei "24: Legacy" die Dialoge nicht sehr originell oder die Geschichte tiefsinnig. Es geht um Terroristen, die Anschläge planen, und Agenten, die dies verhindern wollen. Und irgendwo wartet immer die nächste Überraschung.


Jack Bauer heißt nun Eric Carter und wird gespielt von Corey Hawkins. Dass der zuletzt als Heath für einige Folgen in "The Walking Dead" zu sehen war, erkennt man kaum. In der Zombieserie noch im Rasta-Look, ist er als Soldat Carter kurzgeschoren und tritt deutlich härter auf. Nach einer Mission, bei der er mit seinem Team den Terrorpaten Sheik Ibrahim Bin-Khalid ausgeschaltet hat, kehrt er zurück in die USA. Die Männer der Elite-Truppe erhalten neue Namen und können so in vermeintlicher Sicherheit als normale Bürger leben.

Doch die Sicherheit währt nur kurz: Anhänger von Bin-Khalid haben die Soldaten ausfindig gemacht und bringen sie der Reihe nach um. Carter und einer seiner früheren Kameraden können entkommen und müssen um ihr Leben fürchten. Und von dort an begibt sich Carter auf die Suche nach den Terroristen und einer sogenannten "strongbox", die diese suchen, weil sie beim Einsatz gegen Sheik Ibrahim Bin-Khalid verschwand. In der "strongbox" befinden sich die Informationen über Schläferzellen in den USA, die nur auf einen Befehl warten, um Anschläge im ganzen Land zu verüben.

Das Problem für Carter: Er kann fast niemandem trauen. Nur drei Personen kannten die neuen Identitäten seines Teams. Und so geraten schnell hochrangige Führungsmitarbeiter der Geheimdienste in Verdacht, die dann auch kurzerhand festgenommen werden. Schon in den ersten zwei Folgen zeigt sich eine Tendenz, wer der Maulwurf sein könnte - wer "24" aber kennt weiß, dass am Ende doch alles ganz anders sein kann.

"24: Legacy" versucht gar nicht groß, sich von dem Original abzuheben. Eric Carter ist zwar anders als Jack Bauer kein Agent, sondern ein ehemaliger Soldat, der seinem Land gedient hat und dem ein wichtiger Schlag gegen den Terror geglückt ist. Aber auch in der neuen Serie spielt die Counter Terrorist Unit (CTU) eine entscheidende Rolle. Auch die Tatsache, dass der CTU-Chef vorübergehend außer Gefecht gesetzt wird, weil er der Mittäterschaft verdächtigt wird, ist nicht neu. Auch der ganze Look stammt unverwechselbar vom Original: Musik, Kamera und Schriftzüge sind unverwechselbar "24" zuzuordnen. Die Schriftzüge sind mittlerweile aber nicht mehr gelb, sondern blau. Und einen Auftritt des Präsidenten hat es in den ersten zwei Folgen auch noch nicht gegeben.

Die Macher bemühen sich in den ersten Folgen jedenfalls spürbar, viel Spannung reinzubringen, was ihnen zweifelsohne gelingt. Es gibt kaum Möglichkeiten, um mal innezuhalten. Da ist der Haupt-Handlungsstrang mit Carter, der nur knapp einem Anschlag entkommt und die "strongbox" sucht. Daneben lernt man auch seinen Bruder Isaac kennen, der seiner Frau (die gleichzeitig auch Isaacs ehemalige Freundin ist), Unterschlupf gewährt und Anführer einer lokalen Gang ist. Ein weiterer Handlungsstrang spielt in einer Schule, in der eine Schülerin gemeinsam mit einem Lehrer einen Anschlag plant. Sie sind eine der vielen Schläferzellen im Land. Und dann wäre da noch Rebecca Ingram, die früher mal die CTU geleitet hat und nun mit ihrem Mann, dem Senator John Donovan, ins Weiße Haus ziehen will. Sie steckt plötzlich mitten in den Ermittlungen und scheint die einzige vertrauenswürdige Quelle für Carter zu sein.

Innerhalb der CTU gibt es zudem eine neue Mitarbeiterin, die sich als Cousine von Edgar Stiles vorstellt - ein kleiner Verweis auf "24", wo Stiles lange ebenfalls Mitarbeiter der CTU war. Ansonsten halten sich die Macher mit direkten Verweisen auf das Original zurück, was der Serie gut tut. Durch die vielen neuen Personen ergeben sich einige neue Erzählmöglichkeiten. Hier war Jack Bauer zuletzt einfach am Ende angekommen. Man hatte das Gefühl, dass man ihn schon zu gut kannte und alles über hin wusste. Von daher ist der neue Cast ein Pluspunkt für die Serie.

Zumal dieser Cast die Spannung überhaupt nicht trübt. Es ist viel los in "24: Legacy" und sämtliche Handlungsstränge offen. Kurz greift die neue Serie auch die Gewalt von Polizisten gegen Schwarze auf, was für "24"-Verhältnisse eine relativ subtile Kritik an der derzeitigen Situation in den USA ist. Ansonsten geht es aber hauptsächlich (mal wieder) um islamistisch motivierten Terror. Vielleicht wären die Macher gut beraten, sich hier in Zukunft auch mal andere Bösewichte auszusuchen. Spannend wird in jedem Fall die Frage, wie die Verantwortlichen ihr Echtzeit-Alleinstellungsmerkmal halten wollen. Da es nur zwölf Folgen gibt, soll es an gewissen Punkten Zeitsprünge geben. Das könnte dieses eigentlich tolle Gimmick kaputt machen.

Wie wichtig "24: Legacy" für Fox ist, zeigt die Tatsache, dass der Sender die Serie vor einer Woche im Anschluss an den Super Bowl zeigte - dem wohl wichtigsten Sendeplatz des Jahres. Aufgrund der Verlängerung der Football-Partie startete die Serie etwas später und erreichte mit 17,58 Millionen Zuschauern die niedrigste Reichweite seit 2003 eines Programms, das nach dem Super Bowl gezeigt wurde. Die erste Folge auf dem regulären Sendeplatz unterhielt noch 6,22 Millionen Menschen und damit etwas mehr als "24: Live Another Day" zuletzt in 2014. Viel mehr Zuschauer sollte die Serie nun aber nicht mehr verlieren. Ein Erfolg wäre den Machern zu wünschen, ist "24: Legacy" doch eine spannend Serie und auch ohne Jack Bauer sehenswert.

Sky 1 zeigt "24: Legacy" montags um 22:15 Uhr. Los geht's mit einer Doppelfolge. 

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