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Es wird international

Grenzen überschreiten: Fiction auf neuen Wegen

von Alexander Krei
09.04.2013 - 00:23 Uhr

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Auch ohne die großen US-Player bietet der Fiction-Markt auf der MIPTV in Cannes spannende Formate. Der deutsche Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" ist begehrt - und internationale Koproduktionen gewinnen an Bedeutung.

Mehr denn je, so hat man zumindest den Eindruck, spielen auf der MIPTV im fiktionalen Bereich die internationalen Koproduktionen eine wichtige Rolle. Zum wiederholten Male haben die großen amerikanischen Player nämlich darauf verzichtet, im Frühjahr die Reise nach Cannes anzutreten. Doch auch abseits der US-Produktionen gibt es reichlich Sehenswertes. Da wäre etwa die von BBC Worldwide vertrieben Serie "Da Vinci's Demons" zu nennen, auf die in Cannes ein erster Blick geworfen werden konnte. Oder auch "Low Winter Sun" - eine Serie, bei der es sich um eine Co-Produktion von Endemol Studios und AMC Studios handelt. Den internationalen Durchbruch soll zudem die neue Krimiserie "Crossing Lines" schaffen, mit der sich Tandem Communictions nun in den Bereich der einstündigen Serien vorwagt.

Bislang machte die Firma vor allem mit Produktionen wie "Die Säulen der Erde" oder "Der Ring der Nibelungen" von sich reden. Von "Crossing Lines" sind nun zunächst gleich zehn Folgen entstanden, mit denen man auf dem internationalen Markt angreifen will. "Wir setzen auf ein Genre, das über die Grenzen populär ist, und entwickeln es weiter", so Rola Bauer, Geschäftsführerin von Tandem Communications, im Gespräch mit DWDL.de über ihre Krimi-Produktion. Sie sieht nicht zuletzt in der Finanzkrise auch eine Chance für internationale Koproduktionen - frei nach dem Motto: Gemeinsam ist man stärker. Das trifft auch auf "Crossing Lines" zu. Im Mittelpunkt der Serie steht eine Polizei-Spezialeinheit des Internationalen Gerichtshof (ICC) in Den Haag. Das Team jagt Serienverbrecher und Schwerkriminelle weltweit und grenz-übergreifend. Ganz im Sinne vieler Fernsehmacher auf der MIP eben.

In besonderer Weise wird bei "Crossing Lines" übrigens versucht, die Vorteile einer internationalen Korproduktion zu nutzen. So spielt die Serie etwa in Rom, London und Madrid, gedreht wurde in Prag, Paris und Nizza. Deshalb passt "Crossing Lines" auch in Rola Bauers Welt. "Ich bin eine Kanadierin, habe in Paris gewohnt und bin jetzt in München", erzählt sie. Das prägt. Der internationale Faktor war letztlich auch bei der Besetzung der Rollen ein zentraler Punkt. Die Hauptrolle übernimmt der aus "Prison Break" bekannte Schauspieler William Fichtner, daneben sind aber auch Donald Sutherland, die Italienierin Gabrielle Pession, der Ire Richard Flood und der aus Deutschland stammende Tom Wlaschiha zu sehen. Letzterer hat sich inzwischen an die Internationalität gewöhnt, war er doch zuletzt auch schon im Serien-Hit "Games of Thrones" zu sehen.

Die verschiedenen Dialekte werden übrigens auch in der Serie explizit eine Rolle spielen, heißt es, auch wenn abzuwarten gilt, was nach der Synchronisation davon übrig bleiben wird. Bei der internationalen Vermarktung soll aber auch Co-Producer Ed Bernero helfen, der schon bei "Criminal Minds" an Bord war und sich entsprechend gut mit dem Krimi-Genre auskennt. Das Budget von "Crossing Lines", so betonte Bernero auf der MIPTV in Cannes, sei sogar höher als in der Anfangszeit von "Criminal Minds". Will heißen: Auch die Europäer bekommen inzwischen erstaunliche Summen zusammen, wenn es darum geht, eine Serie auf die Beine zu stellen. Im Falle von "Crossing Lines" lässt man sich eine Folge immerhin drei Millionen Dollar kosten. Es ist ein Weg, der offenbar Erfolg bringt: In den USA hat sich gerade erst NBC die Rechte gesichert.

Und hierzulande ist "Crossing Lines" bereits an Sat.1 verkauft worden - ein Sender, in dessen Krimi-Umfeld die Serie ohne Zweifel gut passt. Kein Wunder also, dass "Crossing Lines" für Tandem Communications erst der Anfang im Bereich der Einstünder sein soll. "Es ist sehr kompliziert, ein solches Projekt umzusetzen", gibt Rola Bauer zu bedenken. Geholfen habe im Falle von Tandem aber vor allem die Übernahme durch Studiocanal - ein wichtiger Partner, der alsdann auch das nötige Kleingeld in die Hand nahm. Aller guter finanzieller Ausstattung zum Trotz machte Schauspier Tom Wlaschiha im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de aber deutlich, dass zumindest für ihn nicht nur das Geld eine Rolle spielt. "Am wichtigsten ist ein gutes Drehbuch. Wenn das gut ist, dann drehe ich auch gerne Studentenfilme", so Wlaschiha.

Davon gibt es auf der MIPTV allerdings zugegebermaßen nicht allzu viele. Und so bekommt vor allem das große Fernsehen auch große Aufmerksamkeit, wie der von Teamworx produzierte ZDF-Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter", den Beta Film international anschiebt. Er ist in diesen Tagen auf der MIPTV immer wieder Thema. Das Signal, das davon ausgeht, ist eindeutig: Aus Deutschland kommen starke fiktionale Produktionen - auch wenn man sich in Deutschland selbst oftmals gerne kleiner macht als man eigentlich ist. Der packende Spielfilm über den Krieg begeistert jedenfalls das Fachpublikum und pünktlich zur MIPTV hat Beta Film verkünden können, dass "Unsere Mütter, unsere Väter" nun auch den Sprung in die amerikanischen Kinos schaffen wird. Zugegeben: Nur einige wenige Kinos werden den Film dort auch tatsächlich zeigen, doch ein kleiner Fingerzeig ist diese Verlautbarung in jedem Fall.

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