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Hoffs Mordsschau

"Tatort" aus Köln: Abenteuer mit Schnarch und Sack

von Hans Hoff
10.08.2013 - 09:31 Uhr

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"Tatort"-Fans können aufatmen: In einer Woche endet die Sommerpause. Bis dahin begeben sich die Kölner Ermittler noch einmal in die Zeitungsbranche. Das Problem: Jedes Klischee hat längst Einzug in die Realität gehalten, findet Hans Hoff.

Bevor es wieder mit neuem Material weitergeht, darf auch der WDR eine Folge wiederholen. Er hat sich für ein erfolgreich gelaufenes Stück vom Januar 2011 entschieden. „Unter Druck“ heißt das, und was das Thema angeht, hätte es zu diesem Zeitpunkt keine bessere Wahl geben können. „Unter Druck“ spielt im Zeitungsgewerbe. Es geht um eine Unternehmensberatung, die einen Verlag durchleuchtet. Es geht um Entlassungen, um mögliche Fusionen von Firmen, um Neid, Missgunst, halt um die üblichen Vorgänge, die man jeden zweiten Tag aus irgendeinem Traditionshaus hört. Allerdings gibt es da noch eine entscheidende Zutat. Im turmhohen Foyer des Verlags liegt ganz unten ein toter Berater. Keine Frage: Wenn so etwas in Köln passiert, ist das ein Fall für das unschlagbare Duo Schnarch und Sack.

„Gesprungen?“ Sack will das angesichts der Leiche wissen. „Mit einem Smartphone in der Hand?“ Der Leichenbeschauer fragt ungläubig zurück, woraufhin Sack einen blitzschnellen Schluss zieht. „Also gesprungen worden.“ Hammer, diese blitzgescheiten Kölner Wurstbudennutzer haben es echt drauf.

Kurz danach kommt auch Schnarch ins Bild. Er befragt einen Schichtleiter, und als der wütend wird, weil er das Wort Unternehmensberater nicht mehr hören kann, holt Schnarch die Moralkeule aus dem Halfter. „Herr Peters, ihnen ist wohl egal, dass hier ein Menschen gestorben ist, mit dem Sie sich letzte Nacht gestritten haben?“ Ja, so spricht Schnarch gerne, und er hat dabei stets etwas in der Stimme, das nach dem gesammelten Leid eines Drittweltlandes klingt. 

In der Folge geht es rasant durch die Branche, und es wird kein Klischee ausgelassen. „Wir müssen wachsen, um uns in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld zu behaupten“, sagt der von Johann von Bülow gespielte Verlagsgeschäftsführer. Ein eitler Fatzke. Man kennt das von Bülow, schließlich war er just eine Woche zuvor auch im Bodensee-„Tatort“ ein eitler Fatzke, dort indes nicht im Verlag, sondern in einer Schönheitsklinik, was bei manchen Blättern letztlich aufs selbe rauskommt.

Gegenüber so einem will natürlich auch Sack glänzen. „Ein Mordfall ist sicherlich das letzte, was sie brauchen können, kurz vor einer Fusion“, klugscheißert er herum, um hernach daheim im Büro mal so richtig Dampf abzulassen. „Ich kann diesen Businesskack nicht ausstehen“, sagt Sack. Und als er dann erfährt, dass die Berater für ihr Tun eine flotte Million kassieren, dreht er flott noch eine Empörungsschleife. Das will in sein mit Dicksein, Boulevardschlagzeilen und Wurstbudenbesuchen komplett ausgelastetes Hirn nicht hinein. Dementsprechend hält er bei der Durchsuchung des Hotelzimmers eines Beraters ein paar Strümpfe hoch. „Seide“, sagt Sack angeekelt, und dann diagnostiziert er, was er in seinem penetrant vorgetragenem Kölnersein noch schlimmer findet: „Kniestrümpfe“.

Nun gut, man erwartet nicht wirklich viel, wenn Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär als Schnarch und Sack auftreten. Da geht es halt um die üblichen Rituale, und zwischendrin wird über die komische Welt da draußen gestaunt und ein unglaublicher Fall gelöst. Dass es bei den beiden nie ein wirklich spannender Krimi werden wird, ahnt man schnell, dass es Klischees nur so hagelt, kann man wissen.

In dieser Wiederholung kommt den beiden allerdings das Glück der Aktualität zugute. Hatten Sie den Film 2011 vor dem Hintergrund der Umwälzungen bei DuMont Schauberg in Köln präsentiert, so passt er dieser Tage beinahe perfekt auf die Vorgänge zwischen Springer und Funke. Möglicherweise kann man ihn schon nächstes Jahr wieder aufführen, und er wird noch ein bisschen aktueller aussehen.

„Haben wir nicht alle verstanden, dass die guten alten Zeiten vorbei sind?“ Das sagt der Personalchef und übergibt Schnarch und Sack eine Fit-For-Fusion-Liste. Das ist natürlich ein Euphemismus, denn in dem Papier finden sich all jene, die demnächst ohne den Verlag ihr Leben fristen müssen.

Das wirklich Schlimme sind indes gar nicht die ewigen Klischees in diesem Möchtegernkrimi. Das Schlimme ist, dass diese Klischees längst Einzug gehalten haben ins ganz normale Verlagssprech, in die Pressemitteilungen jener Firmen, die mit Gedrucktem handeln, die Menschen freisetzen und dabei immer noch von Qualitätsjournalismus faseln. Zu Deutsch: Das wirkliche Leben ist inzwischen schlimmer als ein Kölner „Tatort“. Da ziehen noch harte Zeiten auf für Schnarch und Sack.

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