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Dass der MDR seine Programmdirektionen in Halle und Leipzig zusammenführen will, ist schon lange bekannt. Unklar war bislang aber, wer die neue Einheit führen wird. Vor fast einem Jahr scheiterte die von MDR-Intendant Ralf Ludwig favorisierte Jana Brandt in mehrere Durchgängen vor dem Rundfunkrat, sie führte damals bereits seit einigen Jahren die Programmdirektion in Halle. Auch die Verantwortung für Leipzig lag damals kommissarisch in ihren Händen. Die Personalie hätte also Sinn gemacht, dennoch gab es kein grünes Licht aus dem Rundfunkrat. 

Im vergangenen Sommer schrieb der MDR die Stelle schließlich aus, in den vergangenen Wochen und Monaten lief der Bewerbungsprozess. Nun gibt es ein Ergebnis: Ralf Ludwig wird dem Rundfunkrat in seiner nächsten Sitzung am 26. Januar vorschlagen, Boris Lochthofen zum neuen Programmdirektor für Halle und Leipzig zu berufen. Der MDR hat entsprechende Informationen des Medienmagazins DWDL.de am Donnerstag bestätigt. Die Bewerbungskommission, der auch Vertreterinnen und Vertreter von Rundfunkrat und Belegschaft angehörten, habe sich mit großer Mehrheit für ihn ausgesprochen. Auch "Flurfunk Dresden" berichtet über die Personalie. 

Der Rundfunkrat muss diesem Vorschlag jetzt noch zustimmen - und es ist wohl davon auszugehen, dass Ralf Ludwig nach dem Wahl-Debakel rund um Jana Brandt vor einem knappen Jahr seine Hausaufgaben gemacht hat und genügend Ja-Stimmen auf seiner Seite weiß. Nach der langen Hängepartie wäre es für das ganze Haus nun wichtig, endlich Klarheit über die Führung der Einheit zu haben. Erhält Lochthofen grünes Licht vom Rundfunkrat, hat er eine fünfjährige Amtszeit vor sich. Der MDR will sich mit Rücksicht auf die Befassung in den Gremien nicht weiter zur Personalie äußern. 

Dass die Wahl von Ralf Ludwig auf Boris Lochthofen fällt, kommt etwas überraschend. Der Manager wollte vor wenigen Jahren ebenfalls MDR-Intendant werden und verließ das Unternehmen, als sich der Rundfunkrat für Ludwig ausgesprochen hatte. Lochthofen ging anschließend in die Privatwirtschaft, seit dem 1. Januar 2024 ist er als geschäftsführender Gesellschafter und CEO für die operative Führung der Teutocast GmbH, der Raudio.BIZ GmbH und der National German Radio GmbH sowie weiterer Unternehmen des Netzwerkes verantwortlich.

Lochthofen wollte MDR-Intendant werden

Nun plant Lochthofen also den Wechsel zurück zum MDR, den er, anders als ein klassisch externer Bewerber, bestens kennt. Vor seiner Zeit bei Teutocast war er seit 2016 Landesfunkhausdirektor in Thüringen, nach seinem Abgang hat diesen Job Astrid Plenk übernommen, die 2023 ebenfalls MDR-Intendantin werden wollte. Lochthofen arbeitete beim MDR darüber hinaus auch als Geschäftsführer der Vermarktungseinheit MDR Media. 

Wann genau Boris Lochthofen seinen neuen Job im MDR antreten wird, ist aktuell noch unklar. Das hängt wohl auch davon ab, wann der Manager aus seinem bestehenden Vertrag bei Teutocast herauskommt. Beim MDR plante man zuletzt mit einer Besetzung der Führungsposition in der zusammengelegten Programmdirektion zu Anfang März oder April. "Flurfunk Dresden" berichtet aus einem Schreiben des Intendanten an die Mitglieder des Rundfunkrats, aus dem geht offenbar hervor, dass Lochthofen ab dem 1. April zur Verfügung stünde. 

Fest steht: Bis zum Amtsantritt von Lochthofen werden beide Programmdirektionen kommissarisch geleitet - und das getrennt voneinander. Die Programmdirektion Leipzig wird schon seit einiger Zeit von Torsten Peuker interimistisch geführt - und auch Jana Brandt ist nur noch bis Mitte dieses Monats in Halle im Amt. Ab dem 15. Januar soll die Programmdirektion Halle deshalb kommissarisch von Christina Herßebroick, Hauptredaktionsleiterin Gesellschaft und bislang schon Stellvertreterin von Jana Brandt, geführt werden. Auch das hat der MDR gegenüber DWDL.de bestätigt.