Für Thilo Mischke ist das zurückliegende Jahr kein einfaches gewesen: Nachdem die ARD ihn bei "ttt" fallen ließ wie eine heiße Kartoffel, fiel für den Journalisten nicht nur ein fest eingeplanter Job weg. Im Podcast "Hotel Matze" erklärte Mischke vor einigen Wochen, dass er sich im Zuge des Shitstorms, der sich angesichts der geplanten "ttt"-Verpflichtung entfacht hatte, umbringen wollte. Öffentliche Beistandsbekundungen kamen Anfang 2025 unter anderem von ProSieben, wo zuletzt auch wieder einige Mischke-Dokus zu sehen waren. 

Doch Thilo Mischke ist in den zurückliegenden Monaten auch für das ZDF tätig gewesen. Die Mainzer werden am 21. Januar, kurz vor dem Holocaust-Gedenktag, die dreiteilige Dokuserie "German Guilt" veröffentlichen, die Mischke nicht nur mit seiner Produktionsfirma pqpp2 produziert hat, sondern in der er auch selbst zu sehen sein wird. 

Gemeinsam mit Schauspielerin Katja Riemann und Autorin Ronja von Rönne begibt sich Thilo Mischke in dem Format auf eine persönliche Spurensuche: Es geht um die Frage, welche Rolle die eigenen Familien während der NS-Zeit gespielt haben und warum darüber in so vielen Familien nie gesprochen wurde. Mischke selbst entdeckt in der Doku, dass seine Großmutter unehelich in einem Heim des SS-Lebensborn geboren wurde. In diesen Heimen wurden sogenannte arische uneheliche Kinder zur Welt gebracht oder geraubte Kinder eingedeutscht.

Katja Riemann will wiederum wissen, warum ihre Großmutter 1945 unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. Und Ronja von Rönne rekonstruiert die Geschichte eines Großvaters, der Zeit seines Lebens mit einer Kugel im Kopf lebte und über dessen Vergangenheit niemand sprechen wollte. Die Serie verbindet die persönliche Spurensuche mit Recherchen, Zeitzeugenberichten und Animationen: Alte Fotos und Dokumente wurden mit KI-Unterstützung grafisch bearbeitet und zum Leben erweckt.

Gleichzeitig wollen die Macherinnen und Macher mit der Dokuserie auch zeigen, wie viel sich auch heute über die eigene Herkunft herausfinden lässt. So werden Menschen gewürdigt, die in Archiven arbeiten und dort täglich helfen, Geschichte für andere Menschen greifbar zu machen. Zu Wort kommt in der Doku auch der Publizist Michel Friedmann.

"In der Annahme, in meiner Familie gäbe es keine dunklen Geheimnisse, habe ich diese Recherche begonnen. Die Überraschung war groß – und die Erkenntnis, dass auch dort verheimlicht wurde, hat mich tief bewegt. Ich wollte mit gutem Beispiel vorangehen: Auch wenn man Unangenehmes erfährt, ist es besser, es auszusprechen, als es zu ignorieren", sagt Thilo Mischke.