In den USA berichtet CNBC seit fast 40 Jahren über Wirtschafts- und Finanzthemen, nun haben der Sender und eine europäische Investorengruppe den Start eines deutschsprachigen CNBC angekündigt. CNBC DACH soll, sofern die Wettbewerbsbehörden zustimmen, Anfang des kommenden Jahres als multimediale Plattform an den Start gehen. Geplant sind neben einem TV-Sender auch Printmedien, Live-Events sowie digitale Kanäle. Man verbinde die internationale Kapitalmarktberichterstattung von CNBC mit "fundierter, regionaler Berichterstattung", heißt es in einer Pressemitteilung. 

Den inhaltlichen Schwerpunkt soll CNBC DACH auf Akteure der Wirtschafts- und Finanzmärkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz legen. Die redaktionellen Aktivitäten werden demnach aus Frankfurt, Zürich und Wien gesteuert. Hinzu kommen geplante Standorte in Berlin und München. 

Spannend ist, wer hinter dem Projekt CNBC DACH steht. Der US-Sender wird den deutschsprachigen Kanal nämlich nicht in Eigenregie betreiben, sondern in Kooperation mit der C-DACH Business News Holding GmbH. Die Gesellschafter der in Wien ansässigen Holdinggesellschaft von CNBC DACH sind der österreichische Unternehmer, Investor und Gründer Alexander Schütz, der Unternehmer, Investor, Mehrheitsaktionär und Vorstandsvorsitzende der MET Group, Benjamin Lakatos und der Medienunternehmer Rusmir Nefic. Letzterer wird auch als CEO von CNBC DACH fungieren. 

Während Nefic bislang bei verschiedenen Medien unter anderen in Serbien, Albanien oder auch Polen tätig war, ist Alexander Schütz bereits heute im deutschsprachigen Medienmarkt aktiv. Und seine bestehenden Beteiligungen werfen Fragen auf. Der Österreicher ist mit 1,15 Prozent am österreichischen Rechtsaußen-Portal "Exxpress" beteiligt. Auch seiner Frau gehören Anteile, Eva Schütz fungiert zudem als Herausgeberin des selbsternannten Portals für "Selberdenker". Alexander und Eva Schütz leben getrennt. 

"Macht diese Zeitung fertig"

Mit dem österreichischen Ex-Kanzler Sebastian Kurz betreibt Alexander Schütz zudem eine Investmentgesellschaft, deren Geschäftsführerin Verena Regensburger ist. Regensburger ist darüber hinaus nicht nur "Exxpress"-Geschäftsführerin, die gleiche Funktion hat sie auch bei der VIUS SE, die die Mehrheit am "Exxpress" hält und hierzulande das rechtspopulistische Empörungsportal "Nius" betreibt. Schütz selbst sorgte vor einigen Jahren mit seinem interessanten Selbstverständnis von Pressefreiheit für Aufsehen. Als er noch im Aufsichtsrat der Deutschen Bank saß, wurden Chats zwischen ihm und dem ehemaligen Chef von Wirecard, Markus Braun, bekannt. Darin empfahl Schütz Braun in Bezug auf die kritische Berichterstattung der "Financial Times": "Macht diese Zeitung fertig".

Gegenüber der österreichischen Tageszeitung "Der Standard" erklärte Schütz, die Nachricht werde oft falsch wiedergegeben. Er habe das scherzhaft gemeint. Die vollständige Nachricht laute: "Du bist ja ganz ein Böser, mach die Zeitung fertig ;-)". Über die Nachrichtenagentur APA sagte Schütz mal, diese gehöre "aufgeräumt". Geschrieben hat er das vor Jahren in öffentlich gewordenen Chats mit dem früheren FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz Christian Strache. 

Zu CNBC DACH sagt Schütz nun, die Plattform sei eine "strategische Chance, das Wirtschafts- und Kapitalmarktumfeld im deutschsprachigen Markt nachhaltig zu stärken". Er wolle gezielt in ein "hochwertiges, plattformübergreifendes Wirtschaftsmedium" investieren, "das einen widerstandsfähigen, transparenten und gut informierten Finanzmarkt unterstützt". Und CEO Rusmir Nefic ergänzt: "Mit CNBC DACH bauen wir eine multimediale Plattform auf, die über Entwicklungen an den Kapitalmärkten, Markttrends und makroökonomische Zusammenhänge aus erster Hand und rund um die Uhr berichtet. Unser Ziel ist es, Führungskräften aus der gesamten DACH-Region eine starke Stimme zu geben und einen Ort zu schaffen, an dem sie sich informieren, zuhören, Ideen austauschen, Erkenntnisse teilen und sich aktiv einbringen können."

In den USA wurde CNBC gerade ausgegliedert

Craig Bengtson, Präsident von CNBC International, sagt: "CNBC DACH soll Führungskräften, Investoren und Entscheidungsträgern in den deutschsprachigen Märkten die Informationen liefern, die sie benötigen, um fundierte Entscheidungen zu treffen, und sie dabei unterstützen, Marktentwicklungen und Investitionsmöglichkeiten richtig einzuschätzen. Durch die Erweiterung der globalen Berichterstattung von CNBC um einen eigenen deutschsprachigen Dienst bieten wir dem Publikum in Deutschland, Österreich und der Schweiz Wirtschaftsnachrichten, zuverlässige Einblicke und Analysen, die regionale Entwicklungen mit den globalen Märkten verbinden."

CNBC steht für Consumer News and Business Channel und ist in den USA seit 1989 auf Sendung. Der Wirtschafts- und Finanznachrichtensender gehört zum frisch gegründeten Medienkonzern Versant. In dieses Unternehmen hatte Comcast die Kabelsender von NBCUniversal ausgelagert, neben CNBC unter anderem auch Syfy, E!, und MSNBC (mittlerweile MS NOW). Das neue Unternehmen wird auch oft als Bad Bank beschrieben, weil es Sender beinhaltet, deren Geschäftsmodell in den zurückliegenden Jahren zu bröckeln begann. Als solche will man sich aber natürlich nicht verstanden wissen. "Wenn wir uns die Reichweite unserer Sender ansehen, dann ist die noch immer größer als die von einigen der größten Streaminganbieter", sagte Val Boreland, Entertainment-Chefin von Versant, kürzlich.