Sollten Vielzahl und Lautstärke der Lacher des Publikums bei der ARD-Programmpräsentation in Hamburg der Maßstab für Erfolg sein, dann können die Verantwortlichen wohl sicher sein, mit "Friesenjunkies" einen Hit zu landen. Die neue Comedyserie der Kleinen Brüder, der Produktionsfirma von Emil und Oskar Belton, die einst schon "Die Discounter" für Prime Video machte, erzählt vom skurrilen Alltag einer luxuriösen Entzugsklinik auf Sylt und kommt mit einem prominenten Cast daher.

Martin Brambach, der neben Peter Kurth, Sönke Möhring, Sylvie Meis, Otto Waalkes und vielen anderen für die Serie vor der Kamera stand, geriet bei den Vorstellung des Projekts regelrecht ins Schwärmen. "So eine Serie hat die Welt noch nicht gesehen", sagte er. Tatsächlich machten die ersten Szenen dieser Produktion, die die ARD selbst als "absurd-authentisch Serie über Selbstzerstörung und Selbstfindung, über Sucht und Sehnsucht, über das Menschsein" bezeichnet, Lust auf mehr. Acht halbstündige Folgen, die mit einer Mischung aus Drehbuch und Impro daherkommen, sollen im Laufe des Jahres in der Mediathek ausgestrahlt werden.

Das wohl teuerste fiktionale ARD-Highlight des Jahres dürfte die finale Staffel von "Babylon Berlin" werden, die diesmal ohne die Unterstützung von Sky auskommt. Daneben setzt die ARD gleich mehrfach auf Mystery - sowohl mit "House of Yang" über zwei Mädchen, die aus einem abgeschiedenen Ort im tiefsten Schwarzwald verschwinden, als auch "Seelendorf", wo der Verbleib mehrerer Kinder ebenfalls ungeklärt ist. "Stardust Hotel" wiederum, eine Romantic-Comedyserie, erzählt von der ins Weltall ausgewanderten Menschheit.

Es sind also neue, durchaus mutige Serien-Farben, an die sich die ARD traut. Das gilt auch für "Mabuse", ein Projekt, dessen Drehstart im Sommer erfolgen wird. Die Produktion von Keshet Fiction Germany hat es sich zur Aufgabe gemacht, den schon mehrfach verfilmten "Mythos Mabuse" neu zu erzählen - und zwar als Cyber-Thriller mit einer politischen Dimension. Vor der Kamera sind Friedrich Mücke, Tom Wlaschiha und Deleila Piasko in den Hauptrollen zu sehen.

"Auf Augenhöhe diskutieren"

Im Informationsbereich will die ARD unterdessen "gesellschaftliche Debatten intensiver abbilden" - ein Aspekt, den auch der in Hamburg anwesende ARD-Vorsitzende Florian Hager betonte. Gelingen soll das durch den Ausbau sogenannter Diskurs-Formate. So soll es neben den bewährten Talkshows vier Folgen eines Townhall-Formats mit Louis Klamroth zu sehen geben. Klamroth soll in der zweiten Jahreshälfte außerdem ein regelmäßiges politisches Diskursformat für jüngere Altersgruppen in der Mediathek präsentieren, das es sich zur Aufgabe macht, "in politisch bewegten Zeiten Debattenräume zu schaffen", wie es heißt.

ARD-Programmscreening 2026 © ARD/Willi Weber ARD-Programmdirektorin Christine Strobl und ARD-Vorsitzender Florian Hager.

"Das Publikum ist nicht nur Kulisse", sagte Klamroth in Hamburg. Vielmehr soll es "auf Augenhöhe diskutieren". Ganz ähnlich äußerte sich ARD-Chefredakteur Oliver Köhr mit Blick auf die Berichterstattung zu den anstehenden Landtagswahlen. "Wir wollen in Kontakt und Austausch kommen", betonte er. Und auch "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni, der zuletzt auch das Debatten-Format "Die 100" präsentierte, sprach von Augenhöhe. Er selbst wird 2026 übrigens auch wieder eine neue Dokumentation präsentieren, die sich mit den USA befasst. Der Arbeitstitel: "Spielfeld der Macht". Anlass ist diesmal die bevorstehende Weltmeisterschaft, die neben Olympia freilich auch sportlich eine große Rolle im Programm spielen wird.

In die USA blickt derweil auch eine Spiegel-TV-Dokumentation mit dem Titel "September - 30 Tage im Herbst 2001". Anlass ist der 25. Jahrestag der Anschlage auf das World Trade Center in New York. "Eine Jahrestags-Doku ist Fluch und Segen zugleich", räumte Kay Siering, Geschäftsführer von Spiegel TV Studios, beim Programm-Screening ein. Wichtig sei es daher gewesen, einen neuen Ansatz zu finden. Die Wahl fiel daher auf eine multiperspektivische Erzählung, mit der erklärtermaßen auch eine junge Zielgruppe angesprochen werden soll, "die den Moment nicht erlebt hat", wie Siering betonte.

ESC und No Angels: Jahr der Jubiläen

Ebenfalls 25 Jahre liegt ein ganz anderes Ereignis zurück, die Gründung der ersten Casting-Band Deutschlands: In "No Angels - 25 Jahre Wir!", produziert von Warner Bros. ITVP, will die ARD erstmals "die komplette Geschichte der No Angels" erzählen. Dafür werden die vier Bandmitglieder derzeit von einem Kamerateam über ein Jahr hinweg begleitet. Um Popkultur geht es darüber hinaus schon im Mai, wenn der Eurovision Song Contest ein rundes Jubiläum feiert. "70 Jahres ESC - More than Music" soll in 90 Minuten den "prägenden Einfluss" des ESC auf Musik, Mode und Gesellschaft sowie auf die LGBTQIA+-Community beleuchten.

ARD-Programmscreening 2026 © ARD/Willi Weber Das Duo für den Vorentscheid: Hazel Brugger und Barbara Schöneberger.

Der Song Contest ist dann wohl auch in diesem Jahr wieder das mit Abstand größte Show-Highlight im Ersten - ungeachtet der neuen Zuständigkeiten hinter den Kulissen, schließlich hat der SWR die Federführung innerhalb der ARD übernommen. Mit Blick auf den Vorentscheid bleibt jedoch eine Konstante: Barbara Schöneberger, die das "deutsche Finale" Ende Februar allerdings erstmals gemeinsam mit Hazel Brugger präsentieren wird. Bei der Programmpräsentation machten die beiden schon mal deutlich, dass die Chemie stimmt - bleibt zu hoffen, dass der SWR bei den Acts ein ähnlich gutes Gespür beweist.

"2026 vereint die ARD große Lagerfeuermomente mit starken Streaming-Serien, Orientierung mit Unterhaltung, Verlässlichkeit mit Innovationskraft und liefert exzellente journalistische Qualität", fasst ARD-Programmdirektorin Christine Strobl die Pläne für 2026 zusammen. Insbesondere die fiktionale Bandbreite von "Babylon Berlin" bis "Friesenjunkies" lässt einiges erwarten.