Anfang Dezember ging beim Kölner Amtsgericht eine notariell beglaubigte Gesellschafterliste zur Aufnahme ins Handelsregister ein. Deren Absender, der Anwalt von Banijay Germany, hat statt drei nur noch zwei Anteilseigner der Produktionsgruppe darauf verzeichnet. Der Name Stefan Raab taucht nicht mehr auf. Wie aus dem Dokument hervorgeht, hat der französische Konzern Banijay Entertainment Raabs zehn Prozent durch Anteilsübertragung erworben und hält nun insgesamt 90,22 Prozent an der deutschen Tochter. Die restlichen 9,78 Prozent gehören unverändert der Woltertainment GmbH von Geschäftsführer und Mitgründer Marcus Wolter.

Mit der Transaktion endete kurz vorm Jahreswechsel eine Partnerschaft, die eigentlich schon zwei Jahre zuvor aufgelöst werden sollte. Im Oktober 2023 war bekannt geworden, dass Raab zum Ende des Jahres als Produzent der Tochterfirma Raab TV ausscheiden und in diesem Zuge auch den Gesellschafterkreis von Banijay Germany verlassen würde. Während die operative Trennung tatsächlich stattfand, scheiterte der Anteilsverkauf daran, dass Raabs Preisvorstellungen weit über jenen der Franzosen lagen. So entstand die kuriose Situation, dass Raab seine neue Produktionsfirma Raab Entertainment aufbaute und zugleich am größeren Wettbewerber beteiligt blieb.

Wie es schließlich zur Einigung kam und ob Raab seine Forderungen mittlerweile heruntergeschraubt hatte, ist unklar. Banijay-Sprecherin Simone Lenzen bestätigt auf DWDL.de-Nachfrage lediglich den erfolgten Anteilsverkauf, ohne auf nähere Einzelheiten einzugehen. Raab selbst ließ die Anfrage unbeantwortet.

Der finanzielle Stellenwert der Transaktion wird ersichtlich, wenn man auf den ursprünglichen Kaufvertrag zwischen Banijay und Raab vom Februar 2018 zurückgeht. Damals wollte der Entertainer seinen 12,5-Prozent-Anteil an der Produktionsfirma Brainpool veräußern, was einen langwierigen Rechtsstreit zwischen den Franzosen und den übrigen Altgesellschaftern von Brainpool auslöste. Vor Gericht sickerte durch, dass Raabs Anteil mit einem zweistelligen Millionenbetrag bewertet wurde. Als man sich im Jahr 2020 schließlich einigte und die Anteilsübertragung vollzogen wurde, erhielt Raab anstelle eines All-Cash-Deals zehn Prozent der Anteile am neu formierten Mutterkonzern Banijay Germany. Diese hat er nun mit Verzögerung versilbert.

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