Rund eine Viertelstunde fehlt inzwischen, seit Sat.1 vor einigen Tagen eine Folge seiner Reportage-Reihe "Ronzheimer - Wie geht's, Deutschland?" überarbeitete. Gestrichen wurden jene Szenen, in denen es um Yannis B. ging - einen jungen Mann, der sich in sozialen Netzwerken als "Arbeitsloser des Jahres" darstellte und im Gespräch mit "Bild"-Vize Paul Ronzheimer vor der Kamera keinen Hehl daraus machte, kein Problem damit zu haben, anderen "auf der Tasche" zu liegen.

In einem offiziellen Statement erklärte Sat.1 schließlich, nach der Ausstrahlung der Reportage zum Thema Bürgergeld Hinweise erhalten zu haben, wonach B. nicht die Wahrheit gesagt habe. "Er hat Dokumente und Belege gefälscht, um seine vermeintliche Geschichte glaubhaft erscheinen zu lassen", sagte Sendersprecher Christoph Körfer. Zugleich kündigte Sat.1 an, die Hintergründe und eventuelle rechtliche Schritte zu prüfen.

Aufsehen erregt der Fall aber auch deshalb, weil eben nicht nur Sat.1 über Yannis B. berichtete, sondern auch andere Medien, darunter die öffentlich-rechtlichen Boulevardmagazine "Brisant" und "Hallo Deutschland". Schon am Donnerstag hatte das ZDF auf DWDL.de-Nachfrage erklärt, dass dem Sender bei den Dreharbeiten zu dem im August 2025 ausgestrahlten Beitrag "keine Ungereimtheiten bemerkt" zu haben. "Es gab damals keinen Grund, an der Glaubwürdigkeit der Schilderungen von Yannis B. zu zweifeln."

Gleichzeitig kündigte das ZDF eine Überprüfung an und kommt nun augenscheinlich zu einem anderen Schluss. In einem neuerlichen Statement teilte das ZDF gegenüber DWDL.de mit: ""Die Sendung 'Hallo Deutschland' ist, wie andere Medien auch, offenbar falschen Angaben aufgesessen. Wir haben den Beitrag offline genommen und überprüfen den Fall." Auch beim für das ARD-Magazin "Brisant" verantwortlichen MDR will man der Sache nun noch einmal nachgehen. Dort war bereits im Juni vergangenen Jahres ein Beitrag gesendet worden, indem Yannis B. als sogenannter "Arbeitsloser-Influencer" vorgestellt wurde - Ausschnitte davon sind auch noch auf der Instagram-Seite des Mannes zu sehen.

"Sowohl bei der Kontaktaufnahme, in schriftlichen Nachfragen sowie bei Dreh und Abnahme sind keine Ungereimtheiten aufgefallen", erklärte ein MDR-Sprecher auf Anfrage von DWDL.de. "Der Redaktion sind Zweifel an der Glaubwürdigkeit erst durch die Anfrage bekanntgeworden." In der Mediathek sei der Beitrag aber schon seit Monaten wegen des sogenannten "Verweildauerkonzepts" nicht mehr abrufbar. Gleichwohl soll er nun aber nach Angaben des Senders noch einmal "intern überprüft" werden.

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