Acht Jahre ist es her, dass die Schweizerinnen und Schweizer zuletzt über ihren öffentlich-rechtlichen Rundfunk abstimmten. Eine Gruppe rechtskonservativer und libertärer Politiker war es, die damals eine komplette Abschaffung der Gebühren forderte. Und auch wenn viele mit einer knappen Entscheidung rechneten – am Ende stimmten mehr als 70 Prozent der Bürger gegen die Initiative. Euphorisch äußerte sich Gilles Marchard, der damalige Generaldirektor der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), trotzdem nicht. Man wisse, dass auch Teil jener, sich gegen die Gebührenabschaffung aussprachen, Neuerungen von der SRG erwarte. Seine Botschaft: "Wir haben verstanden."

An diesem Sonntag wurde in der Schweiz nun erneut über die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abgestimmt. Und auch wenngleich diesmal keine Abschaffung im Raum stand, so ging es bei der sogenannten "Halbierungsinitiative" Volksabstimmung doch um eine deutliche Senkung des Rundfunkbeitrags. Dahinter steht die Initiative "200 Franken sind genug!", die etwa von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) unterstützt wird. Sie sieht vor, dass Haushalte künftig nur noch 200 Franken pro Jahr für die SRG bezahlen sollen. Aktuell sind es 335 Franken, umgerechnet also rund 370 Euro und damit deutlich mehr als in Deutschland für ARD und ZDF bezahlt werden muss. Teuer ist der Schweizer Rundfunk auch deshalb, weil das Angebot in gleich vier Sprachen produziert wird. Kritiker sehen gleichwohl Sparpotenzial und fordern einen stärkeren Fokus auf Information und Kultur.

Nun das Ergebnis: Seit Sonntagmittag deutete sich in ersten Hochrechnungen an, dass die Schweizerinnen und Schweizer auch die neuerliche Initiative ablehnen - auch wenn die Ablehnung offenbar längst nicht so deutlich ausfällt wie noch 2018, als die komplette Abschaffung des Rundfunkbeitrags zur Abstimmung stand. Mit 62 Prozent fiel das Ergebnis gleichwohl recht deutlich aus.

SRG-Generaldirektorin Susanne Wille hatte bereits im Vorfeld eindringlich vor den Folgen der Initiative gewarnt, die eine Halbierung des Budgets bedeutet hätte. "Das ist das Ende einer regional verankerten SRG. Das ist das Ende einer SRG, wie wir sie heute kennen, die ein Programm für alle bereitstellt, ein starkes Programm und vielfältiges Programm. Und das wäre ein gefährliches Experiment", sagte Wille.

Doch auch unabhängig vom Ausgang der Initiative ist die SRG angehalten, in den kommenden Jahren zu sparen, weil die Schweizer Regierung ohnehin schon eine schrittweise Reduzierung der Rundfunkgebühr um jährlich 35 Euro bis 2029 beschlossen hatte – was bereits massive Einsparungen zur Folge hat. Generaldirektorin Wille musste im Zuge dessen bereits einen Abbau von 900 Stellen ankündigen.