Nach der Genehmigung der Übernahme von Sky Deutschland durch RTL herrscht auch beim Privatsender-Verband VAUNET Zufriedenheit. Zwar bitte man um Verständnis, "dass wir konkrete Transaktionen von Mitgliedern grundsätzlich nicht kommentieren", sagte VAUNET-Geschäftsführerin Daniela Beaujean gegenüber DWDL.de. "Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass die Entscheidung die VAUNET-Forderung nach einer Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit von audiovisuellen Inhalteanbietern gegenüber den marktmächtigen Big-Tech-Plattformen durch mehr Kooperationen und Allianzen aufnimmt."

Daniela Beaujean © VAUNET / Markus Altmann Daniela Beaujean
Tatsächlich hatte die EU-Kommission dem Deal ohne Auflagen zugestimmt und darauf verwiesen, dass der Wettbewerbsdruck insbesondere durch globale Streaming-Plattformen zunimmt. "VAUNET setzt sich nachdrücklich dafür ein, dass Unternehmen der Audio- und audiovisuellen Medienbranche auf allen Ebenen rechtssicher, verlässlich und praxistauglich kooperieren und Allianzen bilden können. Hierfür bedarf es einer Marktbetrachtung, die die Realitäten in digitalen Märkten in den Blick nimmt", so Beaujean. "Dies sollte sich insbesondere auch in der anstehenden GWB-Novelle widerspiegeln. Rechtspolitische Zielsetzungen und kartell- bzw. medienrechtliche Realität dürfen nicht weiter auseinanderfallen."

Umso überraschender kommt eine Äußerung von Andreas Mundt, dem Präsident des Bundeskartellamts. Die Behörde hatte sich in den vergangenen Jahren mehrfach gegen Zusammenschlüsse ausgesprochen - erst im vergangenen Jahr verhinderten die Wettbewerbshüter eine Vermarktungskooperation der AdAlliance von RTL und El Cartel Media von RTLzwei. Auf LinkedIn schrieb Mundt jetzt, dass der jetzige Fall "eben anders" lag als das damals geprüfe Kooperationsvorhaben. "Das war schwierig, da ging es schon um enge Wettbewerber. Und auch dem Zusammenschlussvorhaben Super RTL/Nickelodeon konnten wir nicht zustimmen. Da gab es für an Kinder gerichtete Fernsehwerbung nur ganz wenige echte Alternativen."

"Zunehmende Möglichkeiten von Online-Werbung auf Streamingdienste"

Mundt machte aber zugleich deutlich, dass man die Entscheidung der EU-Kommission unterstütze. Aus seiner Sicht seien RTL und Sky hingegen "keine besonders engen Wettbewerber", argumentierte er - auch wenn man das mit Blick auf das Buhlen um Sportrechte sicher anders sehen kann. "Und zweitens", so der Kartellamts-Präsident, "beobachten wir schon seit gewisser Zeit einen sich öffnenden Markt mit mehr Bewegung. Die entsteht vor allem durch die zunehmenden Möglichkeiten von Online-Werbung auf Streamingdiensten, soweit die im großen Ganzen mit linearem TV vergleichbar sind." Eine späte Erkenntnis, schließlich war diese Entwicklung schon seit Jahren absehbar.

Wolfram Winter © Nadine Rupp Wolfram Winter
Und wie reagiert Wolfram Winter, der den deutschen Pay-TV-Markt noch aus den Anfängen kennt, als er 1996 Programmchef von Leo Kirchs Pay-TV-Experiment DF1 wurde, ehe er später lange auch für Premiere und Sky in verantwortlichen Positionen tätig war. Von DWDL.de angesprochen auf die nun bestätigte Sky-Übernahme durch RTL, zieht Winter eine Parallele zu früheren Tagen: "Die Veteranen erinnern sich: Einst war Premiere Teil von Bertelsmann, und dann kam ein Manager, der dieses Geschäftsmodell für nicht so toll deklarierte - so begann der Irrweg, jetzt wird mit Sky Deutschland wieder ein Geschäftsmodell integriert, was früher Buchclub und heute subscription based heißt."

Seine Hoffnung für die Zukunft? "Ich wünsche, dass RTL auch erkannt hat, dass die Kollegen von Sky die Experten schlechthin sind wie CRM und ARPU funktionieren, und somit die Fähigkeit besitzen, ab sofort auf einem höheren Level im Wettbewerb gegen Netflix und Co zu bestehen." Mit CRM ist das Customer Relationship Management gemeint, ARPU steht für den durchschnittlichen Umsatz pro Nutzer.

Interessant ist indes auch, wer sich am Tag nach dem wegweisenden Deal nicht äußert: Vom RTL-Konkurrenten - und langjährigen Sky-Nachbarn - ProSiebenSat.1 war kein Statement zu erhalten. Dort verfolgt man nach der Übernahme durch den italienischen Medienkonzern Media for Europe (MFE) einen anderen Fokus: Schon vor einigen Wochen hatte der neue ProSiebenSat.1-CEO Marco Giordani erklärt, die linearen TV-Sender der Gruppe hätten "klare Priorität". Der Streamingdienst Joyn sei erst "unmittelbar danach unsere zweite Priorität". Unterschiedlicher könnten die Strategien kaum ausfallen. Es wird spannend werden zu sehen, wer auf lange Sicht den erfolgreicheren Kurs eingeschlagen hat.

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