Etwas mehr als eine Woche ist es her, dass die Europäische Kommission die Übernahme von Sky Deutschland durch RTL Deutschland genehmigte. Teil des Deals sind auch die Pay-TV-Aktivitäten von Sky in Österreich - doch da muss RTL nun direkt einen herben Rückschlag hinnehmen. Der Grund: Die Rechte an der Champions League, der Europa League und der Conference League, die Sky, anders als in Deutschland, bislang zum überwiegenden Teil in Österreich übertragen hat, wechseln ab der Saison 2027/28 den Inhaber.

Anstelle von Sky wird dort künftig DAZN die Fußball-Königsklasse übertragen. Konkret hat sich der Streamer die Rechte an der Champions League in Österreich bis 2031 gesichert und zeigt damit fortan 186 Live-Spiele pro Saison. Das Paket umfasst alle Partien - mit Ausnahme einer Partie am Dienstagabend. Zumindest das soll künftig noch bei Sky zu sehen sein. Mit den so genannten First Pick-Rechten verfügt Sky über das Erstauswahlrecht für das beste Live-Spiel am Dienstag.

Michael Radelsberger © Sky Deutschland Michael Radelsberger
Verglichen mit dem bisherigen XXL-Paket, das der Pay-TV-Sender seinen Abonnentinnen und Abonnenten anbieten konnte, ist das aber natürlich äußerst wenig, auch wenn Michael Radelsberger, Geschäftsführer von Sky Österreich und bald Mitglied der Geschäftsführung von RTL Deutschland, von einem "sehr attraktiven Rechtepaket" spricht. "Unser Ziel ist es, den Dienstag mit Live-Spiel und Highlights zu einem echten Fußballevent für unsere Zuseherinnen und Zuseher zu machen", so Radelsberger. 

Die Topspiel-Rechte lagen in Österreich bislang bei Canal+, wo man nun jedoch im Gegenzug sämtliche Spiele der Europa League und Conference League in Österreich erworben hat. ProSiebenSat.1 wiederum hat sich nach DWDL.de-Informationen immerhin noch zwei Spiele pro Jahr gesichert: Das Finale der Champions League und den Supercup - beide Partien sollen im Free-TV bei Puls4 gezeigt werden.

DAZN hat sich derweil auch die Rechte an der Europa League und Conference League für die Schweiz gesichert, wie am Donnerstag bekannt wurde. "Die jüngsten Erwerbe der UEFA-Rechte für die Champions League in Österreich sowie für die Europa League und die Conference League in der Schweiz unterstreichen die Ambitionen und die Stärke von DAZN in der DACH-Region", sagte Alice Mascia, CEO von DAZN in der DACH-Region und Belgien. Und auch bei Canal+ zeigt man sich zufrieden: "Für uns ist dies eine Bestätigung von Qualität und Vertrauen, sowie das Versprechen, den Fans weiterhin die größten Fußballemotionen auf höchstem Niveau zu bieten", so Yassine Bouzoubaa, CEO von Canal+ für Benelux & Central Europe, über den jüngsten Rechteerwerb.

Weniger Rechte auch in Deutschland

Doch das sind freilich Randnotizen, gemessen an dem Fußball-Beben, das Sky und damit jetzt auch RTL in der Alpenrepublik ereilt hat. Mit einem Schlag hat Sky in Österreich, mit Ausnahme des erwähnten Trostpflasters, gleich alle drei großen europäischen Klubwettbewerbe verloren - ein denkbar schlechter Start für den neuen Eigentümer des Pay-TV-Senders, zumal man sich beim jüngsten Bieterwettbewerb auch in Deutschland bereits der Konkurrenz geschlagen geben musste. Nachdem DAZN hierzulande überraschend die Champions League an Paramount+ verlor, schnappte sich der Sport-Streamingdienst die Übertragungsrechte für die Europa League und Conference League, die aktuell noch bei RTL liegen. In der kommenden Saison werden die Kölner die Spiele noch übertragen können, doch danach ist Schluss.

Für Sky gleicht das Ergebnis der Ausschreibungen derweil einem mittelschweren Desaster. Das dürfte zu einem großen Teil der Tatsache geschuldet sein, dass das Timing aus Sicht von RTL nicht ungünstiger hätte sein können, schließlich fiel der Poker um die hochkarätigen Fußball-Rechte ausgerechnet mit der Übernahmephase zusammen. Seriöse Planungen für die Zukunft wurden damit praktisch unmöglich. Welche Auswirkungen der Fußball-Aderlass auf die künftige strategische Ausrichtung von Sky in Österreich haben wird, bleibt vorerst abzuwarten. Eine Wachstumsstory ist hier auf absehbare Zeit aber wohl kaum zu erwarten.