Seit 2 Uhr nachts wird der Westdeutsche Rundfunk für 24 Stunden bestreikt, auch im NDR ist für den Donnerstag ein Warnsteik angesetzt, im BR gab es eine "aktive Mittagspause" der Gewerkschaften. Im Falle des WDR war die vierte Verhandlungsrunde mit den beteiligten Gewerkschaften ver.di, DJV, Unisono und VRFF in dieser Woche ergebnislos zu Ende gegangen. Während die Gewerkschaften auch mit Blick auf die befürchtete nächste Inflationswelle eine deutliche Gehaltserhöhung um sieben Prozent bei einer Laufzeit von einem Jahr fordern, bieten die Sender bislang nur minimale Gehaltssteigerungen an und wollen das gleich auf drei Jahre festlegen.

"Die Tarifverhandelnden der ARD-Sender stehen auf der Bremse und tragen damit zur Eskalation der Tarifauseinandersetzung bei", begründet Christoph Schmitz-Dethlefsen, für Medien zuständig im ver.di-Bundesvorstand, die Warnstreiks. "Statt zielgerichtet über faire Tariflösungen zu verhandeln, wird taktiert; es werden Termine verschleppt, mit Angeboten weit unter dem Machbaren der Fortgang der Gespräche ausgebremst und sogar noch mit Gegenforderungen in ungekündigten Tarifverträgen aufgewartet."

Der WDR bietet bislang lediglich eine Nullrunde für 2026 und für die Jahre 2027 und 2028 dann tarifliche Steigerungen um jeweils ein Prozent an. Falls die Politik der Erhöhung des Rundfunkbeitrages noch zustimmt, soll es 2027 und 2028 nach Vorstellungen des WDR zwei Prozent mehr Geld geben, ähnlich sieht es auch bei den anderen Anstalten aus.Dies liege sogar noch unter der von der KEF zugebilligten Steigerungsrate im Personalaufwand von 3,0 Prozent pro Jahr, heißt es vom VRFF. VRFF-Verhandlungsführer Matthias Kopatz kritisiert auch die Verknüpfung mit der Beitragserhöhung: "Das unternehmerische Risiko soll voll auf jeden Mitarbeitenden im WDR für 35 Monate durchgereicht werden - in Zeiten, in denen riesige Inflationssprünge prognostiziert werden."

Seitens ver.di heißt es, dass die Verhandlungsführerin des WDR darauf gedrungen habe, erst "zahlreiche Nebenthemen" zu besprechen, ehe man über Einkommensverbesserungen reden könne. Seitens der Gewerkschaften heißt es aber: "Die Gewerkschaften haben die wesentlichen
Informationen geliefert und die Fragen des Hauses dazu beantwortet, der WDR kann den
Kostenrahmen nun realistisch einschätzen. Offenbar will er aber nicht."

WDR-Verwaltungsdirektorin Stefanie Drinhausen sagt gegenüber DWDL.de zum Stand der Verhandlungen: "Unsere Haushaltslage stellt uns in den kommenden Jahren vor große Herausforderungen. Dies wird verstärkt durch die noch ausstehende Umsetzung der Beitragsanpassung. Dennoch wollen wir auch in schwierigen Zeiten ein faires Angebot machen und eine angemessene Steigerung bei den Gehältern und Honoraren der festen und freien Kolleginnen und Kollegen anbieten." Bei den Gewerkschaften sieht man das gegenwärtig vorliegende Angebot aber offenbar nicht als als fair an.

Die Auswirkungen der Streiks halten sich unterdessen offenbar in Grenzen. Am Vormittag heißt es vom WDR, dass es bislang "kaum Auswirkungen auf das laufende Programm" geben. Bemerkt haben könnten es aber Hörerinnen und Hörer von WDR 2, wo die Ausgaben der Lokalzeit zur halben Stunde ausfallen.

Korrekturhinweis: Ver.di hatte zunächst in einer Pressemitteilung geschrieben, dass auch beim BR zum Warnstreik aufgerufen wurde. Laut BR gab es am Donnerstag aber keinen Warnstreik, sondern lediglich eine "aktive Mittagspause" der Gewerkschaften. Wir haben das entsprechend korrigiert.