In einem seiner seltenen Interviews teilte der sonst eher pressescheue Schweizer Medienunternehmer Bernhard Burgener vor knapp zwei Jahren mit dem Medienmagazin DWDL.de die optimistische Annahme, dass "wir nach sieben schwierigen nun sieben gute Jahre vor uns haben". Die Hoffnung hat sich bisher nicht bewahrheitet. Allein in den vergangenen drei Monaten markierte der Kurs seiner börsennotierten Highlight Communications AG dreimal ein neues 52-Wochen-Tief. In den vergangenen vier Jahren wurden über 70 Prozent der Marktkapitalisierung vernichtet.
Auch mit ihren am Donnerstagabend veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 kann die Muttergesellschaft von Constantin Film und Sport1 Medien nur bedingt eine Trendumkehr belegen. Zwar stieg der Konzernumsatz um zwei Prozent auf 412,1 Millionen Schweizer Franken, doch das Betriebsergebnis rasselte aufgrund von Wertberichtigungen im Sportsegment weiter in den Keller: von -6,4 Millionen im Vorjahr auf -131,8 Millionen Franken. Das Eigenkapital der Gruppe rutschte von 151,9 Millionen auf -3,3 Millionen Franken ab. Immerhin konnten die Finanzverbindlichkeiten um knapp vier Prozent auf 191,3 Millionen Franken reduziert werden.
Dass überhaupt ein Umsatzplus zustande kam, verdankt Burgeners Holding den Produktionsaktivitäten der Constantin Film, insbesondere dem Kino-Blockbuster "Das Kanu des Manitu". Satte 75 Prozent der Highlight-Erlöse entstammen dem Filmsegment, dessen Gewinn sich wegen gestiegener Kosten freilich nahezu halbierte. Im Segment Sport und Event sorgte vor allem das Sorgenkind Sport1 dafür, dass die Umsätze um 33 Prozent auf 101,7 Millionen Franken einbrachen, während die Ausgaben aufgrund von Sondereffekten um 42 Prozent auf 239 Millionen Franken kletterten.
Eine Ebene drüber stehen noch höhere Zahlen hinter dem Minus: Die Highlight Event & Entertainment AG (HLEE), der 53 Prozent der Anteile an der Highlight Communications (HLC) gehören, verzeichnete 2025 ein negatives Betriebsergebnis von -248,2 Millionen und ein negatives Eigenkapital von -56,2 Millionen Franken. Dass Burgener als Verwaltungsratspräsident notieren lässt, die Geschäftsentwicklung sei "aus Sicht des Unternehmens insgesamt zufriedenstellend" verlaufen und "von einmaligen Sondereffekten geprägt" gewesen, darf wohl unter Zweckoptimismus verbucht werden. Burgener und seine Ehefrau sind mit 23,5 Prozent die größten Einzelaktionäre der HLEE.
Potenzieller Investor auf der FBI-Watchlist
Wie verzweifelt der Basler Unternehmer nach frischem Kapital für seine Gruppe sucht, wurde in den letzten Monaten mehr als deutlich. Nicht nur scheint er bereit, seine eigene Mehrheit aufzugeben, sondern wirft sich dabei auch potenziellen Partnern an den Hals, die man getrost als dubios bezeichnen kann. Ende August letzten Jahres überraschte er mit der Ankündigung einer Kapitalerhöhung für die HLEE. Ein neuer Aktionär sollte auf einen Schlag 300 Millionen Schweizer Franken ins Unternehmen bringen und dafür rund zwei Drittel der Anteile bekommen.
Das warf schon damals Fragen auf: Warum würde ein Investor so viel zuschießen, wenn die HLEE zu jenem Zeitpunkt an der Börse nur rund 100 Millionen Franken wert war? Der mysteriöse Kapitalgeber wurde als CSL Mindset Ltd. vorgestellt – eine Gesellschaft mit Sitz auf den British Virgin Islands, die von der Clementy Schuman Legacy Foundation und einem privaten Investor gehalten werde. Hinter der Stiftung, die sich zwar namentlich auf den französischen Staatsmann und Begründer der deutsch-französischen Freundschaft, Robert Schuman, bezieht, jedoch nichts mit dessen Nachkommen zu tun hat, steht ein schillernder Geschäftsmann: der Belgier Pierre Louvrier.
Louvrier tauchte voriges Jahr auf dem Radar des FBI und aufmerksamer US-Senatoren auf. Als die frisch angetretene Trump-Administration ihre umstrittene Geheimdienst-Koordinatorin Tulsi Gabbard in die Parlamentsanhörung schickte, spielte plötzlich auch deren Beziehung zu Louvrier eine Rolle. Laut "New York Times" war Gabbard mit ihrem Ehemann 2024 zu einer Tagung im Vatikan gereist – auf Kosten von Louvriers CSL-Stiftung. Das fiel vor allem deshalb negativ auf, weil der Belgier auf der FBI-Watchlist stand und mit sanktionierten, kremlnahen Oligarchen in Verbindung gebracht wurde. In den 2010er Jahren residierte Louvrier als Technologieinvestor in Moskau, feierte auf Twitter die russische Annexion der Krim und posierte nach dessen Einbürgerung mit dem Neu-Russen Gérard Depardieu.
Solventis AG ist frisch an Bord
Diese einschlägigen Kontakte verhinderten 2014 ein Großinvestment in Bulgarien. Für 900 Millionen Euro wollte Louvrier damals einer insolventen Bank diverse Industriebeteiligungen abkaufen, wurde aber von der bulgarischen Staatsanwaltschaft gestoppt, die wegen der Russland-Connection sogar seine Aktien in Luxemburg einfrieren ließ. Teil der Kaufmasse wäre auch Satelliten- und Kommunikationsinfrastruktur von militärischer Bedeutung gewesen. Seit 2016 ist Louvrier mit seiner Clementy Group in London ansässig, einem Family Office, das sich auf Private-Equity-Investitionen in Westeuropa und den USA spezialisiert hat.
Die damit verbundene Stiftung setzt sich offiziell für eine "neue Renaissance" – gegründet auf "Schönheit, Menschenwürde, Einheit und gottgegebener Fülle" – ein und ist wohl dem christlich-konservativen Spektrum zuzurechnen. Im Beirat sitzen Größen wie Prinz Nikolaus von Liechtenstein, die früheren EU-Kommissare Maria Gabriel und Ján Figel oder Mitglieder der Herrscherfamilien von Abu Dhabi und Bahrain. Enge Drähte bestehen zum Vatikan, wo die CSL-Stiftung wiederholt vertrauliche Tagungen ausrichtete, die offenbar einen Friedensschluss zwischen Russland und der Ukraine befördern sollten.
Für die operativen Töchter Constantin Film oder Sport1 wäre Louvrier also ein ganz spezieller Gesellschafter gewesen. Und nicht der erste Burgener-Partner mit Russland-Bezug: 2020 erwarb der russische Investor Igor Migushov, den die Obama-Regierung auf ihrer Sanktionsliste gegen organisierte Kriminalität führte, ein Aktienpaket von rund fünf Prozent, das er bis heute über die in Liechtenstein ansässige AM Portfolio AG hält. 2022 geriet HLEE-Großaktionär Alexander Studhalter wegen seiner Nähe zu einem russischen Oligarchen auf die US-Embargoliste, musste daher seine Verwaltungsratsmandate abgeben und seine Beteiligung auf unter 20 Prozent reduzieren. 2024 wurde das Embargo aufgehoben.
Aus Louvriers Investment wurde nichts. Anfang Februar wurde bekannt, dass der Einstieg von CSL Mindset bei der HLEE geplatzt war. Mitte März wiederum teilte die HLC mit, eine Refinanzierung mit Hilfe institutioneller Investoren anzustreben. Zu diesem Zweck wurde die norwegische Investmentbank Arctic Securities beauftragt, die sonst eher auf Transaktionen im Energie-, Schifffahrts- und Immobiliensektor spezialisiert ist. Am Mittwoch der Vorwoche schließlich wurde ein meldepflichtiger Erwerb von Stimmrechtsaktien mitgeteilt: Der Mainzer Finanzinvestor Solventis AG, der auch am Bastei Lübbe Verlag oder der Deutschen Entertainment AG beteiligt ist, hält nun 63 Millionen Anteile oder 5,45 Prozent an der HLC. In puncto Kapitalspritze wohl eher ein Tropfen auf den heißen Stein.
Für das laufende Geschäftsjahr 2026 spricht die Highlight-Gruppe von "erhöhter Planungsunsicherheit" durch "Inflation, steigende Energiepreise, das weiterhin verhaltene Konsumverhalten sowie die aktuellen politischen Krisen". Darüber hinaus stehe die Medien- und Unterhaltungsbranche in Deutschland "durch KI-generierte Inhalte und stagnierende Budgets" unter Druck. Der Verwaltungsrat könne "einen Einfluss auf die operative Geschäftstätigkeit der Highlight-Gruppe nicht ausschließen". Das wiederum liest sich nicht unbedingt wie ein Lockruf für Investoren.
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