Die Warnung, die alle Alarmglocken schrillen lässt, steht gleich mehrfach in den Geschäftsberichten der Highlight Communications AG (HLC) und ihrer Muttergesellschaft, der Highlight Event & Entertainment AG (HLEE). Die Geschäftsleitung beabsichtige, "weiterhin aktiv zusätzliche Optionen zur Sicherstellung der Finanzierung zu prüfen", heißt es dort. Gleichwohl habe sie "erhebliche Zweifel an ihrer Fähigkeit zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit". Was die Highlight-Gruppe am seidenen Faden hängen lässt, sind mehrere "Unsicherheiten", darunter nach eigener Darstellung die "Sicherstellung ausreichender liquider Mittel zur Abdeckung des laufenden Geschäftsbetriebs für mindestens zwölf Monate" und die "Refinanzierung einer Finanzverbindlichkeit gegenüber einem Bankenkonsortium in Höhe von 74,5 Mio. CHF, welches am 30. November 2026 zur Rückzahlung fällig ist". Mit anderen Worten: Ob die Gruppe das Jahr überlebt, ist offen.
Nach der verheerenden Entwicklung von Betriebsergebnis und Eigenkapital im vergangenen Geschäftsjahr (DWDL.de berichtete) sieht die Zukunft des Schweizer Medienkonzerns düster aus. Das hat spürbare Folgen für die operativen Tochterbetriebe in Deutschland. Allen voran für die Constantin Film, das mit Abstand wertvollste Asset im Highlight-Reich. "Bei uns brennt die Hütte, weil die Verunsicherung immer größer wird", sagt eine langjährige Führungskraft der Münchner, die namentlich nicht genannt werden möchte. "Unser eigenes Geschäft läuft sauber und solide, aber das wird von der Sorge um den Gesellschafter total überlagert."
Was die Lage für die Constantin so bedrohlich erscheinen lässt, ist die Tatsache, dass ihre 100-Prozent-Gesellschafterin HLC ausweislich des Geschäftsberichts alle 12,7 Millionen Constantin-Aktien zur Sicherheit der Gläubiger beliehen hat – mit einem Buchwert von 142 Millionen Schweizer Franken, umgerechnet 155 Millionen Euro. Sollte die Refinanzierung scheitern, könnte die Produktions- und Filmverleihgruppe zumindest in Teilen an das Bankenkonsortium fallen. Die ebenfalls beliehene Sport1 Medien taugt nicht mehr als Sicherheit: Ihr Firmenwert musste auf Null gesetzt werden – er war "nicht mehr durch die geschätzten zukünftigen Cashflows gedeckt".
Wir verfolgen einen klar definierten und mit den Banken abgesprochenen Refinanzierungsplan.
Bernhard Burgener
"Wir verfolgen einen klar definierten und mit den Banken abgesprochenen Refinanzierungsplan. Dazu gehören auch Gespräche mit potenziellen neuen Investoren", sagt Bernhard Burgener, Verwaltungsratspräsident der Highlight-Gruppe, Aufsichtsratsvorsitzender der Constantin Film sowie größter Einzelaktionär der HLEE, auf Anfrage des Medienmagazins DWDL.de. Ob er trotz seiner düsteren Worte im Geschäftsbericht noch optimistisch sei? "Wir befinden uns in fortgeschrittenen Gesprächen mit Finanzierungspartnern", so Burgener. "Wir sind zuversichtlich, die Refinanzierung innerhalb des vorgesehenen Zeitrahmens abschließen zu können."
Nachdem ein eher dubios wirkender Deal rund um eine 300-Millionen-Franken-Kapitalerhöhung bei der HLEE geplatzt war, beauftragte Burgener Mitte März die norwegische Investmentbank Arctic Securities mit der Suche nach institutionellen Investoren. Ende April wurde bekannt, dass der Mainzer Finanzinvestor Solventis AG, der auch am Bastei Lübbe Verlag und der Deutschen Entertainment AG beteiligt ist, mit 5,45 Prozent bei der HLC eingestiegen ist.
Eine mögliche Flucht nach vorn könnte darin bestehen, die Constantin proaktiv auf den Markt zu bringen. Deren CEO Oliver Berben ist es im vorigen Jahr gelungen, den Umsatz um mehr als 20 Prozent auf deutlich über 300 Millionen Euro zu steigern, auch wenn sich das Betriebsergebnis infolge stark gestiegener Kosten nahezu halbierte. Fast drei Viertel aller Erlöse der Highlight-Gruppe hat die Constantin eingespielt. Berben wird innerhalb wie außerhalb der Gruppe attestiert, sein Haus modern, kostenbewusst und als gefragten Streaming-Lieferanten aufzustellen. Vor allem strategischen Investoren ließe sich so ein weitaus attraktiveres Angebot unterbreiten als mit der verschuldeten Gesamtgruppe. Auch ein Management-Buyout mit Hilfe von Finanzinvestoren wäre denkbar.
Grundsätzlich prüfen wir laufend strategische Optionen im Hinblick auf die Optimierung unserer Kapitalstruktur.
Bernhard Burgener
Dazu müsste Burgener freilich erst einmal bereit sein, sich ganz oder teilweise von der Constantin zu trennen. Von DWDL.de danach gefragt, schließt der Basler Unternehmer einen solchen Schritt nicht aus: "Grundsätzlich prüfen wir laufend strategische Optionen im Hinblick auf die Optimierung unserer Kapitalstruktur. Dazu können – abhängig von Marktbedingungen und Unternehmensentwicklung – auch Anpassungen im Beteiligungsportfolio gehören." Die Constantin äußerte sich auf Nachfrage nicht dazu.
Wie aus dem HLC-Geschäftsbericht ebenfalls hervorgeht, befindet sich die High-end Productions in Wien seit Dezember in Liquidation. Bei der Firma handelt es sich um das 2021 gegründete Joint Venture der Constantin und des langjährigen Tele-München-Chefs Herbert Kloiber, das die Roland-Emmerich-Serie "Those About to Die" produziert hat. Die Partner haben allerdings nicht vor, sich zu trennen, wie beide Seiten auf Nachfrage bestätigen. Kloiber verweist gegenüber DWDL.de auf das österreichische Steuerrecht, das die Anrechnung von US-Quellensteuer auf die heimischen Unternehmenssteuern erschwere. Daher konzentriere man sich künftig auf die Tochterfirma High-end Productions Germany mit Sitz in München. Sobald die Wiener High-end liquidiert ist, wollen Kloiber und die Constantin die deutsche GmbH zu jeweils 50 Prozent direkt halten.
Eine Constantin-Sprecherin lobt die "erfolgreiche und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Herrn Kloiber". Das Projekt "Those About To Die" sei "für alle Beteiligten ein wirtschaftlicher Erfolg, auf den wir stolz sind". Kloiber selbst wird deutlicher: Die Gladiatoren-Saga mit einem Gesamtbudget von 148 Millionen US-Dollar habe sich international gut verkauft – und den Partnern eine durchaus ansehnliche Rendite von 17 Prozent eingebracht. Auf eine Fortsetzung habe man jedoch verzichtet, da sie infolge der Kostensteigerungen nicht mehr finanzierbar gewesen wäre. Laut Kloiber hat High-end derzeit drei bis vier neue Projekte in Entwicklung.
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