"Es braucht starke Bilder und Geschichten, die authentisch und wahr sind und uns als Zuschauer packen. Mit einem unglaublichen Facettenreichtum und großer Intensität zeigen die Gestalterinnen und Gestalter dies in diesem Jahr mit ihren Beiträgen", sagte Walter Demonte, Geschäftsführer des Vereins Deutscher Kamerapreis Köln e. V., der am Freitag seine diesjährigen Auszeichnungen vergab. 

Gepackt wurde die Jury in diesem Jahr unter anderem von Fabian Gampers Bildgestaltung in Mascha Schilinskis preisgekröntem Kinofilm "In die Sonne schauen" (Studio Zentral/ZDF). Er wurde nach 2018 zum zweiten Mal ausgezeichnet, diesmal in der Kategorie Beste Kamera/Fiktion Kino. In mehreren Zeitsprüngen beschreibt das Drama einen Erinnerungsstrom aus dem Leben von vier Mädchen auf einem altmärkischen Bauernhof in den 1910er-Jahren bis in die Gegenwart. Dabei vereint Fabian Gamper laut Jurybegründung "die Kinematographie mit der Erzählung zu einem untrennbaren Gesamtkunstwerk." 

Die Beste Kameraarbeit im Bereich Fiktion Screen leistete unterdessen Frank Griebe, der vor 13 Jahren schon einmal den Ehrenpreis des Deutschen Kamerapreises erhalten hatte. Diesmal wurde er für die Bildgestaltung in Nele Mueller-Stöfens Regiedebüt "Delicious", das von Komplizen Film für Netflix proudziert wurde, geehrt. Insgesamt war es schon sein dritter Kamerapreis. Die Jury lobt: "Unter der makellosen Oberfläche der behutsam choreografierten Bilder verbirgt sich ein geradezu archaisches Grauen, eine untergründige Gewalt, die langsam über die vermeintlich sichere Welt der ahnungslosen Hauptfiguren hereinbricht." 

Den Preis für die beste Kamera in einem Kurzfilm erhielt Birgit Bege Dierken und ihre Arbeit an Katey Lee Carsons Kurzfilm "The Secret Assistants". "Sie entlarvt mit präzisen Perspektiven das Gefälle der Macht und führt uns mit sicherer Hand über die Stufen der Ohnmacht", erklärt die Jury und spricht von einem "beklemmenden Kammerspiel aus intensiven Bildern und eindrücklicher Spannung." Im Doku-Bereich wurde Stefan Neuberger für seinen Kino-Dokumentarfilm "Mit Ästen zum Himmel" (KGP-Filmproduktion, Regie: Katharina Copony) ausgezeichnet, in dem es um eine Schule geht, in der sehbehinderte oder blinde Kinder allein durch Hölen und Fühlen hören.

Die beste Kamera im Bereich Doku Screen führte Sven Wettengel für bei der NDR-Doku "Goodbye Germany - Warum Deutschlands Top-Leichtathleten in die USA auswandern".  "Sven Wettengels Kamera bleibt stets im Hintergrund, aber sie prägt den Film", sagen die Juroren. "Jedes Bild ist eine mutige Entscheidung, die sich in den Dienst der Erzählung stellt." Für die beste Kameraarbeit im Bereich Info und Kultur erhält Simone Friedel den Preis für den Dokumentarfilm "Money Maker - Walter Temmer: Vom schlechten Schüler zum Selfmade-Millionär" (MDR, Regie: Sandro Gerber, Danny Voigtländer). Der Protagonist wurde durch den Handel mit Domains zum Millionär und TV-Reality-Star. Für dieses Leben zwischen Business, Luxus und Ruhm fand die Kamerafrau die perfekte Optik: "Der Lifestyle des Protagonisten spiegelt sich in den stylischen Bilderwelten wider", lobt die Jury.

Für den besten Schnitt im Doku-Bereich ging ein Preis an die Editoren Marco Rottig, Philipp Schnabel und David Gesslbauer. Sie hätten die Netflix-Doku "BABO - Die Haftbefehl-Story mit einem exzellenten Schnittrhythmus zu einem "Gesamtkunstwerk" gemacht, "das uns über 90 Minuten gebannt zuschauen lässt: No exit, Brudi!", so die Jury. (Regie: Juan Moreno, Sinan Sevinç, Kameramann: Wesley William Salamone, Produktion: 27Km'B Pictures). Für den besten Schnitt im Bereich Fiktion Screen geht der Preis an Anna Nekarda für den Fernsehfilm "Die Nichte des Polizisten" (Gabriela Sperl für W&B TV/SWR/NDR/EPO-Film, Regie: Dustin Loose). Laut Jury hat ihre Montage entscheidenden Anteil an der Identifikation des Publikums mit der Hauptfigur, einer jungen Polizistin aus einer Spezialeinheit in Baden-Württemberg: "Sie zeigt alle Facetten der Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit der Polizistin Rebecca, aber auch ihre Stärke und ihren Mut. [...] Anna Nekardas Montage ist nie vorhersehbar, sie trifft mutige Entscheidungen, ohne dass die Montage zum Selbstzweck würde."

Daneben wurden mehrere Nachwuchspreise verliehen: Für seine Bildgestaltung in "Lonig & Havendel" (Hochschule für bildende Künste, Hamburg, Regie: Claudia Tuyết Scheffel) erhält der Kameramann Yunus Çağ Köylü den Nachwuchspreis. Der Jury gefiel der "halluzinatorische Trip durch das winterliche Erzgebirge", bei dem zwei Kulturen aufeinanderprallen. "Die besondere Leistung der Kamera ist es, eine eigenständige Erzählebene zu schaffen, die die Träume und migrantischen Erfahrungen zweier junger Vietnamesen widerspiegelt." Ein weiterer Nachwuchspreis geht an Catharina Lott und Jonas Riedinger für den Schnitt des Kinofilms "Run Me Wild" (Apollonia Film/Narrative Way/HFF/BR, Regie: Catharina Lott). Die Jury erklärt: "Nah am Innenleben der Hauptfigur treibt die Montage die einfühlsame Erzählung von der Suche nach sexueller Identität voran. Der Zuschauer wird in die inneren und äußeren Konflikte der Hauptprotagonisten förmlich reingesogen."Die Nachwuchspreise werden von Ludwig Rental, bebob factory und Andec Filmtechnik gestiftet.

Der Ehrenpreis ging dieses Jahr an Torsten Breuer, der seit mehr als 30 Jahren als Kameramann viele moderne Kinoklassiker wie "Bandits!", "Pünktchen und Anton", "Schwere Jungs", "Die Welle" und "Ballon"  mitprägte. Das Kuratorium des Deutschen Kamerapreises würdigte Torsten Breuer als eine "herausragende Persönlichkeit seines Fachs". Der 1954 auf Norderney geborene Kameramann, Musiker und Maler verbinde in seinem Schaffen "stilistische Vielfalt mit technischer Meisterschaft" und trage "maßgeblich zur Wirkung zahlreicher preisgekrönter Filme bei."