In Deutschland ist Netflix schon seit Herbst 2014 verfügbar, zum ersten wirklich internationalen Streaming-Dienst wurde Netflix Anfang 2016: Damals wurde das Angebot von 60 in mehr als 190 Länder ausgeweitet, damit gibt es nur noch wenige Länder, in denen der Anbieter nicht vertreten ist (darunter mit Russland und China freilich auch einige sehr große). Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des annähernd globalen Starts will Netflix unter dem Titel "Der Netflix-Effekt" darlegen, welche wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen die Produktionen des Streamers seither haben.

Dafür rechnet man große Zahlen vor: Nach eigenen Angaben hat Netflix in den letzten zehn Jahren mehr als 135 Milliarden US-Dollar in Filme und Serien investiert und damit über 325 Milliarden Dollar zur Weltwirtschaft beigetragen. Entstanden seien dadurch 425.000 Jobs vor und hinter der Kamera - und zwar weit über die Netflix-Heimat USA hinaus. Demnach wurde inzwischen in über 50 Ländern und Sprachen produziert, in über 4.500 Städten und Orten weltweit gefilmt und mit über 2.000 Produktionsfirmen zusammengearbeitet.

Auf seiner zugehörigen Website zum "Netflix-Effekt" werden dafür diverse internationale Produktionen als Beispiele genannt, für Deutschland findet sich hier die Sisi-Serie "Die Kaiserin, für die allein über 500 Cast- und Crew-Mitglieder aus Deutschland, Tschechien und Italien tätig seien. Der Impact gehe aber über die eigenen Produktionen hinaus: 75 Prozent der auf Netflix verfügbaren Filme und Serien sind nämlich gar keine Netflix-Originals, sondern lizenziert. Teils erreichen selbst mehrere Jahre alte Produktionen hier nochmal ein zweites Leben und einen gewaltigen Popularitätsschub. Bestes Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist die Serie "Suits", die 12 Jahre nach ihrem Start noch einmal über 400 Millionen Views verzeichnete und über Wochen die Netflix-Charts dominierte. Doch auch Beispiele aus anderen Ländern führt Netflix auf, "Mare Fuorum" aus Italien oder "Love on the Spectrum" aus Australien etwa.

Tatsächlich werden Produktionen aus anderen Ländern für Netflix zunehmend wichtig: Der Nutzungsanteil, der auf nicht-englischsprachige Inhalte entfällt, ist in den letzten zehn Jahren von zehn auf 33 Prozent gestiegen. Besonders gefragt sind südkoreanische Inhalte: Über 80 Prozent der Netflix-Haushalte haben schon eine Serie oder einen Film von dort gesehen - "Squid Game" oder "KPop Demon Hunters" sind nur zwei Beispiele. Über 50 Prozent der Nutzung spanischer Inhalte komme aus nicht-spanischsprachigen Ländern. Und auch deutsche Produktionen schaffen immer mal wieder den weltweiten Durchbruch.

Die deutsche Netflix-Chefin Katja Hofem sagt: "Der Netflix Effekt zeigt: Gute Geschichten sind mehr als Unterhaltung. Sie stärken die lokale Wirtschaft und prägen den kulturellen Diskurs. Internationale Erfolge wie Im Westen nichts Neues oder Die Kaiserin haben deutsche Stoffe weltweit sichtbar gemacht und Formate wie Babo – Die Haftbefehl Story wichtige Debatten angestoßen. Und das passiert nicht von allein: Es braucht Innovation, Risikobereitschaft und die Freiheit, in lokale Talente und Geschichten zu investieren, die das Publikum begeistern."

In weiteren Punkten führt Netflix auf, dass man vielfach ein "Sprungbrett für Karrieren" gewesen sei und führt dafür auch die zahlreichen internationalen Auszeichnungen an. Über 350 Oscars, Emmys, Golden Globes oder BAFTAs wurden gewonnen. Mit "Im Westen nichts Neues" gehört auch ein deutscher Film zu den großen Oscar-Gewinnern. Netflix-Produktionen hätten aber auch ganz andere Wirkungen: Musikverkäufe schießen durch die Decke, der Absatz von Büchern vervielfacht sich nach einer Netflix-Adaption, nach "Squid Game" fanden die weißen Vans aus der Serie plötzlich reißenden Absatz und "Das Damengambit" löste einen weltweiten Schach-Boom aus. 

Ted Sarandos schreibt in seinem zugehörigen Blog-Beitrag: "Jetzt liegt es an uns, diese Dynamik weiterzuführen. Deshalb ziehen wir uns nicht zurück, während andere Entertainment-Unternehmen kürzertreten, sondern investieren weiter." Zur Wahrheit gehört aber natürlich auch, dass die anderen Entertainment-Unternehmen nicht aus freien Stücken kürzertreten, sondern weil für lokale Anbieter das Geschäft (längst nicht nur, aber auch durch die Konkurrenz durch Netflix) zunehmend schwieriger wird und sich selbst große internationale Konzerne schwerer tun, mitzuhalten. Wenn man so will, gehört also auch das zum Netflix-Effekt.

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