ProSiebenSat.1 musste in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 einen deutlichen Umsatzrückgang hinnehmen. 775 Millionen Euro setzte der Konzern von Januar bis März um, das waren 80 Millionen oder 9 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Allerdings erklärt sich dieser massive Einbruch zu einem größeren Teil durch den Verkauf von Beteiligungen wie Verivox, die unter MFE ja voran getrieben werden. Organisch gab es zwar ebenfalls ein Umsatz-Minus, das fiel mit drei Prozent oder 20 Millionen Euro aber weniger drastisch aus.

Zurückzuführen ist es vor allem auf die Entwicklung der TV-Werbung. Im Segment Entertainment sank der Außenumsatz um acht Prozent auf nur noch 453 Millionen Euro. Dabei sackten die Werbeumsätze sogar um zehn Prozent ab - und das, obwohl man im digitalen und smarten Bereich ein Werbe-Plus von zehn Prozent verbuchen konnte. Doch die machen mit insgesamt 70 Millionen Euro (+7 Millionen) weiter nur einen kleinen Teil aus. Im klassischen TV verzeichnete ProSiebenSat.1 ein heftiges Minus von 13,8 Prozent.

Wenn ProSiebenSat.1 nun allerdings mitteilt, dass dies - neben den seit Jahren zu beobachtenden strukturellen Effekten, also der Verlagerung in Richtung Streaming - "den branchenweiten Rückgang der Investitionen in TV-Werbung" reflektiere, dann ist das allenfalls die halbe Wahrheit. Die RTL Group weist für das 1. Quartal "nur" ein Umsatzminus der TV-Werbung um 6,5 Prozent aus, obwohl das Geschäft in Frankreich, das dort ebenfalls mit reinspielt, noch deutlich schwieriger war. Für den gesamten deutschen TV-Werbemarkt geht die RTL Group netto von einem Minus von 3,5 bis 4,5 Prozent aus. ProSiebenSat.1 muss also erheblich Werbe-Marktanteile im Vergleich zum Vorjahr verloren haben.

Immerhin konnte die Streaming-Plattform Joyn die vermarktbare Reichweite ausbauen und bei den AVoD-Umsätzen ein Plus von 14 Prozent erzielen, durch kostenpflichtige Abos wurden sogar 19 Prozent mehr eingenommen. Bei letzterem dürfte es sich aber um ein wenig bedeutendes Geschäft handeln. Die Distributionserlöse insgesmt stiegen um vier Prozent, was umgerechnet aber nur zwei Millionen auf 55 Millionen Euro waren.

Trotz dieser schwierigen Lage hat ProSiebenSat.1 es geschafft, anders als im ersten Quartal 2025 wieder einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zu erwirtschaften. Das EBITDA stieg von -6 auf +44 Millionen Euro. Im Entertainment-Bereich ging es von 21 auf 35 Millionen Euro nach oben. Der Tritt auf die Kostenbremse hat also gewirkt. Im vergangenen Jahr hatte allerdings auch noch ein Sondereffekt im Zuge der Entkonsolidierung von Verivox den Gewinn um 34 Milionen Euro gemindert.

Daneben hat ProSiebenSat.1 die Stabilisierung aber auch einer Tochter zu verdanken, die eigentlich nicht mehr zum definierten Kerngeschäft gehört: Flaconi. Es wird im Bereich Beauty & Lifestyle ausgewiesen, dessen Umsatz von 121 auf 152 Millionen Euro nach oben schoss. Dafür lief es im Dating-Bereich für die Parship Meet Group richtig schlecht, hier sackte der Umsatz von 84 auf 63 Millionen Euro ab. Alles zusammen ergibt das Segment Commerce & Dating, das noch 323 Millionen Euro umsetzte. Das Minus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist aber vor allem auf Portfolioeffekt, vor allem den Verkauf von Verivox zurückzuführen.

Trotz der Verkäufe ist der Verschuldungsgrad des Konzerns übrigens noch weiter gestiegen und liegt nun bei 1,463 Milliarden Euro. Hier schlagen unter anderem die Abfindungszahlungen im Zusammenhang mit dem Stellenabbau im Rahmen der Reorganisation zu Buche. Trotzdem sagt der Vorstandsvorsitzende Marco Giordani: "Wir sind zufrieden mit dem ersten Quartal, denn angesichts des herausfordernden Markt- und Wirtschaftsumfelds zeigt unsere Strategie Wirkung." So hätten sich "alle relevanten Profitabilitätskennzahlen verbessert, während die Programmaufwendungen gemessen an den Werbeumsätzen nahezu stabil waren." Giordani weiter: "Wir treiben die Entwicklung hin zu agileren Strukturen sowie weiterer Kosteneffizienz voran und verfolgen konsequent unsere Portfoliostrategie mit klarer Wertorientierung. So haben wir uns seit Jahresbeginn von Unternehmen getrennt, die nicht im Fokus unserer Strategie stehen. Diese Maßnahmen greifen und werden unsere Rentabilität weiter stärken."

Den Ausblick fürs Gesamtjahr hat ProSiebenSat.1 nach dem im April getätigten Verkauf von Studio 71 US angepasst und rechnet mit einem "moderaten Rückgang" im Vergleich zum Vorjahr, bereinigt um Portfolioveränderungen und Wechselkurseffekt aber mit einem leichten Wachstum. Das EBITDA solle aber deutlich höher ausfallen - strikter Kostendisziplin und wegfallender Sondereffekte sei Dank. Nach dem miesen ersten Quartal in Sachen Werbung verbreitet Finanzchef Bob Rajan zudem etwas Optimismus: "Gleichzeitig sehen wir aktuell einen positiven Trend im Werbegeschäft. Dabei war der April besser als das erste Quartal, auch wenn das Marktumfeld herausfordernd bleibt. Das stützt unsere Einschätzung, dass sich die Entertainment‑Umsätze in der zweiten Jahreshälfte wieder stärker entwickeln sollten. Werbung ist ein zyklisches Geschäft und eng an die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen gekoppelt. Doch unsere Antwort darauf ist ebenso klar wie konsequent: eine fokussierte Strategie, diszipliniertes Cash‑Management und gezielte Investitionen in unser Kerngeschäft Entertainment."