Warum gehören in Deutschland immer weniger Menschen einer der beiden christlichen Kirchen an? Eine sicher nicht innerhalb von nur 90 Sekunden erschöpfend zu beantwortenden Frage. Das ZDF hat es trotzdem probiert und sich damit harsche Kritik von christlicher Seite eingehandelt. In dem anderthalbminütigen Erklärvideo wurde ein Bogen vom Mittealter mit Ablassbriefen und Höllenangst über wissenschaftliche Erklärungen bis zu heutigen Kirchenaustritten genommen.

Nachdem mehrere Programmbeschwerden beim ZDF eingegangen waren, räumte ZDF-Intendant Norbert Himmler in seinem Antwortschreiben nun ein: "Im Nachhinein ist sich die Redaktion bewusst, dass es schwerlich möglich ist, die Fragestellung der historischen Entwicklung der christlichen Kirchen in einem anderthalb-minütigen Beitrag angemessen und in all ihren theologischen und gesellschaftlichen Dimensionen darzustellen", so Himmler. Zwar sei der Text von zwei Experten vor Veröffentlichung geprüft worden, trotzdem sei das "komplexe Thema durch die kurze Darstellung und das Weglassen zentraler Aspekte nicht angemessen dargestellt" worden.

Besonders kritisiert wurde, dass dieser Beitrag auch noch direkt nach einem Stück über das Ende des Ramadans gezeigt wurde, in dem dieser "überwiegend positiv dargestellt" worden sei. In den Beschwerden war daher von einer "tendenziösen Gegenüberstellung" die Rede. Himmler bezeichnete die Kombination beider Inhalte in einer "Logo"-Sendung nun als "Fehler". Der dadurch entstandene Eindruck einer Gegenüberstellung sei "seitens der Redaktion keinesfalls intendiert" gewesen.

Beide Beiträge seien aufgrund unterschiedlicher aktueller Anlässe unabhängig voneinander geplant worden - die Veröffentlichung der Mitgliederzahlen der christlichen Kirchen auf der einen Seite, die Feier des Endes des Ramadans auf der anderen. "Es war planerisch nicht beabsichtigt, beide Beiträge inhaltlich miteinander zu verknüpfen", der Eindruck habe aber aufgrund der unmittelbaren Abfolge entstehen können.

Als Folge hat das ZDF die betreffende "Logo"-Ausgabe sowie das einzelne Erklärstück offline genommen. Zwar seien Vereinfachungen für die "Logo"-Zielgruppe notwendig, "aber wir werden den Gesamteindruck unserer Erklärstücke künftig noch kritischer hinterfragen", so Himmler, der zugleich darauf hinwies, dass "logo" regelmäßig auch über positive kirchliche Aktivitäten berichte. Eine generelle Unausgewogenheit sehe er also nicht. Im Hinblick auf "sensible Themen" wolle man die internen Workflows überprüfen, um "planerische Unausgewogeneheiten" künftig zu verhindern.