Die britische TV-Welt wird aktuell von Vorwürfen erschüttert, die sich an männliche Teilnehmer der Kuppelsendung "Married At First Sight" richten. Die BBC hatte die Vorgänge am Montagabend öffentlich gemacht, demnach berichten mehrere Frauen von sexueller Gewalt, die während der Dreharbeiten stattgefunden haben soll. Zwei Frauen gaben demnach an, vergewaltigt worden zu sein. Eine dritte Frau schilderte sexuelles Fehlverhalten. 

In dem Format, das in Deutschland unter dem Titel "Hochzeit auf den ersten Blick" in Sat.1 zu sehen ist, werden alleinstehende Personen mit der Hilfe von Experten zusammengebracht - sie lernen sich aber erst am Tag ihrer Hochzeit kennen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer können dann sehen, wie die Paare ihre Flitterwochen zusammen verbringen und ihren Alltag meistern. In Großbritannien produziert die Firma CPL das Format für Channel 4. 

Der Sender reagierte nach dem BBC-Bericht und nahm alle Folgen, die bislang ausgestrahlt wurden und sich auf dem hauseigenen Streamingdienst befanden, offline. Die letzte neue Staffel ist 2025 zu sehen gewesen. In einem Statement verkündete der Sender, dass man eine externe Überprüfung des Wohlergehens der Teilnehmer der Show in Auftrag gegeben habe. Aus der entsprechenden Stellungnahme von Channel 4 geht außerdem hervor, dass man bereits seit April von den Vorwürfen wusste. 

Damals seien dem Sender "schwerwiegende Vorwürfe wegen Fehlverhaltens einer kleinen Anzahl ehemaliger Teilnehmer" vorgelegt worden, heißt es von Channel 4. Die betroffenen Personen würden die Vorwürfe bestreiten, heißt es vom Sender weiter. Man sei sich der "Privatsphäre und der fortbestehenden Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitwirkenden bewusst", daher wolle man keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben.

In der Kritik steht nun auch der Sender selbst. Im Raum stehen mögliche Versäumnisse bei den Schutz- und Betreuungsmaßnahmen der Kandidatinnen und Kandidaten. Die neue Senderchefin Priya Dogra, die erst seit März im Amt ist, erklärte, man habe auf Grundlage der verfügbaren Informationen "schnell, angemessen und sensibel gehandelt". Weil man jedoch die "höchsten Standards für das Wohlergehen der Mitwirkenden" anstrebe, werde man nun auch nochmal die eigene Rolle überprüfen lassen.