Die spanische Branchenkonferenz Conecta wandert seit Jahren durch die Städte und Regionen des Landes - und ist zum Jubiläum der 10. Ausgabe in dieser Woche zu Gast in Magaluf auf Mallorca. Sonst präferierter Badeort gerade britischer Touristen, treffen sich in dieser Woche hunderte Branchenvertreter*innen aus Europa und darüber hinaus, um einerseits die Herausforderungen der Produktionswirtschaft zu diskutieren und in den diversen Wettbewerben des Festivals neue Storys und Koproduktionsprojekte zu entdecken. Doch auch die Gastgeber haben eine Agenda: Das Image von Mallorca neu zu definieren, wieder einmal.

Es geht einher mit einer neuen Internationalisierung der Insel, die Juan Antonio Amengual beschreibt. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Calvià, zu der auch Magaluf gehört. In den vergangenen Jahren seien die Besucherzahlen aus den USA, Kanada und Südkorea gestiegen, auch dank zusätzlicher Direktverbindungen. Neue Zielgruppen zu erschließen mit „Kulturtourismus“ sei eins der erstrebenswerten Ziele. Bei der Eröffnung der Conecta-Konferenz am Montagabend verschwammen Wunsch und Wirklichkeit ein Stück weit, den wie bei so vielen Transformationsvorhaben auf der Insel stehen die Ambitionen in einem Spannungsverhältnis zu - im Falle von Magaluf - britischen Pubs und sonnenverbrannten britischen Halbstarken an der Strandpromenade.

Doch zweifelsohne hat die Gemeinde, wie die Insel erst recht, viele Locations und Kulissen zu bieten. Deutlich mehr sogar als die oftmals etwas kargen kanarischen Inseln. Genau die jedoch lockten bisher mit den attraktivsten steuerlichen Vorteilen aller spanischen Regionen und das trotz der abgelegeneren Lage. Nun hätte gerne Mallorca bzw. die Balearen insgesamt ein größeres Stück vom Kuchen. Und Bürgermeister Amengual ebenso: Als erste Gemeinde der Balearen sei man Spain Film Commission beigetreten. Man habe die Jubiläums-Ausgabe der Conecta nach Magaluf holen wollen, weil „die Veranstaltung nicht nur wirtschaftliche Aktivität und internationale Aufmerksamkeit für unsere Stadt generiert, sondern auch die Balearen auf die globale audiovisuelle Landkarte bringt.“

Mallorcas Tourismusminister Guillem Ginard bezeichnete die Film- und Fernsehbranche als „kulturellen, wirtschaftlichen und touristischen Motor. Durch Conecta heben wir eine unserer großen Stärken hervor: Tourismus mit Seele anzubieten, verbunden mit Kultur, Landschaft, Authentizität und Erlebnissen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“ Wieder spiegelt sich der Wunsch eines anderen Eindrucks der Insel. Den bekräftigt auch Jaume Bauzá (Regionalminister für Tourismus, Kultur und Sport der Regierung der Balearen): Seine Regierung setze „sich für die Kulturwirtschaft als Motor der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung ein.“

In diesem Zusammenhang bezeichnete er die Conecta als „eine großartige Gelegenheit, das Potenzial unserer Inseln als Anziehungspunkt für Talente und Drehorte für die europäische und lateinamerikanische audiovisuelle Industrie zu präsentieren.“ Die noch einmal deutlich bessere Infrastruktur vor Ort, die viel engmaschigere Anbindung von Mallorca durch den drittgrößten Flughafen des Landes und - wie mit einem Augenzwinkern angemerkt wird - die oftmals schon vorhandene persönliche Verbindung europäischer Medienschaffender zu ihren Anwesen auf der Insel, spreche dafür. Das Werben um Produktionen geht noch allerdings nicht einher mit veränderten finanziellen Rahmenbedingungen.

Das wird umso intensiver diskutiert werden in den kommenden Tagen. Bei den Gesprächen an diesem ersten Abend fällt allerdings häufiger der Bezug zum internationalen Erfolg von „The White Lotus“ bei HBO Max und den Auswirkungen auf den Tourismus, was insbesondere mit der zweiten Staffel in Sizilien für einen wahren Boom gesorgt hat. Einen Boom, den nicht einmal jede Region unbedingt haben will. Mallorca allerdings, das wurde beim Stelldichein der regionalen Amtsträger deutlich, würde es begrüßen. 5-Sterne-Tourismus mit Wellness-Schwerpunkt - das ist schließlich ohnehin schon länger das angestrebte Wachstumsziel der Insel.

Géraldine Gonard, Chefin der Conecta, dankte in ihrer Begrüßungsrede den Institutionen, Produktionsfirmen, Kreativen, Verbände, Sendeanstalten, Plattformen, Botschaften und Sponsoren, die die spanische Konferenz in den vergangenen zehn Jahren und auch jetzt in Magaluf unterstützten: "Wir wurden mit dem Ziel gegründet, einen Raum zu schaffen, in dem die Branche über sich selbst nachdenken, ihre Zukunft diskutieren und die Projekte entwickeln kann, die das kommende Jahrzehnt prägen werden. Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt dafür, und Mallorca der ideale Ort."