Irgendwann nach einer guten halben Stunde war es die neue Finanzchefin von RTL Deutschland, Julia Kloke, die den Mitarbeitenden von Sky-Deutschland in Unterföhring ausführlich vorstellte, zu wem sie da nun eigentlich gehören. Nicht, dass Bertelsmann unbekannt wäre. Und Kloke selbst erst recht nicht, sie ist seit fast 25 Jahren im Konzern. Doch an diesem Montag schildert sie das „lokale, ostwestfälische Familienunternehmen“ ausdrücklich. Es kommt in Unterföhring an wie ein Wink mit dem Zaunpfahl: Statt einem fernen US-Tech-Konzern, der das deutsche PayTV-Geschäft bekanntermaßen seit Jahren einfach nur noch los werden wollte, sei man jetzt in seriösen Händen.

Es ging viel um Gefühl, aber eben nicht nur, bei diesem Business Update am „Legal Day One“, also jenem 1. Juni - Stichtag für die Übernahme von Sky Deutschland durch RTL Deutschland darstellte. Stephan Schmitter, Maximilian Orgonyi, Andreas Fischer, Inga Leschek, Elke Walthelm, Michael Radelsberger und eben Julia Kloke waren auf Deutschland-Tour. Vormittags in Unterföhring und nachmittags in Köln wurden die Belegschaften eingeschworen auf den gemeinsamen Kurs, getrieben von viel Euphorie. CEO Stephan Schmitter nannte RTL Deutschland „das coolste Content Haus Europas“ und gab die Prämissen aus:  „Wir spielen auf Angriff“. Und doch sei das, was den Teams an beiden Standorten anstehe, als Langzeitprojekt zu verstehen.

Bei den Business Updates erfuhr die Belegschaft, an was in den vergangenen Monaten schon gearbeitet wurde, über das aber bislang niemand reden durfte: Die Aufstellung der neuen Unternehmensführung von RTL Deutschland, auch in den Ebenen unter der Geschäftsführung selbst. Rund 50 Führungskräfte wurden benannt, die das kombinierte Unternehmen künftig führen sollen. Wer in welchem Team welche Aufgaben übernimmt, etwa unter Maximilian Orgonyi beim Thema Transformation & AI oder Chief Consumer Officer Michael Radelsberger.  Mit Blick nach vorne ermutigten insbesondere Schmitter (in Köln) und Elke Walthelm (ihre Sky-Kolleg*innen in Unterföhring) zu einer offenen Einstellung gegenüber Veränderungen und dem gemeinsamen Miteinander.

Dass RTL News künftig direkt bei CEO Stephan Schmitter aufgehängt wird, bestätigte das Unternehmen am Montag. Mehr jedoch nicht. DWDL liegen übereinstimmende Berichte vor über weitere Personalentscheidungen, die den Mitarbeitenden kommuniziert wurden. Dass Entertainment und Sport künftig gemeinsam in der Verantwortung von Inga Leschek liegen, gab man schon vorher bekannt. Und doch widmet man dem in Unterföhring besonderes Augenmerk, wollte offenbar Sorgen vorbeugen, dies könnte falsch verstanden werden.

Schmitter erklärte: Das seien eben die beiden großen Budget-Töpfe, die daher ein Stück weit miteinander verbunden sind. In Lescheks Bereich gibt es aber weitere Veränderungen: Das Windowing und Programmplanung über alle Angebote hinweg liegt künftig in den Händen von Oliver Schablitzki. Auch Markus Küttner wiederum übernimmt zusätzliche Kompetenzen und verantwortet zusätzlich die täglichen Serien bei RTL. Die Produktionstochter RTL Studios berichtet direkt an Leschek. Auch ein Teil des bisherigen RTL Data-Teams, Streaming- und Content Intelligence, ist künftig bei ihr angesiedelt.

War es in Unterföhring Julia Kloke, die ein Bild von Bertelsmann vermittelte, so warb in Köln Elke Walthelm für das Team und die Leistungen von Sky Deutschland. Als Chief Human Resources Officer erklärte sie: „Ich freue mich wahnsinnig Brücken zu bauen mit denen wir aus zwei Unternehmen eins und eine gemeinsame Unternehmenskultur schaffen.“ Immer wieder wurde, erwartbar, der Spirit des neuen gemeinsamen Miteinanders beschworen. „Wenn wir uns vornehmen, etwas groß zu machen, dann gelingt uns das wie keinem anderen. Und ich glaube, das ist die Superpower, auf die wir uns immer wieder besinnen können“, sagte Leschek laut Berichten von Mitarbeitenden. Die Kenntnis des Marktes, den Heimvorteil, hätten globale Streamer nicht und neiden es.

Bevor es dann zu romantisch wurde, adressierte Stephan Schmitter auch den Umstand, dass einige Namen oder bisherige Ansprechpartner*innen in der neuen Führungsstruktur - und mutmaßlich nicht nur da - fehlen. Man setze auf einen transparenten, offenen und fairen Prozess und habe in den vergangenen Wochen parallel ein Auswahlverfahren angestoßen. Man wisse um die bisherige Leistung der Kolleg*innen, aber bei Doppelstrukturen beginne die Neuorganisation. Härtefälle gebe es aber natürlich, die Abstimmung mit den Betriebsräten ist angestrebt. Eine genaue Anzahl der betroffenen Stellen ist nach DWDL vorliegenden Informationen weder in Unterföhring noch Köln genannt worden.

Interessantes Detail in dem Zusammenhang: Bei der Gegenüberstellung von Leistungswerten der beiden Häuser, also RTL Deutschland und Sky Deutschland, sei ablesbar gewesen: Sky erwirtschaftet mit 2000 Angestellten einen Umsatz von zwei Milliarden. RTL kommt mit 6000 Mitarbeitenden auf 2,5 Milliarden. 15 Prozent des Geschäfts von RTL Deutschland kommt bisher aus dem Abogeschäft. Bei Sky sind es 88 Prozent. Das erklärt einerseits, warum der Deal zwei komplementäre Häuser zusammenbringt - noch dazu ist die RTL-Zielgruppe eher jünger und weiblich, Sky eher älter und männlich. Und RTL Deutschland will auch erklärtermaßen unabhängiger vom Werbemarkt werden.

Gleichzeitig zahlt eben dieser - Status Quo - aber in Köln noch die Rechnung. Angesichts dessen kann man es, so einige Teilnehmer des Business Updates, als bemerkenswert werten, dass Frank Vogel als neuer Chefvermarkter zwar direkt an CEO Stephan Schmitter berichtet - nicht aber der Geschäftsführung des neuen Unternehmens angehört. Wahr ist allerdings auch: Mit Ausnahme weniger Jahre war es das bei RTL Deutschland nie. Immer wieder wurde beim Business Update, so schildern es Teilnehmer, außerdem das Tempo betont, mit dem man das gemeinsame Haus jetzt aufstellen müsse. Am 7. Juli gebe es den Company Day One. Bis dahin will RTL Deutschland die Integration von Sky Deutschland weitgehend abgeschlossen haben, um als integriertes Unternehmen aufzutreten. 

Zum Bundesliga-Start im August, wie Schmitter auch schon im DWDL-Interview angekündigt hat, ist dann der „Commercial Day One“ vorgesehen - wo man auch in die Außenkommunikation der sortierten Angebote geht und auf die Straße bringen möchte, was das neue Medienhaus mit einem Content-Budget von zwei Milliarden Euro im Jahr leisten könne. Die Geschäftsführung will künftig abwechselnd in Köln und München tagen. Regelmäßige Updates sind angekündigt, auch in einer neuen App für die Mitarbeitenden an beiden Standorten, die die Häuser zusammenbringen soll, nicht nur mit einem WM-Tippspiel. Der Name: „Heimvorteil“.