Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), ist seit Anfang des Jahres Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) und der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK). In einem Interview mit "epd Medien" hat er sich nun gegen ein generelles Social-Media-Verbot für Jugendliche ausgesprochen. "Wir brauchen einen effektiven Schutz, aber kein pauschales Verbot", so Schmiege. Ihm fehle in der Diskussion das "sorgfältige Abwägen und eine rechtliche Überprüfung der Machbarkeit".
Stattdessen würde sich die Debatte zu sehr zwischen den Extremen bewegen, kritisiert der Medienaufseher. "Ein Verbot bleibt für mich die Ultima Ratio. Die eigentliche Kernfrage lautet doch: Wie gelingt Schutz, ohne digitale Teilhabe zu verhindern?" Über Social Media würden viele negativen Dinge verbreitet, gleichzeitig seien soziale Medien vor allem auch für junge Menschen eine wichtige Informationsquelle.
Schmiege spricht in dem "epd Medien"-Interview auch über die aktuelle Entwicklung von ProSiebenSat.1 nach der Mehrheitsübernahme durch MFE. "Wenn man sich das Programm anschaut, lässt sich die Befürchtung, ProSiebenSat.1 werde zu einer italienischen Ausspielstation, nicht bestätigen", so der DLM-Vorsitzende. Es werde viel von dem fortgeführt, was die Sendergruppe auch bisher schon ausgezeichnet habe. "Gleichzeitig sehen wir aber klar den Sparkurs, der bereits vor über einem Jahr begonnen hat. Hintergrund ist der Rückgang der Werbeeinnahmen im linearen Fernsehen."
Die Tatsache, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Werbeeinnahmen bei großen Tech-Plattformen landet statt bei Inhalteanbietern, bezeichnet Schmiege als "riesiges strukturelles Problem". Das Fernsehen sei davon lange weniger stark betroffen gewesen, spüre die Auswirkungen jetzt aber umso deutlicher. "Der Druck ist entsprechend hoch: Es muss gespart werden, zugleich aber auch investiert und weiterentwickelt werden, ein wahnsinnig schwieriger Spagat. Gleichzeitig zeigt sich, dass kurzfristig orientierte Investoren, die vor allem auf Rendite schauen, schnell wieder aussteigen." Mit Blick auf ProSiebenSat.1 habe er nicht das Gefühl, dass es MFE um kurzfristige Rendite gehe, "sondern darum, die Sendergruppe zukunftsfähig aufzustellen".
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