Am morgigen Dienstag ist Marco Giordani in der Sendung "Breaking Media" des konzerneigenen österreichischen Senders Puls4 zu Gast. Vorab wurden nun einige seiner Aussagen veröffentlicht. Da geht es zunächst um die schon vielfach wiederholte Betonung, dass auch als Teil von MediaForEurope die lokalen Inhalte das Entscheidende für ProSiebenSat.1 seien und die MFE-Töchter in den einzelnen Ländern unabhängig agieren.
Eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene in den Bereichen Technologie, Daten und Werbung sei aber quasi Voraussetzung, um weiter in diese Inhalte investieren zu können. "Es liegt an uns, alle Inhalte so zu gestalten, wie Menschen sie konsumieren wollen. [...] Ich bin davon überzeugt, dass die Stärke unserer Gruppen die lokalen Inhalte für lokale Menschen sind. Das ist unser großer Wettbewerbsvorteil gegenüber den Tech-Giganten."
Dazu gehören für Giordani auch Nachrichten. "News bieten nicht nur einen öffentlichen Mehrwert, den wir bieten wollen. [...] Nachrichten sind sehr wichtig, um die Menschen einzubinden, ihre Loyalität zu gewinnen und sie für unsere Kanäle zu gewinnen." Doch aus Sicht von Giordani muss sich offenbar etwas ändern, damit diese Ziele erfüllt werden können. "Meiner Meinung nach wird künstliche Intelligenz Nachrichten stärker beeinflussen als andere Inhalte. Deshalb müssen wir Nachrichten stärker einordnen, kommentieren und interpretieren, anstatt einfach nur zu erzählen", sagt Giordani der Pressemitteilung des Konzerns zufolge.
Das ist vor allem deswegen bemerkenswert, weil ProSiebenSat.1-Chefredakteur Sven Pietsch in den letzten Jahren quasi das Gegenteil als Marschrichtung für die Nachrichtensendungen des Konzerns ausgegeben hat. Anlässlich der Inbetriebnahme des neuen "Newstime"-Studios im Herbst 2024 sagte Pietsch: "Wir unterstreichen damit einmal mehr unseren Anspruch und unser Selbstverständnis, die Menschen aktuell zu informieren – verständlich, objektiv und wertungsfrei."
Statt "objektiv und wertungsfrei" nun also "kommentieren und interpretieren"? Das wäre eine deutliche Kehrtwende zur bisherigen Haltung. Bei ProSiebenSat.1 wiegelt man ab und betont, dass bei der "Newstime" keine Änderungen geplant seien. Mit "News" sei der gesamte Informationsbereich gemeint, Einordnung und Kommentierung könne also auch durch andere Formate geliefert werden. Ohnehin obliegt die redaktionelle Hoheit dort weiterhin Chefredakteur Sven Pietsch - und nicht dem CEO.
Update: Wir haben den Artikel mit einer Einschätzung von ProSiebenSat.1 ergänzt.
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