Die britische TV-Landschaft steht vor einer massiven Umwälzung: Nach rund siebenmonatigen Verhandlungen hat sich Sky einem Reuters-Bericht mit ITV auf eine Übernahme des Streaming- und Broadcast-Geschäfts geeinigt. Damit würden das Pay-TV-Schwergewicht Sky und die Free-TV-Sender von ITV sowie die Streaming-Plattform ITVX unter einem Dach vereint. Reuters beruft sich dabei auf zwei mit den Verhandlungen vertrauten Personen, die Unternehmen haben den Bericht bislang nicht bestätigt, offiziell gemacht werden könnte der Deal innerhalb der nächsten beiden Wochen.
Dem Reuters-Bericht zufolge soll die Comcast-Tochter Sky 1,6 Milliarden britische Pfund, umgerechnet also fast 1,9 Milliarden Euro, für das Streaming- und Sendergeschäft von ITV auf den Tisch legen. Nicht Teil der Übernahme wäre der Produktionsarm ITV Studios, der weiter unabhängig bleiben würde. Als Teil des Deals soll ITV Studios die Produktionsfirma Love Prodcuctions übernehmen, die zuletzt mehrheitlich im Besitz von Sky war. Größter Erfolg von Love Productions ist "The Great British Bake-Off" mit seinen Ablegern, auch hinter "The Piano" oder "The Great Pottery Throw Down" steht die Produktionsfirma. Dieser Deal könne mit 80 bis 120 Millionen Pfund zuzüglich einer Earn-Out-Komponente bewertet werden, heißt es im Reuters-Bericht.
Sky würde zusätzlich zu seinem bisherigen Standbein im Pay-TV mit der ITV-Übernahme auch ein starkes Standbein im Free-TV dazu bekommen und das Streaming-Geschäft stärken - es wäre also die gleiche Logik, die hinter der Übernahme von Sky Deutschland durch RTL Deutschland hierzulande steht. Allerdings sind die Dimensionen in UK noch größer: So ist Sky in Großbritannien deutlich stärker aufgestellt als Sky in Deutschland - und im Free-TV ist die Position von ITV erheblich dominanter als die von RTL in Deutschland, das mit ProSiebenSat.1 seit jeher einen starken Wettbewerber hat.
Damit stellen sich in Großbritannien die gleichen kartellrechtliche Fragen wie beim RTL/Sky-Deal, nur in noch verschärfter Form: Auf Sky und ITV entfallen in Summe über 70 Prozent des gesamten TV-Werbemarkts. Bis vor Kurzem wäre grünes Licht der Kartellwächter hier kaum denkbar gewesen - angesichts des rasanten Wandels und der Verschiebung der Werbebudgets hin zu Tech-Plattformen dürfte man aber bei Comcast und ITV darauf hoffen, dass der TV-Werbemarkt nicht isoliert betrachtet wird.
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