Der Hessische Rundfunk (HR) wird im Jahr 2029 sein 80. Gründungsjubiläum feiern. Und bis dahin will man die eigene Geschichte, vor allem die ersten Jahre nach der Gründung, wissenschaftlich aufgearbeitet haben. Dazu hat das Unternehmen nun einen entsprechenden Forschungsauftrag an das Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut) vergeben. Die Leitung des Projekts übernimmt der Medienhistoriker Dr. Hans-Ulrich Wagner, er wird sich auf die Zeit zwischen Gründung (1949) und dem Ende der ersten Amtszeit des Gründungsintendanten Eberhard Beckmann (1962) konzentrieren.
Der Fokus der wissenschaftlichen Untersuchung soll nach HR-Angaben sowohl auf unternehmensgeschichtliche Entwicklungen und Bezüge als auch auf die damals handelnden Personen gerichtet sein. So wird der Umgang mit der NS-Vergangenheit einzelner Akteure ebenso thematisiert wie Fragen nach Eigentumsübergängen aus dem Bestand der liquidierten Reichsrundfunkgesellschaft (RRG).
Im Mittelpunkt der Studie stehen folgende Schwerpunkte:
- Die politischen Rahmenbedingungen in der sich im Betrachtungszeitraum konstituierenden Bundesrepublik
- Der historische Kontext der Gründung vor dem Hintergrund von Erfahrungen aus der Rundfunkgeschichte in der nationalsozialistischen Diktatur
- Kontinuitäten zum Rundfunk im NS-Staat
- Der Umgang mit den Themen Nationalsozialismus und Holocaust in HR-Programmen der Frühzeit
- Die Positionierung der neuen Rundfunkanstalt im gesellschaftlichen und politischen Kontext in Hessen und in der jungen Bundesrepublik
HR-Intendant Florian Hager erklärt die wissenschaftliche Untersuchung in eigener Sache so: "Zum 80. Gründungsjubiläums schauen wir bewusst und ohne Beschönigung auf unsere eigene Geschichte. Durch das Leibniz-Institut für Medienforschung (Hans-Bredow-Institut) lassen wir sie unabhängig wissenschaftlich aufarbeiten. Wir wollen verstehen, woher wir kommen - und daraus Orientierung und Kraft für die Zukunft gewinnen. Transparenz ist für uns die Grundlage für Glaubwürdigkeit und Vertrauen in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk."
Der HR will die Forschungsgruppe in ihrer Arbeit "in vollem Umfang" unterstützen. So gibt man dem Team Zugang zum Archiv des Senders und seiner Gremien. Dadurch sollen Informationen aus externen Sammlungen ergänzt werden. Nach dem Abschluss der Forschungsarbeiten werden die Ergebnisse veröffentlicht und im Rahmen einer Verlagspublikation zum 80-jährigen Bestehen des HR Anfang 2029 aufbereitet. Der Hessische Rundfunk finanziert das Projekt, zu den erwarteten Kosten machte das Unternehmen keine Angaben.
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