Cosmo wird nicht zu 1Live Street. Den neuen Namen, der auch mit einer neuen Positionierung des Programms einhergehen sollte, wurde erst vor wenigen Wochen beschlossen (DWDL.de berichtete), nun rückt der zuständige WDR davon aber schon wieder ab. Hintergrund ist Kritik, die kurz nach der Entscheidung aufgekommen war. Viele Hörerinnen und Hörer störten sich vor allem am Namen 1Live Street, weil sie darin eine klischeehafte Reduzierung von sehr unterschiedlichen migrantischen Lebensrealitäten auf ein einziges Bild sehen. Man nehme das sehr ernst, heißt es nun vom WDR. "Aus diesem Grund werden wir den Namen nicht verwenden."
Der WDR erklärt auch, welche Überlegungen eigentlich hinter dem Namen 1Live Street standen. So sei die Idee ursprünglich im Kontext der Entwicklung eines neuen Programms mit dem musikalischen Schwerpunkt HipHop entstanden. 1Live Street habe auch in einer Publikumsbefragung hohe Zustimmungswerte erhalten. Trotzdem hätte man berücksichtigen müssen, dass "Street" und "Straße" gesellschaftlich auch mit Marginalisierung, sozialer Benachteiligung und Ausgrenzung verknüpft werden, zeigt sich der WDR selbstkritisch.
"Diesen Kontext und die Realität von Menschen, die von Rassismus betroffen sind, hätten wir mitdenken müssen. [...] Der WDR setzt sich seit vielen Jahren in seinen Programmen mit struktureller Benachteiligung, Diskriminierung und gesellschaftlicher Vielfalt auseinander. Umso mehr bedauern wir diesen Fehler", so eine Stellungnahme des Senders.
Wie das heutige Cosmo künftig heißen wird, bleibt damit vorerst unklar. Der neue Name für das Programm wird voraussichtlich im Herbst feststehen. Bei der Namensfindung will man nun nicht nur externe Nutzerinnen und Nutzer mit einbeziehen, sondern auch die Mitarbeitenden.
In der Kritik an der Neuausrichtung stand in den vergangenen Wochen aber freilich nicht nur der Name, sondern auch das gänzlich neue Konzept, das der WDR dem Sender zugrunde legen will. Das zeigt sich schon beim künftigen Fokus auf HipHop, das aktuelle Cosmo ist hier breiter aufgestellt. Und auch die bislang noch zahlreich im Programm vertretenen, mehrsprachigen Sendungen wird es in der Breite so wohl nicht mehr geben, was auch zahlreiche Verbände und Organisationen kritisieren.
Schiwa Schlei, Programmchefin von 1Live und Cosmo, hat sich intern ebenfalls für den Namen 1Live Street entschuldigt und erklärt, dass man ihn künftig nicht nutzen werde. In einem Schreiben, das DWDL.de vorliegt, sagt sie aber auch: "Wichtiger als der Name ist aber das, was den Sender ab April nächsten Jahres ausmachen wird: der Inhalt, redaktionell und musikalisch. Natürlich bleiben wir bei unserem strategisch definierten Ziel, einen Sender aufzubauen, der sich im Schwerpunkt der Jugendkultur HipHop widmet." Der Name 1Live Street ist also abgeräumt, an der generellen Neuausrichtung von Cosmo hält man aber fest.
Die jungen Radiomarken des WDR sollen künftig alle unter der Marke 1Live gebündelt werden. Im Zuge dessen wird es auch zu Veränderungen bei 1Live Diggi kommen. Der Sender steht zwar auch heute schon unter dem Markendach des Hauptsenders, künftig hört er jedoch auf den Namen 1Live Lounge. Positionieren will man 1Live Lounge als ersten Radiosender Deutschlands, "der in Zeiten von Multikrisen das Bedürfnis junger Erwachsener nach einer unaufgeregten Medienumgebung aufgreift und ihnen in einer digital überreizten Welt eine stressfreie Alltagsbegleitung mit konstruktiven Lösungsansätzen anbietet".
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