Die "FAZ" und Thomas Lindner gehen ab sofort getrennte Wege: Lindner hatte das Unternehmen seit 2014 als Vorsitzender der Geschäftsführung geleitet, diesen Posten hat er am heutigen Montag niedergelegt. Einen Nachfolger hat die "FAZ" zwar schon gefunden, er kommt aber erst Anfang 2027: Johannes Boege, seit 2019 Mitglied der Geschäftsleitung der "NZZ" und als deren stellvertretender CEO fürs Kerngeschäft und die strategische Weiterentwicklung zuständig, übernimmt. Dort übernimmt zwar mit sofortiger Wirkung Roman Bretschger den Posten des stellvertretenden CEO, er soll bis Jahresende aber noch für einen geordneten Übergang sorgen. Bis er bei der "FAZ" anfängt, führt Volker Breid, der der "FAZ"-Geschäftsführung seit 2018 angehört, die "FAZ" übergangsweise alleine.

"Herr Lindner hat gemeinsam mit Herrn Breid die 'F.A.Z.' auf finanziell solide Füße gestellt. Ich danke ihm dafür, denn das ist die Grundlage, um unsere Strategie des digitalen Ausbaus umzusetzen mit dem Ziel, auch weiterhin finanziell unabhängig und das führende Medium für Qualitätsjournalismus in Deutschland zu sein", kommentiert die Aufsichtsratsvorsitzende Marika Lulay seinen Abschied. Lulay hat auf diesem Posten wiederum selbst Andreas Barner abgelöst, der dem Aufsichtsrat seit 2016 angehörte und ihm seit 2019 vorsaß. Ende letzter Woche schied er aus dem Gremium aus. Auch Julia Becker hat den Aufsichtsrat verlassen.

Wirtschaftlich lief das Jahr 2025 demnach sogar besser als erwartet: Die Erlöse stiegen leicht um 0,4 Prozent auf 217,4 Millionen Euro, der Gewinn vor Steuern erhöhte sich sogar deutlich von 21 auf 37,5 Millionen Euro. Weil man die Kosten senken konnte, ergab sich ein höheres Betriebsergebnis im Kerngeschäft, obendrein haben aber auch der Verkauf eines Grundstücks, ein höheres Ergebnis im Beteiligungsgeschäft sowie ein positiver Zinsänderungseffekt bei Pensionsverpflichtungen zu dem deutlich höheren Gewinn beigetragen.

Auch das Jahr 2026 ließ sich für die "FAZ" demnach gut an, bis Ende Mai lagen Betriebsergebnis und Ergebnis vor Steuern über dem Vorjahr, fürs digitale Werbegeschäft berichtet man aber einen "deutlichen Rückgang". Für Wachstum sorgte das Paid-Content-Angebot FAZ+ (das die "FAZ" selbst kurioserweise in der eigenen Meldung als "Streamingprodukt" bezeichnet), hier gab es ein Wachstum von 8,4 Prozent. Auch das neu eingeführte "FAZ+ Premium" habe die Erwartungen deutlich übertroffen. Um das Wachstum im Digitalen zu befeuern, will man rund 30 neue Stellen schaffen, um die Entwicklung vor allem in den Bereichen Video und Podcasts voranzutreiben und in den sozialen Medien stärker präsent zu sein.