Der Filmverband Südwest sieht den Filmstandort Baden-Württemberg gefährdet, das hat die Organisation, die die Interessen der Filmschaffenden, Filmproduzenten und Filmdienstleister im Südwesten der Bundesrepublik vertritt, nun via Pressemitteilung erklärt. Grund dafür ist die Tatsache, dass der SWR aktuell an einer Auslagerung diverser Produktionen arbeitet - dabei sind Produktionsfirmen aus Baden-Württemberg teilweise leer ausgegangen. 

Der SWR hatte schon im vergangenen Jahr angekündigt, künftig weniger Formate in Eigenregie zu produzieren, stattdessen wollte man mehr von Produktionsfirmen herstellen lassen. Vor wenigen Wochen hatte man nun einige konkrete Veränderungen angekündigt - und tatsächlich erklären einige dieser damals angekündigten Vorhaben den Ärger der Filmschaffenden im Bundesland. So lagert der SWR die Produktion der Rateshow "Sag die Wahrheit" nach Leipzig aus. Darüber hinaus werden die Show- und Spielanteile des "Tigerenten-Clubs" künftig von Riverside Entertainment in Köln produziert. 

Der SWR hatte damals vor allem auf die Synergien verwiesen, die man sich dadurch erwarte. Sprich: Der Sender will durch die Auslagerungen Geld sparen. Beim Filmverband Südwest spricht man nun jedoch von "Ernüchterung", die bei Filmproduzenten im Südwesten herrsche. Sie würden größtenteils leer ausgehen, heißt es. Man habe zwar gewusst, dass die Auslagerung nicht automatisch bedeute, dass die Produktionen an baden-württembergische Unternehmen gehen würde. "Dennoch wirft die aktuelle Auftragsvergabe die Frage auf, warum der Sender nicht gezielt nach Partnern im Südwesten suchte."

So werde grundsätzlich zu selten an die Produktionsfirmen im Bundesland gedacht, heißt es vom Verband. "Weder vom Land, noch vom SWR besteht Interesse am Filmstandort. Baden-Württemberg wird nur noch als Ausbildungsstandort genutzt. Man sieht hier keine Nachhaltigkeit, denn die Ausbildung kostet viel Geld. Es fehlt am Weiterdenken der Wertschöpfungskette innerhalb des Landes Baden-Württemberg." 

Im Falle des "Tigerenten-Clubs" kritisiert der Filmverband Südwest nun außerdem auch angeblich nicht transparente Vergabekriterien. Wirklich untermauern kann der Verband das jedoch nicht. So heißt es lediglich, dass der SWR "das technisch und qualitativ hochwertigste Angebot, das aus dem Südwesten regional angeboten wurde", nicht angenommen habe. Und weiter: "Inwieweit der SWR die Vergabeordnung beachtet oder seinen Beitrag zur regionalen Standortförderung leistet, bleibt uns offen." 

Sauer stieß den Produzenten im Südwesten auch auf, dass ihnen vom SWR bei einem Runden Tisch mitgeteilt wurde, dass man sich Gedanken zu einer Kinderserie machen solle. "Allerdings hatte der Sender die Ausschreibung schon längst an Produzenten außerhalb des Bundeslandes versendet." Der Verband nutzt die Gesamtsituation für eine eindringliche Warnung: "Baden-Württemberg entwickelt sich zunehmend zu einem reinen Ausbildungsstandort und blutet als Produktionsstandort aus, da auch Fachkräfte abwandern."

Wahr ist allerdings auch, dass auch künftig weite Teile des SWR-Programms im Südwesten entstehen. Die Live- und Quiz-Teile sowie die Kinderreportagen des "Tigerenten-Clubs" sollen auch weiterhin in Eigenproduktion in Stuttgart entstehen. Das hilft den unabhängigen Produktionsfirmen nicht unbedingt weiter. Allerdings produziert die aus Baden-Württemberg stammende Produktionsfirma Kimmig Entertainment GmbH ab 2027 den "Schlager-Spaß mit Andy Borg" - und das in einer vom Europa-Park angemieteten Halle in Mahlberg im badischen Ortenaukreis.

Veränderungen gibt’s auch beim "Tatort": So wird der Krimi mit den Schwarzwald-Kommissaren erstmals als Produktion der Giganten Film hergestellt. Die Produktionsfirma hat ihren Sitz in Ludwigsburg - und damit in Baden-Württemberg. Dennoch bleibt die Verantwortung für die Reihe damit weiterhin im Südwesten. Von den Veränderungen im SWR vorerst nicht betroffen sind die "Tatort"-Reihen aus Stuttgart und Ludwigshafen sowie die regionale Weekly "Die Fallers". Diese drei Formate will der SWR zumindest bis Ende 2028 noch als Eigenproduktionen herstellen.

"Der SWR entscheidet sich aus Verantwortung für die ihm anvertrauten Mittel für die wirtschaftlichsten und sinnvollsten Lösungen", erklärte SWR-Intendant Kai Gniffke vor wenigen Wochen zu den Auslagerungen. Man gewinne an Flexibilität und stärke gleichzeitig die Produzentenlandschaft, so Gniffke weiter. Die Filmproduzenten im Südwesten sehen das etwas anders.