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Ernüchterung

Paid Content: Was von der iPad-Euphorie übrig blieb

von Uwe Mantel
15.04.2011 - 15:30 Uhr

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Derzeit ist man in den Verlagen offenbar noch ein Stück davon entfernt , Steve Jobs täglich für die Rettung der Verlagsindustrie zu danken. Zwei Berichte werfen ein Schlaglicht auf die eingekehrte Ernüchterung in Sachen iPad und Paid Content.

Als Apple sein iPad ankündigte, da versank die deutsche Medienlandschaft eine Zeit lang in einen regelrechten Freudentaumel, Springer-Chef Döpfner wollte Steve Jobs schon täglich für die Rettung der Verlagsindustrie danken. Die feuchten Paid Content-Träume der deutschen Verlage sollten auf dem Tablet-Markt endlich Realität werden.

Doch inzwischen scheint in der Branche der Sinn für die Realität zurückgekehrt zu sein. Am Freitag werfen zwei Berichte jedenfalls ein Schlaglicht auf die Ernüchterung in Sachen Paid Content auf dem iPad. Da wäre zum einen das "Handelsblatt", das Ende Januar mit "Handelsblatt First" eine theoretisch kostenpflichtige App an den Start brachte, sie zur Einführungsphase aber direkt wieder dank eines Sponsors kostenlos anbot.

 

 

Diese Einführungsphase läuft nun aus. Doch die eigentlich geplanten 11,99 Euro pro Monat oder 119,99 Euro pro Jahr wird das "Handelsblatt" auch weiterhin nicht verlangen. Stattdessen wird man die App dank eines Sponsors vorerst weiterhin kostenfrei anbieten, kündigt Peter Neumann, bei DvH Medien für Online-Projekte zuständig, gegenüber "kress.de" an. 30.000 Mal sei die App bislang heruntergeladen worden. Das sei am oberen Ende der Erwartungen, heißt es - doch offensichlich sind es immer noch zu wenige, als dass man sich trauen würde, auf die kostenpflichtige Variante umzustellen und damit logischerweise einen Großteil der Nutzer zu verlieren. "Die Lücke zwischen dem, was derzeit Sponsoren zu zahlen bereit sind, und möglichen Vertriebserlösen ist noch zu groß", lautet die Begründung Neumanns. Der Wechsel auf das Bezahl-Modell sei aber weiterhin nur eine Frage der Zeit.

Das Grundproblem ist derzeit ganz einfach: So gut sich das iPad für Apple auch verkauft haben mag und so rosig die Aussichten für den Tablet-Markt in den diversen Studien auch aussehen mögen - bislang hält sich die Zahl der iPad-Nutzer noch in engen Grenzen. Und von den Nutzern werden auch nicht alle plötzlich zu zahlenden Abonnenten digitaler Angebote der Verlage. Auch beim "stern" sieht man das offensichtlich so. In einem Interview mit "kress" sagte Verlagsgeschäftsführer Thomas Lindner nun: "Das iPad ist nur für sehr wenige fester Bestandteil ihres Alltags und diejenigen, die sich heute ein iPad kaufen, sind darauf noch keine habituellen Hardcore-Zeitschriftennutzer."

Lindners Fazit: Der Vertrieb von E-Magazines allein über Apple reiche nicht aus, um das Geschäft derzeit profitabel betreiben zu können. Und damit kommt auch das nächste Problem ins Spiel, dass man in der App-Euphorie zuletzt übersehen hat: Es gibt eine Welt neben Apple. Im Smartphone-Markt ist Android in den letzten Monaten erstarkt, hat Apple gar überholt. Im Tablet-Markt greift das Google-Betriebssystem ebenfalls an. Microsoft kommt schwerer aus den Startlöchern, dürfte aber ebenfalls an Bedeutung gewinnen. Weitere dürften folgen. Wer auf Apps setzt, hat allerdings künftig das Problem, für jede Plattform eine eigene Applikation programmieren und pflegen zu müssen. Das treibt die Kosten in die Höhe, je diversifizierter der Markt wird.

Beim "Stern" wünscht man sich deshalb eine "plattformübergreifende, system- und screengrößenunabhängige Bezahl-Applikation". Vielleicht besinnt man sich in den Verlagen ja doch noch einmal darauf, dass es die Möglichkeit, Dinge plattform- und systemübergreifend zugänglich zu machen, längst gibt. Man nennt es: Webseite.

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