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Braune Soße oder nicht?

Rommel-Rummel: Teamworx droht mit Klagen

von Uwe Mantel
31.10.2011 - 16:33 Uhr

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Eine der Historikerinnen sowie Catherine Rommel wettern im aktuellen "Focus" gegen den von Teamworx produzierten Rommel-Zweiteiler der ARD und werfen den Machern Revisionismus vor. Dort weist man den Vorwurf brüsk zurück - und droht mit Klagen.

"Historiker-Schlacht um Rommel" betitelt der "Focus" in seiner aktuellen Ausgabe einen Bericht über den Rommel-Zweiteiler, den Teamworx aktuell für den SWR produziert. Und diese Schlacht verläuft in erster Linie zwischen Teamworx, der Historikerin Cornelia Hecht - einer ehemaligen Beraterin der Produktionsfirma - und der Familie Rommel.

Hecht beklagt eine "fragwürdige Deutung von Rommel, die weit hinter das zurückfällt, was Wissenschaft an Erkenntnissen über Rommel und den Widerstand erreicht hat", zitiert der "Focus". Auch Historiker-Kollege Bernhard Kroener pflichtet demnach bei, dass der Autor Niki Stein "mit dem aktuellen Forschungsstand nicht hinreichend vertraut zu sein scheint." Die Figur werde stark vereinfacht und "geglättet" dargestellt.

 

 

Besonders kreidet man Stein an, sich ausgiebig aus dem Rommel-Buch des Briten David Irving zu bedienen. Dieser gelte aber zumindest wegen anderer Werke als Revisionist und werde von rechtsradikalen Kreisen geschätzt. Irving versuche, den von ihm verehrten Rommel "vom Makel des Widerstands zu befreien". Auch Catherine Rommel, eine Enkelin Erwin Rommels, ist wenig begeistert: "Wir haben schlicht und einfach den Eindruck, dass das, was da entsteht, dem Menschen Erwin Rommel nicht gerecht wird. Er wird als Marionette dargestellt, ohne große eigene Meinung."

Teamworx-Produzent Nico Hofmann weist die Anschuldigungen in einer Stellungnahme vom Montag zurück. Der Revisionismus-Vorwurf sei "nicht nachvollziehbar". "Es ist bedauerlich zu sehen, dass die Familie Rommel einen verfrühten Historikerstreit vom Zaun brechen will, obwohl ich bei einem Gespräch in Stuttgart angeboten hatte, den Film im Schnitt anzuschauen." Ohnehin beklagt er, dass bei einem Treffen mit Hecht und Rommel die "so genannten Erkenntnisse" nicht vorgetragen wurden. "Entgegen der Verabredung, über die Dinge im kleinen Kreis zu sprechen, sind diese Unterlagen jetzt wieder gezielt an die Presse gestreut worden. Mein moralisches Verständnis sieht da anders aus."

Auf den Vorwurf, sich auf das Buch des revisionistischen Irving zu stützen, lässt Teamworx mit Dr. Peter Steinbach einen der beratenden Historiker antworten: "Irving ist ohne Zweifel ein strafrechtlich verurteilter Holocaust-Leugner. Das hat aber nichts mit den Recherchen zu tun, die sein Rommel-Bild ermöglichten." Seine Darstellungen seien von allen Rommel-Biographen genutzt worden - "auch von Frau Dr. Hecht, wie der Rommel-Katalog ihrer Ausstellung zeigt", so Steinbach. "Wenn sie nun aber ausgerechnet Aussagen, die wir Irving verdanken, benutzt, um Niki Stein zu diskreditieren, zeigt das zunächst einmal, wie schwach ihre inhaltlichen Bedenken sind." Steinbach räumt ein, dass es wie stets unter Historikern unterschiedliche Interpretationen der Figur und der Ereignisse geben könne. Die eine "wahre Gechichte" gebe es nicht. Aber es funktioniere nunmal nicht, "in einem Film unterschiedliche Wahrheiten historisch klügelnd nebeneinander zu setzen."

Den Historikern Hecht und Kroener, die beide aufgrund von Beraterverträgen Gutachten für Teamworx erstellt hatten, droht Nico Hofmann nun mit juristischen Schritten. Schließlich unterlägen sie aufgrund der Verträge auch nach Ende der Vertragszeit einer detaillierten Verschwiegenheitsverpflichtung, heißt es in einer Teamworx-Mitteilung. "Es ist vor allen Dingen zu klären, ob insoweit ein mehrfacher Vertragsbruch vorliegt, insbesondere auch unter dem Aspekt, ob von Teamworx übersandtes Material für Gegengutachten benutzt wurde." Zudem prüfe man auch juristische Schritte gegen Catherine Rommel, die Drehbuch und Film denunziert habe, indem sie den Machern vorwerfe, rechtsreaktionäres Gedankengut in Buch und Film zu verarbeiten.

Auch der SWR hat den Vorwurf der Geschichtsverfälschung entschieden zurückgewiesen. Intendant Peter Boudgoust:"Auf keinen Fall werde ich zulassen, dass 'Rommel' auch nur in die Nähe von revisionistischem Gedankengut gerückt wird. Den Vorwurf 'braune Soße' in dem Film zu verarbeiten, weise ich mit aller Entschiedenheit zurück." Autor und Regisseur Niki Stein habe sich mit der gesamten, insbesondere auch mit der neuesten wissenschaftlichen Forschung zum Thema Rommel, Nationalsozialismus und Widerstand beschäftigt. "Alle zugänglichen historischen Quellen sind für den Film kritisch zu Rate gezogen worden", betont SWR-Fernsehfilmchefin Christine Strobl. "Allerdings in dem Wissen, dass jede der Quellen auf Herz und Nieren zu prüfen ist und in einem Unrechtssystem wie dem Dritten Reich keine absolute Wahrheit bieten kann."

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