Dieter Moor © ARD/Thorsten Eichhorst
Satire-Plagiat

Moor bediente sich für "ttt"-Gag beim "Postillon"

von Uwe Mantel
21.08.2012 - 10:03 Uhr

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Für seine Abschluss-Glosse "Schluss mit Moor" bediente sich Dieter Moor in der letzten Ausgabe von "ttt - titel thesen temperamente" großzügig bei einem Artikel der Satire-Seite "Der Postillon", ohne mit einem Wort darauf hinzuweisen.

Den Abschluss der sonntäglichen ARD-Kultursendung "ttt - titel thesen temperamente" bildet schon traditionell eine Glosse des Moderators Dieter Moor. Während "Schluss mit Moor" eigentlich für ein Schmunzeln sorgen soll, löste die Glosse im Web diesmal vor allem Aufregung aus. Denn den Inhalt von "Schluss mit Moor" hat Dieter Moor ganz offensichtlich aus einem Artikel der Satire-Seite "Der Postillon" von Stefan Sichermann übernommen, ohne dies in irgendeiner Form kenntlich zu machen.

In "Schluss mit Moor" ging es diesmal um die unendliche Geschichte des neuen Berliner Flughafens. Der "Postillon" schrieb darüber schon am Mittwoch vergangener Woche "Neue Zeitform Futur III eingeführt, um Gespräche über Berliner Flughafen zu ermöglichen". Auch Moor sagte in seiner Sendung "Die Eröffnung ist verschoben auf weit hinter übermorgen. Die Verschiebung der Verschiebung droht verschoben zu werden. Was bleibt ist allgemeine Sprachlosgikeit. Und da, genau da machen Sprachforscher jetzt einen Vorschlag, der dieses Problem beheben könnte: Futur III - wäre gewesen worden sein." Teile von Moors Glosse sind annähernd wörtlich aus dem Postillon-Artikel übernommen - wie etwa die Erklärung von Futur I und Futur II oder auch das Beispiel "Nächstes Jahr um diese Zeit werde ich gerade meine Koffer aufgegeben hätten gehabt" für die Anwendung des Futur III.

Nach Berichten unter anderem von "stern.de" sowie im Blog von Thomas Knüwer und diversen erbosten Kommentaren auf Facebook, veröffentlichten die "ttt"-Macher schließlich eine Erklärung auf ihrer Facebook-Seite. Darin heißt es, Moor verfasse die Schluss-Glosse gemeinsam mit einem Co-Autor. Sein nicht namentlich genannter Co-Autor habe das Thema "im Internet an verschiedenen Stellen gefunden". Moor räume ein, "dass er diesmal nicht überprüft hat, ob eine genauere Quellennennung nötig wäre". Den Plagiatsvorwurf weist die Redaktion aber zurück. "Der Text greift eine Idee auf, geht aber darüber hinaus. Das ist bei satirischen Texten nicht unüblich", heißt es verbunden mit einer allgemeinen Entschuldigung. "Hier wäre bei allen Beteiligten mehr Sorgfalt angebracht gewesen". Bemerkenswert dabei: Die eigentliche Quelle "Der Postillon" wird auch in diesem Statement nicht benannt.

Gegenüber "stern.de" äußerte sich "ttt"-Redaktionsleiter Christoph Bungartz ähnlich. "Satire ist immer etwas freier als andere Formen des Journalismus. Dennoch müssen wir einräumen, dass die Quelle der Idee deutlicher hätte benannt werden müssen", wird er dort zititert. Nun wolle er mit Sichermann Kontakt aufnehmen und die Sache klären.

Nachtrag: In einem weiteren Facebook-Posting nennt "titel thesen temperamente" nun namentlich den "Postillon" als Quelle.

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