Joachim Löw © SWR
Pikante Aussage

Eine Schweizer Zeitung und das verbotene Löw-Zitat

von Alexander Krei
21.07.2014 - 17:14 Uhr

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Die Schlagzeilen wären der "Schweiz am Sonntag" sicher gewesen, doch ein Zitat von Bundestrainer Joachim Löw über seine Zukunft fiel dem Rotstift zum Opfer. Nach dem WM-Sieg hat der Chefredakteur die Sätze aber doch noch veröffentlicht.

Ende März führte Markus Brütsch für die "Schweiz am Sonntag" in London ein Interview mit Chelsea-Trainer Roberto Di Matteo und dem Bundestrainer Joachim Löw. Es endet mit der Frage an Löw, ob er im Falle des WM-Titels aufhören wird. "Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht", so die Antwort des Trainers. Streng genommen sagte Löw eigentlich etwas anderes, wie Chefredakteur Patrik Müller nun öffentlich machte. "Das weiß ich nicht. Gut möglich", so Löws ursprüngliche Antwort. Und er schob sogar hinterher: "Nach zehn Jahren kann ich mir auch vorstellen, dass ich mal gerne wieder einen Verein trainieren möchte."

Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) sorgten diese Aussagen im März für viel Wirbel. Und so meldete sich schließlich der DFB-Pressesprecher zu Wort - mit der Bitte, diese Sätze zu streichen. "Die deutschen Medien stehen Kopf, wenn Sie das drucken", zitiert der Chefredakteur den DFB-Sprecher. Müller, der sich nach eigenen Aussagen für ein paar Sekunden "unheimlich mächtig" fühlte, versuchte daraufhin, die Sache kleinzureden. "Wir sind nur eine kleine Schweizer Zeitung." Doch weil man um die Sprengkraft der Löw-Sätze wusste, ließ der Verband nicht locker. Und so erbat sich Chefredakteur Bedenkzeit, um zunächst Rücksprache mit der Interviewer zu halten.

"Markus Brütsch ist hin- und hergerissen. Drucken, was effektiv gesagt wurde - es aber damit wohl für alle Zeiten mit Löw und dem DFB verderben? Ist es das wert?", beschreibt Müller seine Gedanken, die ihm damals durch den Kopf gingen. "Gemeinsam entscheiden wir, die Spielregeln, wie sie sich in unserer Branche eingebürgert haben, zu respektieren. Schließlich haben wir das Interview nur unter der Voraussetzung bekommen, dass es gegengelesen werden darf." Er habe das Zitat daher "zähneknirschend" gestrichen - und Schlagzeilen auf deutschen Newsportalen habe letztlich auch keine gegeben. Nun, nachdem Müller das wahre Zitat doch veröffentlicht hat, könnte sich das aber freilich mit etwas Verspätung noch ändern.

"Nach dem Gewinn des WM-Pokals finde ich: Jetzt darf das verbotene Zitat raus", schreibt der Chefredakteur der "Schweiz am Sonntag" und gibt zu: "Eine gewisse Pikanterie hat es nach wie vor, schließlich ziert sich Jogi Löw zurzeit immer noch, klar zu sagen, dass er seinen Vertrag, der bis zum Jahr 2016 läuft, erfüllt und Bundestrainer bleibt. Auch wenn alle davon ausgehen, dass er es macht." Seinen Text beendet Patrik Müller mit einer sympathischen Bitte an den DFB: "Falls es so kommt, lieber DFB: Wir hätten dann gern mal noch ein Interview mit dem Weltmeistertrainer. Wir waren doch so nett."

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