Stefan Raab © ProSieben/Willi Weber
Ende 2015 macht er seine letzte Show

Big Bang: Stefan Raab beendet seine TV-Karriere

von Thomas Lückerath
17.06.2015 - 22:13 Uhr

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Stefan Raab beendet zum Ende des Jahres seine TV-Karriere. Nach mehr als 16 gemeinsamen Jahren wird er Ende 2015 seine letzte TV-Show moderieren, wie ProSieben und Raab in einer gemeinsamen Erklärung bekannt geben. Alle Statements und eine erste Einordnung.

Die Meldung löst ein Erdbeben in der deutschen TV-Landschaft und insbesondere bei ProSieben aus, dessen Auswirkungen es in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten erst noch aufzuarbeiten gilt. Stefan Raab hört auf und beendet seine TV-Karriere. "Ich habe mich entschlossen zum Ende dieses Jahres meine Fernsehschuhe an den Nagel zu hängen. ProSieben hat mir eine mehrjährige Vertragsverlängerung angeboten. Das hat mich sehr geehrt. Dennoch habe ich meine Entscheidung nach reiflicher Überlegung und mit Überzeugung getroffen", erklärt Stefan Raab in einer vom Sender und ihm am späten Mittwochabend gemeinsam verbreiteten Pressemitteilung.



Es ist kein leichter Abschied - für Raab wie ProSieben. Wie kein anderes Gesicht hat Stefan Raab über 16 Jahre hinweg den Sender geprägt - mit „TV Total“, „Schlag den Raab“, vielen Eventshows, der erfolgreichen Wiederbelebung des deutschen Vorentscheids zum Eurovision Song Contest in Zusammenarbeit mit der ARD oder auch einem erfrischenden Polittalk inklusive vielbeachtetem Auftritt beim "Kanzlerduell". Raab hatte in ProSieben einen Partner, der viele Freiheiten gewährte. Der Sender profitierte von der stetigen Innovationskraft Raabs, auch deshalb ist der Rücktritt vom Fernsehen für ProSieben nicht nur der Verlust eines Moderators.

"Vielen Dank für 16 außerordentliche, tolle und erfolgreiche Jahre"

Stefan Raab

"Ich bedanke mich bei meinem Sender ProSieben, der mich in den vergangenen Jahren alle meine Ideen hat umsetzen lassen“, sagt Raab in der gemeinsamen Pressemitteilung und schließt mit persönlichen Worten. „Ganz besonders bedanke ich mich bei meinen langjährigen ProSieben-Vertrauten Thomas Ebeling, Wolfgang Link, Daniel Rosemann, Andreas Bartl, Nicolas Paalzow, Jobst Benthues und Ludwig Bauer. Vielen Dank für 16 außerordentliche, tolle und erfolgreiche Jahre.“

Raabs Abschied ist für ProSieben die größte Zäsur im Programm seit mehr als einem Jahrzehnt. Neben „TV Total“ am späten Abend entfällt mit „Schlag den Raab“ auch eine höchst erfolgreiche Samstagabendshow. "Mit Stefan Raabs Entschluss, seine TV-Karriere zu beenden, geht eine TV-Ära zu Ende", sagt Wolfgang Link, ProSieben-Senderchef und Vorsitzender der Geschäftsführung der ProSiebenSat.1 TV Deutschland GmbH. „Stefan Raab hat ProSieben und das deutsche Fernsehen geprägt. Er hat uns viele neue Shows und unzählige magische Momente geschenkt.“

"Ich bedanke mich für seine künstlerische Kraft und seine Loyalität sehr herzlich"

Wolfgang Link

Auch Links Abschied von Raab fällt in der Stellungnahme durchaus emotional aus. „Ich erinnere mich besonders gerne an zwei: Lenas Sieg beim ‚Eurovision Song Contest‘ in Oslo und an das TV-Duell zur letzten Bundestagswahl. In diesen Events zeigt sich die ganze Bandbreite seiner kreativen Leistung. Mit ‚TV total‘ hat er mehrere Generationen begeistert. ‚Schlag den Raab‘ hat die Samstagabend-Unterhaltung verändert. Die Show wurde in der ganzen Welt adaptiert. Ich bedanke mich für seine künstlerische Kraft und seine Loyalität sehr herzlich bei Stefan Raab. Natürlich gilt mein Dank dem gesamten Team von ‚TV total‘.“

Dass dies nicht das Ende einer gewöhnlichen Zusammenarbeit ist und aus Sicht des Senders auch nicht sein müsste, wird in seinen letzten Sätzen zur Personalie des TV-Jahres deutlich: "ProSieben und ich werden Stefan Raab sehr vermissen“, sagt Link. „Sollte er jemals einen Rücktritt vom Rücktritt in Erwägung ziehen: Bei ProSieben stehen ihm alle Türen offen.“ Doch es scheint als meine Stefan Raab den Rückzug durchaus ernst. Mit so einer Meldung scherzt ein börsennotiertes Unternehmen nicht.

Aus Sendersicht gab es keinen Grund für einen Abschied: "TV Total" hat in den ersten Monaten des Jahres 2015 so gut performt wie zuletzt im ersten Halbjahr 2007. Wie ProSieben den massiven Verlust an Programm in der LatePrime sowie Wochenend-Primetime kompensieren will, wird eine spannende Frage der kommenden Wochen und Monate. Nutzt man frei werdenden Ressourcen für massive Investitionen oder tun es auch Sitcoms bis Mitternacht? Erste Antworten könnte es vielleicht bereits am 7. Juli geben, wenn ProSiebenSat.1 in Hamburg seine Programmhighlights für die kommende TV-Saison vorstellt.

Stefan Raab
© Miguel Robitzky/DWDL.de

Unklar ist auch noch, wie sich ProSieben und Stefan Raab im Herbst voneinander verabschieden werden. Nach DWDL.de-Informationen ist aber eine große Abschiedsshow geplant. Kaum vorstellebar schließlich, dass man sich stillschweigend trennen wird. Dazu ist die Liste der gemeinsamen Projekte in all den Jahren viel zu lang. „Die TV total WOK-WM“, der „Bundesvision Song Contest“, „Schlag den Raab“, „Schlag den Star“, „Unser Star für Oslo“, „Die TV total Bundestagswahl“, „Das TV total Turmspringen“, „Die absolute Mehrheit“, „Die TV total Stock Car Crash Challenge“, „Der große TV total Parallelslalom“ - und das ist nicht mal eine vollständige Liste.

Eines der letzten, ganz bemerkenswerten Highlights in der TV-Karriere von Stefan Raab bei ProSieben war eine Woche Anfang 2014 - als er mit "TV Total" live aus New York auf Sendung ging und beim Dreh von Einspielern wie auch im Studio eine Spiellust demonstrierte, wie lange nicht mehr. Das war herausragende Unterhaltung, die zeitgleich zu "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" leider nicht die Beachtung fand, die es verdient hätte. Für die vergangene TV-Saison war eine neue Reise für "TV Total" angekündigt - doch es kam nicht dazu. Dass der kürzlich angekündigte Wechsel von Steven Gätjen zum ZDF nicht zu einer zeitnahen Klärung einer Nachfolge bei "Schlag den Raab" geführt hat, macht aus heutiger Sicht auch Sinn.

Der an diesem Mittwochabend so plötzlich wirkende Abschied von Raab - er kommt letztlich eigentlich nur so, wie er ihn vor Jahren schon in Interviews beinahe als Running Gag gerne angedeutet hatte. Damals schmunzelten alle, wenn Raab von einem frühzeitigen Abschied weit vor dem Rentenalter sprach. Jetzt hat er ernst gemacht. Ein selbstbestimmter #Raabschied.

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