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Goldene Kamera 2016

"Wir machen Fehler. Aber deswegen sind wir keine Lügner"

von Uwe Mantel
07.02.2016 - 10:42 Uhr

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Die Goldene Kamera für die beste Miniserie erhielt "Deutschland 83", bei den Schauspielern wurden Maria Simon und Jörg Hartmann ausgezeichnet. Die bemerkenswerteste Dankesrede des Abends kam aber von Dunja Hayali.

Große Freude bei Ufa Fiction, RTL und allen Machern von "Deutschland 83": Die Serie wurde von der Jury mit der Goldenen Kamera in der Kategorie Beste Miniserie/Mehrteiler ausgezeichnet und konnte sich gegen "Weissensee" und "Blochin" durchsetzen. "Horizontal erzählte Serien sind bei uns Wagnis und Neuland zugleich. Der Achtteiler aber hält die Spannung von der ersten bis zur letzten Minute: dank ungewöhnlichem Plot, attraktiver Besetzung und internationalem Look", hieß es bereits bei der Begründung der Nominierung.

Hauptdarsteller Jonas Nay durfte somit also doch noch jubeln, nachdem er zuvor in der Schauspieler-Kategorie noch Jörg Hartmann aus "Weissensee" den Vortritt lassen musste. Als beste Schauspielerin national wurde Maria Simon für ihre Rolle in "Silvia S. - Blinde Wut" ausgezeichnet. Der Nachwuchspreis ging an Edin Hasanovic, der gerade auch in der ZDF-Webserie "Familie Braun" zu sehen ist. Als bester deutscher Fernsehfilm setzte sich "Ein großer Aufbruch" durch. Vom Publikum gewählt wurden die Auszeichnungen in den Kategorien "bester deutscher Musik-Act", in der sich Helene Fischer durchsetzte, sowie in der Kategorie "Beliebtester Showmaster". Der Preis ging hier an Günther Jauch.

Schon im Vorfeld bekannt war, dass Dunja Hayali mit der Goldenen Kamera in der Kategorie "Beste Information" geehrt werden würde. Sie lieferte die denkwürdigste Dankesrede des Abends. "Ich würde den Preis sofort zurückgeben, wenn die Situation in Deutschland und anderswo dafür eine andere wäre. Aber die Situation ist wie sie ist - und diesen Ist-Zustand aufzuzeigen ist unser Job als Journalist", sagte sie, um im Anschluss auf die persönlichen Anfeindungen und den Journalisten im Allgemeinen entgegengeschleuderten "Lügenpresse"-Vorwurf einzugehen.

Sie bewege sich noch immer in den sozialen Netzwerken, weil sie auf Dialog setze und andere Meinungen hören wolle. Doch "was da momentan abgeht ist mit 'Verrohung der Sprache' überhaut nicht mehr zu beschreiben. Bedrohung, Beschimpfung, Beleidigung, Vergewaltigungswünsche. Keiner hört keinem mehr zu, Worte werden einem im Mund verdreht, aus dem Zusammenhang gerissen. Und wenn man nicht die Meinung des Gegenübers widerspiegelt, ist man ein Idiot, eine Schlampe, ein Lügner oder total ferngesteuert." Mittlerweile spiegle sich dieser Hass aber auch auf der Straße wieder. "Mir hat letztens nach dem Einkaufen jemand ins Gesicht geschrien 'Du Lügenpresse, du Lügenfresse'. Das macht keinen Spaß. Glaubt eigentlich irgendjemand, dass das irgendwas bringt, dieser ganze Hass?"

Hayali weiter: "Legen Sie doch gerne den Finger in die Wunde und streiten sie mit uns. Diskutieren sie mit uns, weisen sie uns auf Fehler hin. Wir sind Journalisten, wir sind keine Übermenschen, wir machen Fehler. Deswegen sind wir aber noch lange keine Lügner." Jeder müsse die Möglichkeit haben, seine Meinung zu sagen, ohne gleich in die rechte Nazi-Ecke gestellt zu werden. "Aber wenn Sie sich rassistisch äußern, dann sind Sie verdammt nochmal ein Rassist, fertig. Und das müssen Sie auch ertragen können." Ihre Bitte: "Seien sie offen, bleiben sie fair, differenzieren sie."

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