Sexshop-Werbung © Eis.de
Kritik an Dildo-Spots zum Frühstück

Sexshop-Werbung im Tagesprogramm erregt die Gemüter

von Thomas Lückerath
19.02.2016 - 09:45 Uhr

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Bei ProSiebenSat.1 und RTL II laufen Sexshop-Werbespots auch im Tagesprogramm. Irritierend finden das einige Zuschauer. Die Sender sagen: Der Jugendschutz gibt grünes Licht und ProSiebenSat.1 verdient an einem der Sexshops sogar mit.

In den vergangenen Wochen erreichten die DWDL.de-Redaktion eMails und Facebook-Nachrichten, in denen sich Zuschauer über Werbespots für Sex-Toys beschwerten. Dabei ging es nicht um die Spots oder Sex-Toys an sich, sondern die Tatsache, dass diese Werbespots im „Sat.1 Frühstücksfernsehen“, aber auch immer wieder an anderen Stellen des Tagesprogramms mehrerer deutschen Privatsender laufen. Dass diese Spots ohne explizite Erotik, sondern spielerisch rätselhaft und doppeldeutig daher kommen, tröstete die Eltern nicht. Im Gegenteil: Gerade so werde bei Kindern und Jugendlichen die Neugier geweckt und durch die große Verbreitung von Smartphones schnell selbst recherchiert. Dass einer der beiden Sexshops auf den Namen Eis.de hört, verstärke das noch.

Das zweite Unternehmen ist das Berliner Start-Up Amorelie, an dem ProSiebenSat.1 Media SE eine Mehrheitsbeteiligung hält. Das Unternehmen gehört zur 7Commerce GmbH, dem strategischen Investmentarm des TV-Konzerns. Kein Wunder also, dass man bei P7S1-Vermarkter SevenOne Media auf Anfrage des Medienmagazins DWDL.de keinerlei Bedenken hat, Sextoys im Tagesprogramm der eigenen Sender zu bewerben. „Werbespots für Erotikprodukte durchlaufen eine kritischen Prüfung durch unsere Jugendschutz-Abteilung und erhalten entweder daraufhin eine Alterskennzeichnung oder gehen im Zweifelsfall weiter an die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V. (FSF)“, erklärt SeveOne Media-Sprecher Marcus Prosch.

Einer der Werbespots von Amorelie, dem Sexshop von ProSiebenSat.1

„Die Werbung für die beworbenen Produkte ist sehr verhalten und wird diskret angedeutet. Es bedarf schon einer gewissen Erfahrung der Zuschauer, dass sich der angedachte Sinn der Werbebotschaft erschließt. Da beide Anbieter mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen im Einklang stehen, „ist eine Ausstrahlung im Tagesprogramm zulässig.“ Auch bei RTL II und Vermarkter El Cartel Media wird die Frage, wie man zu Sextoy-Werbespots im Tagesprogramm steht, mit dem rechtlich Erlaubten beantwortet: „Unser TV-Programm wird von unserem Jugendschutz intensiv und kontinuierlich geprüft. Des Weiteren liegen uns Prüfentscheidungen der ‚Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF)‘ zu den genannten Werbekunden vor“, erklärt RTL II-Sprecher Jörg Neunecker.

„In beiden Fällen erfolgte die Freigabe für eine ganztägige Ausstrahlung. Ein Aspekt einer möglichen Entwicklungsbeeinträchtigung liegt nach deren Prüfung nicht vor. Daher haben wir uns entschieden, die betreffenden Spots auszustrahlen.“ Auch bei den Sendern der Mediengruppe RTL Deutschland sind die Spots von Amorelie und Eis.de zu sehen. Auf Anfrage des Medienmagazins DWDL.de teilt Cordelia Wagner, Sprecherin von Vermarkter IP Deutschland, allerdings mit: Eis.de lief nur bis Anfang Januar im Tagesprogramm. Aufgrund neuer Werbespots mit expliziteren Remindern (kurzen nachgesetzten Spots) dürfen sie nur noch in der Primetime laufen. „Und auch da wird geguckt, dass die Spots nicht in familienaffinen Programmen wie beispielsweise den ‚Puppenstars‘ laufen.“ Amorelie-Spots laufen ebenfalls ausschließlich nach 20.15 Uhr.

Einer der Werbespots von Eis.de

„Wir sind nicht prüde“, schreibt eine Mutter, die sich an DWDL.de gewendet hat. „Knapp bekleidete Menschen sieht man überall. Die animieren aber nicht immer zum Besuch von Websites, die ohne Altersprüfung von Kindern und Jugendlichen genutzt werden können und verstörender sind als eine nackte Brust.“ Das Privatfernsehen hat besonders in den wilden 90er Jahren so manche Gefechte mit dem Jugendschutz ausgetragen. Gemessen an der Erotik sind die Sender heute weitaus harmloser, doch wo Fernsehen nur zur Werbefläche für Inhalte bzw. Produkte im Netz wird, tut sich eine Lücke im Jugendschutz auf - der im Internet im Grunde nicht existiert. Interessanterweise wurden diese Woche Pläne der britischen Regierung bekannt, Erotik-Websites zu einer Altersüberprüfung zu zwingen.

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