Der Fall von Steven Avery und dessen Neffen Brendan Dassey sorgte weltweit für Aufsehen, nachdem Netflix ihn zum Thema seiner zehnteiligen Doku-Reihe "Making a Murderer" machte. Der Streamingdienst brachte die Ereignisse jedoch nicht nur ins Gespräch, sondern letztlich auch vor Gericht. Tatsächlich könnte Dassey jetzt auf freien Fuß kommen: Ein Richter in Wisconsin ordnete am Freitag seine Freilassung an. Noch ist allerdings unklar, ob der 26-Jährige tatsächlich das Gefängnis verlassen kann, schließlich hat die Staatsanwaltschaft nun noch 90 Tage Zeit, um Widerspruch einzulegen.
Dassey und sein Onkel waren vor elf Jahren wegen des gemeinsamen Mordes an einer jungen Frau schuldig gesprochen worden. Das Urteil beruhte allerdings vor allem auf einem Geständnis des damals 16-Jährigen, der unter einer Lernschwäche leidet. In der ersten Staffel von "Making a Murderer" hatte Netflix in aller Ausführlichkeit über zahlreiche Schlampereien bei den Ermittlungen und diverse Ungereimtheiten berichtet, die schließlich in die Frage mündeten, ob die beiden nicht zu Unrecht im Gefängnis sitzen.
Nach der Ausstrahlung hatte es lautstarke Kritik an dem Urteil aus dem Jahr 2005 gegeben. Eine Petition an das Weiße Haus, die sich für eine Begnadigung aussprach, fand hunderttausende Unterzeichner. Pikant: Brandans Onkel hatte in der Vergangenheit schon einmal 18 Jahre wegen Vergewaltigung unschuldig im Gefängnis gesessen. 2003 kam er frei - nur zwei Jahre, bevor er schließlich zu lebenslanger Haft wegen besagten Mordes verurteilt wurde.
Netflix hat unterdessen bereits vor einigen Wochen angekündigt, eine zweite Staffel von "Making a Murderer" produzieren zu wollen. Darin soll jedoch kein neuer Fall aufgerollt werden - stattdessen ist geplant, die Ereignisse um den Fall Avery weiterzuerzählen. "Das Interesse und die Aufmerksamkeit der Zuschauer hat dafür gesorgt, dass die Geschichte noch nicht vorbei ist und wir uns voll engagieren können, die sich entwickelnden Geschehnisse weiterhin zu dokumentieren", erklärten die Macherinnen Laura Ricciardi und Moira Demos. Wann die mit einer Emmy-Nominierung bedachte Doku-Reihe fortgesetzt wird, ist aber noch unklar.
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