Ingo Zamperoni © WDR/Herby Sachs
"Tagesthemen"-Moderator über Lügenpresse & Co.

Ingo Zamperoni: "Wir haben keine Agenda"

von Timo Niemeier
17.10.2016 - 16:42 Uhr

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"Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni erklärt in einem Interview mit der "Welt" seine Einstellung zu den allgegenwärtigen Lügenpresse-Vorwürfen und spricht über No-Gos, die er als Moderator immer beachtet.

Anfang Oktober hat Thomas Roth zum letzten Mal die "Tagesthemen" am späten Abend im Ersten moderiert (DWDL.de berichtete). Sein Nachfolger ist Ingo Zamperoni, der für den Job aus Washington zurückkehrte, wo er die letzten Jahre als Korrespondent arbeitete. In einem Interview mit der "Welt" erklärt Zamperoni nun, wie er den Job als Moderator der "Tagesthemen" versteht: "Ein Moderator ist Bezugspunkt für den Zuschauer, aber er darf sich nicht überhöhen. [...] Er muss die Informationen vermitteln, die ein Zuschauer braucht, um den folgenden Beitrag verstehen zu können."

Darüber hinaus hält es Zamperoni für eine Unart, den Zuschauern vorzugeben, wie sie denken oder fühlen sollen. "Übergroße Betroffenheit zu demonstrieren. Oder zu sagen: Schauen Sie mal – wie toll ist das denn? Ein echtes No-Go. Nein, wir müssen die Dinge auch für sich stehen lassen."

Auch zu den Lügenpresse-Vorwürfen, die durch Teile der Bevölkerung geistern, hat Zamperoni eine Meinung: "Wir haben keine Agenda", sagt er in der "Welt". Er selbst sei noch von niemandem aus Politik oder Wirtschaft angerufen worden, der vielleicht Einfluss auf die Berichterstattung hätte nehmen wollen. "Alle Themen beleuchten wir von verschiedenen Seiten, auch die Flüchtlingsthematik und die politischen Verschiebungen hin zur AfD. Aufgabe der Medien ist es nicht, eine Partei zu verhindern, sondern aufzuklären, wofür sie steht."

Dass bei manchen Menschen aber eben doch der Eindruck entsteht, die Medien würden Parteien oder Gruppierungen verhindern wollen, liegt laut Zamperoni daran, dass viele Journalisten "aus demselben sozialen Umfeld kommen". Man müsse über alle Strömungen berichten und dürfe keine unangenehme Wahrheiten ausblenden oder die Welt schönreden. "Aber die Welt ist auch nicht nur schwarz oder nur weiß. Eigentlich ist sie grau, und wir Journalisten müssen dieses Grau erklären. Dies ist eine Herausforderung, es glückt nicht immer, wir werden nie an alle Wahrheiten kommen." Dennoch gebe es keine Alternative zur Arbeit von Journalisten, zeigt sich Zamperoni überzeugt.


 

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