© BR/Ernst Arendt/Hans Schweiger
Aus für Arendt und Schweiger nach 39 Jahren

Spardruck beim BR erwischt auch die Tierfilmer

von Timo Niemeier
28.11.2016 - 13:52 Uhr

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Fast 40 Jahre lang haben Ernst Arendt und Hans Schweiger Tierfilme für den BR produziert. Nun erhalten sie keine Aufträge mehr, man habe ihnen mitgeteilt, dass liege an ihrem Alter, erklären die Produzenten. Der Sender dementiert das und verweist aus den Spardruck.

Beim Bayerischen Rundfunk muss derzeit kräftig gespart werden. Alleine bis 2025 sollen 450 von 1.000 Vollzeitstellen gestrichen werden (DWDL.de berichtete) und auch im Programm sind die Sparmaßnahmen immer stärker zu sehen. Im April reformierte der Sender sein Fernsehprogramm und zeigt seitdem auch die "Tagesschau" um 20 Uhr - so wie fast alle Dritten Programme mit Ausnahme des MDR. Anfang 2018 gibt man sogar das "Mittagsmagazin" an den RBB ab. Auch hier sind es finanzielle Gründe, die den BR zu diesem Schritt zwingen (DWDL.de berichtete).

Den zahlreichen Sparmaßnahmen sind auch die zwei bekannten Tierfilmer Ernst Arendt und Hans Schweiger zum Opfer gefallen. Sie arbeiten bereits seit 1972 zusammen, 1977 lief ihr erster Film im BR. Nächstes Jahr würden sie also ein 40-jähriges Jubiläum beim Sender feiern, dazu wird es aber wohl nicht kommen. Denn die beiden Produzenten erhalten vom BR keine Aufträge mehr. Zuletzt war ihre Produktion "Highway durch Australien" Anfang des Jahres im BR Fernsehen zu sehen, insgesamt 54 Folgen haben sie mittlerweile für den Sender produziert.


Schweiger erklärt gegenüber dem Medienmagazin DWDL.de, dass der Grund für die Nicht-Beauftragung am Alter der beiden Produzenten liege. Das habe die zuständige Redakteurin ihnen mitgeteilt. Demnach könne der BR keine Aufträge mehr an Produzenten vergeben, die älter seien als 65 Jahre. Arendt und Schweiger sind beide 1949 geboren und haben dieses Alter mittlerweile erreicht.

Beim Sender weist man die Darstellung der beiden Tierfilmer zurück. Die Entscheidung, keine Aufträge mehr an die beiden zu vergeben, sei "keinerlei Bewertung der Qualität oder des Alters der Produzenten". Das Gegenteil sei der Fall: Die letzten drei Teile wurden im April noch einmal im NDR wiederholt und sollen im Juni 2017 auch nochmal am Sonntagnachmittag im Ersten zu sehen sein. "Allein daraus sehen Sie, dass der BR mit der Arbeit der Produzenten zufrieden war. Die Redaktionsleitung hat in Gesprächen und einem persönlichen Treffen im Verlauf 2016 deren Arbeit auch ausdrücklich gewürdigt", erklärt eine Sendersprecherin.

Dennoch sei jeder Auftrag an einen Produzenten ein "Solitär" und enddefiniert, daraus würden sich keinerlei Ansprüche für Folgeaufträge ergeben. Arendt und Schweiger sehen das anders: Seit 39 Jahren lief die Zusammenarbeit mit dem BR automatisch, man habe vom alten Redaktionsleiter auch bereits eine mündliche Zusicherung für eine Fortsetzung der Reihe erhalten. Mit dem Wechsel der Redaktionsleitung Anfang des Jahres seien die Probleme gekommen. Ein weiteres Problem für die Tierfilmer ist, dass ihr "Highway durch Australien" jetzt abrupt endet. Eigentlich hätte man noch Material für drei bis vier weitere Folgen, sagt Schweiger.

Wenn der BR die Zusammenarbeit wirklich hätte beenden wollen, dann hätten wir uns das stilvoller gewünscht.

Hans Schweiger, Tierfilm-Produzent

"Wir sind praktisch in den Ruhestand geschickt worden", sagt Schweiger verärgert. Dass es nun wohl auch kein Special zum 40-jährigen Jubiläum geben wird, schmerzt ihn. Man habe schon einige Ideen gehabt und hätte etwa einen Rückblick auf die bislang gezeigten 54 Tierfilme machen können, sagt Schweiger. Auf Nachfrage beim BR, wie es im kommenden Jahr weiter gehe, habe man keine Antwort erhalten. "Wenn der BR die Zusammenarbeit wirklich hätte beenden wollen, dann hätten wir uns das stilvoller gewünscht", sagt Schweiger.

Nach der Umstellung der Rundfunkgebühr auf den geräteunabhängigen Rundfunkbeitrag haben sich nach Angaben des BR innerhalb der ARD signifikante Verschiebungen in der Finanzkraft ergeben - das erklärte der Sender schon als bekannt wurde, dass man das "Mittagsmagazin" an den RBB abgibt. Daher komme man auch um programmliche Einschnitte nicht herum. Im Bereich der Tierfilme hat das BR Fernsehen seine Sendeflächen inzwischen zurechtgestutzt: Von ehemals drei Sendeplätzen ist heute nur noch einer geblieben.

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